Städtevergleich: Hier lebt es sich als Vater am besten

Der große Men's Health DAD Städtevergleich
Gesucht: die väterfreundlichste Großstadt Deutschlands

Wo lebt es sich als Vater am besten? Dieser Frage ist Men's Health DAD nachgegangen. Hier finden Sie die ergänzenden Tabellen zum Artikel sowie das Interview mit dem Bürgermeister der Gewinnerstadt

Der Sieger unseres Städtevergleichs kommt aus Bayern. Allerdings sind es ausnahmsweise nicht die Münchner, die den Titel holen. Diese Ehre gebührt Augsburg. Die Universitätsstadt setzte sich im Städtevergleich von Men’s Health Dad gegen 29 Konkurrenten durch und sichert sich den Titel „Väterfreundlichste Stadt Deutschlands“.

Hier finden Sie das PDF mit detaillierten Informationen und Tabellen zur väterfreundlichsten Stadt

Hier lesen Sie das Interview mit Kurt Gribl, Oberbürgermeister unserer Gewinnerstadt Augsburg.

Glücklicher Gewinner: Augsburg Oberbürgermeister Kurt Gribl

Men's Health Dad: Herzlichen Glückwunsch zum Titel „Väterfreundlichste Stadt Deutschlands“. Was sagen Sie zu Ihrem Sieg?

Oberbürgermeister Kurt Gribl: Als bayerische Großstadt hat Augsburg viel Wohlfühl- und Lebensqualität. Das haben uns andere Umfragen auch schon bescheinigt. Dieser ­aktuelle erste Platz zeigt einmal mehr, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Und das kommt dann nicht nur den Vätern, sondern der ganzen Stadtgesellschaft zugute. 

Dad: Sind Sie überrascht über das Abschneiden von Augsburg im Städtevergleich?

Gribl: Augsburg ist eine Trendstadt, was Lebensqualität und Wohnen betrifft. Wir haben einen sehr guten öffentlichen Nahverkehr und viele Naherholungsmöglichkeiten im städtischen Umfeld. Überraschend ist vielleicht, dass es gleich Platz 1 geworden ist. Umso mehr freue ich mich darüber.

Dad: Bei der Zahl der Spielplätze belegt Augsburg Platz 2. Wie wichtig ist es, Kindern vielfältige Spielräume in der Stadt anbieten zu können? Wie werden Spielplätze in Augsburg subventioniert?

Gribl: Für den Unterhalt unserer Spielplätze stehen pro Jahr rund 150 000 Euro zur Verfügung. Der Sand muss ausgetauscht, gereinigt, Fallschutzmaterialien und Ersatzteile für die Spielgeräte beschafft werden. Für Ersatzbeschaffungen und Verbesserungen der Spielplätze in Grünanlagen und örtlichen Naherholungsgebieten stehen gut 100.000 Euro bereit. Für Neubau oder Generalsanierung von heuer 4 öffentlichen Spielplätzen sieht das Spielplatzprogramm rund 340.000 Euro vor. Unseren Stadträten liegt die Versorgung der Stadtteile mit Spielräumen zu Recht am Herzen.

Dad: Ihr Sieg hätte noch klarer ausfallen können: Bei den Kinderbetreuern belegt Ihre Stadt nur den drittletzten Rang. Wie will Augsburg diesen Beruf künftig für Männer attraktiver gestalten?

Gribl: Da ist unser Fachbereich ­Kindertagesstätten bereits sehr aktiv. Er stellt sich zum Beispiel regelmäßig an der Berufsfachschule für Kinderpflege vor. Umgekehrt sind Studierende und Schulklassen entsprechender Fach­akademien im Fachbereich zu Gast. Die Stadt beteiligt sich an neuen Modellen zur Berufsausbildung in der Kinderbetreuung. Außerdem bieten wir eine Sockelarbeitszeit von 32 Stunden mit 7 Stunden auf Abