Filmtipp "Man of Steel": Superman schwingt die Abrissbirne

75 Jahre und kein bisschen leise: Superman landet wieder im Kino – mit ordentlich Radau. Das Comeback „Man of Steel“ ist cool, düster und überzeugt mit fulminanter Abriss-Action

Der wohl bekannteste Superheld des Comic-Universums bekommt eine neue Chance – mal wieder. Nachdem Regisseur Bryan Singer 2004 mit seinem Neustart-Versuch Superman Returns keinen großen Hit landete, sollen es nun Zack Snyder (Watchmen, 2009) und Christopher Nolan (The Dark Knight Rises, 2012) richten. Ihr Rezept für Man of Steel: Ein düsteres Setting, eine Story über die Ursprünge des Superhelden und ein spektakulärer Action-Showdown in Metropolis, dem Comic-Gegenstück zu New York. Bis zu dieser fulminanten 3D-Abriss-Orgie im letzten Drittel des Films erwartet den Zuschauer ein Ausflug ins Science-Fiction-Kino auf Supermans Heimatplaneten Krypton. Plus: Der auf der Erde gestrandete Außerirdische (mit Henry Cavill perfekt besetzt) begibt sich als gesellschaftlicher Außenseiter auf einen Selbstfindungstrip. Ergebnis: Der Superhelden-Blockbuster bietet von allem etwas und hat gute Chancen, zu einem echten Sommer-Hit zu werden. Zumindest für den nächsten Männerabend. Denn die Rolle von Superman-Schwarm Lois Lane kommt bei all der Zerstörungswut seiner außerirdischen Gegenspieler etwas zu kurz. Wenigstens weiß das inzwischen 75-jährige Action-Comic-Urgestein (erfunden 1938) immer noch, wie man richtig auf den Putz haut.

Clark Kent (Henry Cavill) lernt die Reporterin Lois Lane (Amy Adams) kennen
Keine Zeit für Techtelmechtel: Die Rolle von Superman-Schwarm Lois Lane (Amy Adams) kommt etwas zu kurz

Darum geht’s in Man of Steel: Um den Fortbestand seines Heimatplaneten zu sichern, schickt der Wissenschaftler Jor-El (Cameron Crowe) seinen neugeborenen Sohn Kal-El auf die weitentfernte Erde. Jor-Els Gegenspieler General Zod (Michael Shannon), der mit einem bewaffneten Aufstand scheitert, schwört bei seiner Verurteilung, den Jungen aufzuspüren und zu vernichten. Nach Kryptons Zerstörung wächst Kal-El (Henry Cavill) als Clark Kent bei seinen menschlichen Pflegeeltern auf. Um seine außergewöhnlichen Fähigkeiten zu verheimlichen, bewegt er sich am Rande der Gesellschaft, übernimmt Gelegenheitsjobs und rettet hier und da Menschen das Leben. Als ein außerirdisches Raumschiff im ewigen Eis gefunden wird, hofft Clark mehr über seine Herkunft zu erfahren und lernt dabei die Reporterin Lois Lane (Amy Adams) kennen. Doch dann taucht plötzlich General Zod auf der Erde auf und fordert Kal-Els Auslieferung.

Ziehvater Jonathan (Kevin Costner) will, dass Clark seine Fähigkeiten den Menschen gegenüber verheimlicht
Pflegevater Jonathan (Kevin Costner) will, dass Clark seine Fähigkeiten den Menschen gegenüber verheimlicht

Action statt Romantik
Man of Steel
ist vor allem eines: wesentlich düsterer als alle vorigen Verfilmungen. Selbst der berühmte Superman-Anzug hat seine knalligen Farben eingebüßt. Auch Humor sucht man in der Blockbuster-Produktion vergeblich. Stattdessen versuchen die Macher, den quasi unbesiegbaren Superhelden so realistisch wie möglich zu zeichnen: Superman ist Außenseiter, hin- und hergerissen, seine Kräfte entweder vor den skeptisch bis feindlich gestimmten Menschen zu verheimlichen oder ihnen zu helfen. Folge: Der Superheld kommt durch diese inneren Konflikte wesentlich menschlicher rüber als in vorherigen Verfilmungen. Dazu lässt Regisseur Snyder starke Bilder sprechen. Romantische Einschläge (etwa Supermans Techtelmechtel mit Lois Lane) sind nur Randnotizen. Denn die zweite Hälfte des Films wird von monumentalen Action- und Kampfszenen dominiert. Darin legen die kryptonianischen Abrissbirnen nicht nur Clark Kents Heimatstadt Smallville, sondern gleich ganz Metropolis in Schutt und Asche.

Fazit: Neustart geglückt. Man of Steel ist ein ernstes und episches Action-Spektakel, das in Sachen Zerstörungswut selbst den letzten Transformers-Film in den Schatten stellt. Das ist super, Männer!

Man of Steel (USA/Kanada/Großbritannien 2013)
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David S. Goyer, Christopher Nolan  
Darsteller Henry Cavill, Amy Adams, Michael Shannon, Russell Crowe, Kevin Costner, Diane Lane
Länge: 143 Minuten
Start: 20. Juni 2013

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