Hilflos ausgeliefert: Angst vorm Krankenhaus

Phobie: Angst vorm Krankenhaus
Jede Operation birgt ein Risiko – aber heutzutage kein großes mehr

Hilflos ausgeliefert zu sein ist ein absoluter Albtraum. Vor allem im Krankenhaus, wenn’s tatsächlich um Leben und Tod geht. Das hilft gegen die Angst vorm Krankenhaus

1. Ich habe Angst, aus einer Narkose nicht wieder zu erwachen

 Es ist nicht zu leugnen: Jede Operation birgt ein Risiko. Doch wenn jemand danach nicht wieder erwacht, liegt das heute weniger an der Narkose als am Zustand des Patienten oder den Medikamenten. Bei planbaren Operationen ist es deswegen wichtig, dass Sie die Voruntersuchungen ernst nehmen und Fragen nach Erkrankungen, Rauchen, Alkohol- und Kaffeekonsum sowie Medikamenten ehrlich beantworten.

Auch Naturheilmittel dürfen Sie nicht vergessen. Wenn Sie Allergien haben oder regelmäßig Medikamente einnehmen, dann sollten Sie das in einen Patientenpass eintragen und ihn immer dabei haben, dann sind Sie auch für unerwartete Einweisungen und bei Bewusstlosigkeit gerüstet.

Die Vollnarkose hat ihren schlechten Ruf vor allem wegen der Gefahr des Atemstillstands durch Muskelerschlaffung. „Bei den meisten Operationen erhalten die Patienten aber heute keine Muskel-Relaxanzien mehr“, sagt Dr. Elmar Mertens vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten. Dadurch erübrigt sich die künstliche Beatmung. Da moderne Narkose-Medikamente wesentlich kürzer wirken, sind sie besser steuerbar. Das macht die Vollnarkose nicht nur sicherer, auch Hang-over und Übelkeit danach werden verringert.

2. Ich befürchte, bei der Operation wach zu werden

Awareness during Surgery oder interoperative Wachheit heißt dieses Phänomen – der Patient ist bei Bewusstsein, kann sich aber nicht bemerkbar machen. Das kann jedoch nur passieren, wenn der Patient zusätzlich zur Narkose muskelerschlaffende Mittel erhalten hat – was ja nur noch selten geschieht.

Mertens: „Wenn bei Patienten, die keine Muskel-Relaxanzien bekommen haben, die Narkose nachlässt, kommt es zu Reaktionen, lange bevor sie die Bewusstseinsebene erreichen.“ Müssen doch Muskel-Relaxanzien gegeben werden – etwa bei großen Bauch- und Herzoperationen –, werden per EEG die Hirnströme überwacht, und es wird kontrolliert, ob der Patient tief schläft.

3. Ich grusele mich vor der Rückenmarks-Anästhesie

Ihre Angst vor einer Querschnittslähmung durch eine Peridural-Anästhesie (PDA) ist unbegründet, weil das Rückenmark oberhalb der Einstichstelle endet. Die größte Gefahr bei der PDA sind Blutungen nach innen, die im Extremfall begrenzte Lähmungen verursachen. Daher muss zuvor Ihre Blutgerinnung kontrolliert werden, und Sie sollten keine blutverdünnenden Mittel wie Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) einnehmen.

Noch seltener sind Infektionen, die ähnliche neurologische Symptome nach sich ziehen können. Wenn Sie dies alles nicht beruhigen kann, dann sollten Sie den Arzt nach einer Vollnarkose fragen. Mit den modernen Medikamenten belastet diese den Körper nicht mehr als eine PDA.

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4. Ich habe Schiss vor verseuchten Blutkonserven

Die Sorge können Sie beiseite legen. Zwar kann es hundertprozentige Sicherheit niemals geben, doch das Risiko, dass Sie sich bei einer Bluttransfusion eine tödliche Krankheit holen, ist wirklich gering. „Alles ist doppelt und dreifach gesichert“, sagt Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut, das in Deutschland die Herstellung von Blutprodukten kontrolliert.

Früher traten noch etwa drei Infektionen auf drei bis vier Millionen Blutspenden pro Jahr auf, weil das Blut nur auf Antikörper untersucht werden konnte, die sich erst einige Wochen nach der Infektion nachweisen lassen. Inzwischen werden etwa HI-Viren direkt nachgewiesen; das Gleiche gilt für Hepatitis-C-Viren. „Seitdem sind keine Infektionen durch Blutprodukte mehr bekannt geworden“, erklärt Stöcker. Bei Hepatitis B besteht noch ein geringes Restrisiko, da die Viren noch nicht direkt nachgewiesen werden können. Gegen die Krankheit gibt es aber eine Impfung, die in drei Schritten erfolgt und zirka 150 Euro kostet.

Eigenblutspenden kommen nur bei langfristiger Planung in Frage, da sie eine Vorlaufzeit von fünf Wochen brauchen. Fragen Sie den Arzt rechtzeitig, ob hoher Blutverlust zu erwarten ist.

5. Ich habe Angst, die Ärzte könnten Fehler machen

Ärzte und Pfleger sind oft überlastet; und wo Hektik herrscht, da passieren Fehler. Die beste Vorbeugung dagegen ist Information. Lassen Sie sich nicht einfach herumschieben, fragen Sie immer nach. Wer macht was, wann und warum? Was ist das für eine neue Tablette? Akzeptieren Sie nicht, wenn Sie die Antwort nicht verstehen: Es geht um Ihren Körper!Gut ist, wenn eine Person Ihres Vertrauens eingeweiht ist, damit jemand auf Sie achtet, wenn Sie nicht ansprechbar sind (siehe Punkt 6). „Wenn Sie meinen, dass etwas schief läuft, wenden Sie sich an den Ombudsmann im Krankenhaus“, sagt Charlotte Henkel von der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hamburg. Seinen Namen erfahren Sie in der Verwaltung, oder er steht am schwarzen Brett. Und nicht vergessen: Sie haben ein Recht auf Einsicht Ihrer Krankenakte.

Übrigens: Es kommt zwar tatsächlich ab und zu vor, dass falsche Körperteile operiert werden. Sie sollten dennoch nicht ohne Absprache etwas wie „Hier!“ auf Ihren Körper kritzeln, von Kreuzen und anderen Zeichen ganz zu schweigen. In vielen Krankenhäusern gibt es einen internen Code – und Ihr persönliches Graffiti könnte zu mehr Verwirrung führen, als Ihnen lieb ist. Sprechen Sie Ihre Angst vor Verwechslung aus und lassen Sie sich erklären, wie man dagegen vorbeugt.

6. Mein Horror: ich kann nicht über mich selbst bestimmen

Mit einer Vorsorgevollmacht geben Sie einer Vertrauensperson das Recht, im Notfall für Sie zu entscheiden. Dieses Dokument beim Notar erstellen zu lassen kostet inklusive Mehrwertsteuer und Schreibauslagen unter 50 Euro. Ohne diese Vollmacht entscheiden üblicherweise Ehepartner oder Eltern, wenn man selbst nicht in der Lage dazu ist. In einer solchen Vollmacht können Sie auch noch weitere Einzelheiten festlegen, zum Beispiel finanzielle Dinge, dann wird es allerdings etwas teurer.

Es ist wichtig, dass die Vertrauensperson Ihre Einstellungen kennt, um in Ihrem Sinne zu entscheiden. Wie stehen Sie zu einer Organspende? Wo ist für Sie die Grenze dessen, was Ärzte versuchen sollen, um Ihr Leben zu retten? Sie können dies auch in einer Patientenverfügung festlegen, doch es ist schwer, es so zu formulieren, dass damit alle denkbaren Fälle abgedeckt sind. Eine Vertrauensperson dagegen kann sich vom behandelnden Arzt erklären lassen, welche Konsequenzen eine bestimmte Entscheidung haben kann.

Wenn Sie die Patientenverfügung vorziehen, können Sie sich im Internet Formulierungshilfen besorgen, zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen oder bei den Ärztekammern der Länder. Sie müssen die Verfügung nicht handschriftlich aufsetzen, aber unbedingt mit Datum unterschreiben und durch einen Zeugen bestätigen lassen. Damit die Verfügung auch Gültigkeit besitzt, sollte man sie alle ein bis zwei Jahre durch eine weitere Unterschrift vor Zeugen bestätigen, auch wenn man nichts geändert hat. „Zudem sollten Sie das Dokument immer bei sich tragen, damit es Ihnen im Notfall auch nützt“, rät Verbraucherschützerin Henkel. Zumindest sollten Sie einen Hinweis in Ihrer Tasche haben, dass es eine Verfügung gibt und wo man sie findet.

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7. Ich habe Angst vor Schmerzen

„Die Situation der Schmerztherapie in Deutschland ist leider als schlecht zu bewerten“, sagt Barbara Ritzert von der Deutschen Schmerzliga. Die neuesten Forschungsergebnisse sind oft noch nicht bis zu allen Ärzten vorgedrungen – aber auch nicht zu den Patienten. Schmerzen gehören dazu, meinen viele. Falsch! Zwar sträuben sich Ärzte noch, nach Operationen starke Opioide zu verschreiben, weil die angeblich süchtig machen. Doch das hat man inzwischen widerlegt. Zudem weiß man heute, dass starke Schmerzen chronisch werden können und bestehen bleiben, auch wenn die Ursache lange ausgeheilt ist.

Erdulden Sie keine Qualen, bestehen Sie darauf, dass Ihre Schmerzen ernst genommen und adäquat behandelt werden. Schließlich fördert eine gute Schmerztherapie auch die Heilung. „In Amerika ist es Standard, das Schmerzempfinden als tägliches Vitalzeichen abzufragen, genauso wie Körpertemperatur oder Blutdruck“, so Ritzert. Inzwischen ziehen auch deutsche Kliniken nach. Immer häufiger werden Geräte eingesetzt, mit denen der Patient die Schmerzmittel-Einnahme selbst dosieren kann (Patient-controlled Analgesia). Befürchtungen, Patienten würden sich damit komplett zudröhnen, haben sich als unbegründet herausgestellt.

8. Mir graut es vor jeder Spritze

Geben Sie Ihre Spritzen-Phobie zu, dann kann Ihnen mit den gleichen Methoden geholfen werden, die auch bei Kindern zum Einsatz kommen. „Die Einstichstelle kann mit einem betäubenden Pflaster oder einer Creme unempfindlich gemacht werden, so dass Sie nicht den kleinsten Pikser spüren“, erklärt Dr. Claus Sieck, Oberarzt in der Klinik für Kinder und Jugendliche in Kiel. Sein Tipp, falls Sie sich nicht die Blöße geben wollen: „Ablenken, weggucken, nicht verkrampfen!“ Eine britische Studie bestätigt: Wegsehen mindert Schmerzen.

Wem schon vor Spritzen graut, dem wird es bei Kanülen erst recht mulmig. Doch auch die dicken Dinger kann man entschärfen. So wird bei einer Narkose normalerweise erst ein intravenöser Zugang gelegt und der Patient dann in den Tiefschlaf versetzt. Diese Reihenfolge lässt sich allerdings auch problemlos umdrehen, wie die Kinderchirurgie zeigt. Bestehen Sie darauf, dass man es bei Ihnen genauso macht. Sonst hilft es auch hier, die Einstichstelle vorher zu betäuben.

9. Ich fürchte, mir in der Klinik eine Infektion einzufangen

Das Risiko einer nosokomialen Infektion ist tatsächlich nicht klein. Problematisch sind vor allem Atemwegs- und Wundinfektionen. „Letztere geschehen vor allem durch Schlamperei und gehen leider nicht immer glimpflich aus“, sagt Dr. Peter Rudolph, Oberarzt für Krankenhaus-Hygiene der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald.

Besonders groß ist die Gefahr der Keim-Übertragung durch das wichtigste Werkzeug des Personals: die Hände. „Das Personal muss sich vor und nach jeder Tätigkeit am Patienten die Hände desinfizieren, bestehen Sie also darauf“, sagt Enriqueta Fobbe, Ausbilderin für Hygiene-Fachkräfte des Bildungsinstituts im Gesundheitswesen in Duisburg. Echte Keimschleudern sind lange Fingernägel – vor allem falsche. Kliniken, in denen Schwestern solche Klauen erlaubt sind, sollten Sie meiden.

Männer sind Medikamenten-Muffel

10. Ich habe Angst, in eine schlechte Klinik zu geraten

Viele Operationen sind geplant – vorher kann man sich genau umgucken, statt sich mit dem erstbesten Krankenhaus abzufinden. Solange Sie eine Klinik im Stadtgebiet wählen, wird Ihnen Ihre Krankenkasse auch keine Steine in den Weg legen. Auf dem Land kann es schwieriger sein – Sie sind gesetzlich verpflichtet, sich im am nächsten gelegenen Krankenhaus behandeln zu lassen. Wollen Sie jedoch in eine andere Klinik, dann müssen Sie sich zuerst eine Genehmigung von Ihrer Krankenkasse besorgen, was zeitraubend und nervig werden kann.

Auf der sicheren Seite sind Sie mit einer privaten Zusatzversicherung, die Ihnen freie Arztwahl garantiert. Die Kosten variieren je nach Umfang der Versicherung, Eintrittsalter und Gesundheitszustand recht stark. Lassen Sie sich beraten!

Bei der Suche nach einer geeigneten Klinik ist natürlich am wichtigsten, welche den passenden Spezialisten für Sie hat: www.krankenhausguide.de ,www.arztauskunft.de sowie www.arzt.de helfen da weiter. Aber auch die Ausstattung und die Pflege sind ausschlaggebend. Bei vielen Krankenhäusern können Sie eine Informations-Broschüre anfordern. Holen Sie mehrere Meinungen ein und schauen Sie sich die Kliniken der engeren Auswahl vorher an. So bekommen Sie den besten Einblick. Achten Sie vor allem auf die Sauberkeit und darauf, ob das Personal freundlich ist und nicht überlastet wirkt.

11. Ich hasse Krankenhäuser
Häufig lässt sich die Operation auch ambulant machen; das geht bereits bei 180 verschiedenen Eingriffen. Aber der Erfolg hängt dann auch von Ihrer Planung ab, denn die Rundum-Versorgung der Klinik fällt ja weg. Klären Sie also vorher: Wie kommen Sie nach Hause? Wer kümmert sich darum, dass Sie etwas zu essen bekommen, besorgt Medikamente, hilft beim Waschen? Lassen Sie sich genau erklären, wie Sie sich nach der Operation verhalten müssen – und zwar solange Sie noch einen klaren Kopf haben. Schreiben Sie die Verhaltensregeln auf und halten Sie sich daran.

Fragen Sie unbedingt, wo Sie anrufen können, wenn Ihnen nach Ihrer Operation irgendwas komisch vorkommen sollte – und tun Sie das dann auch!

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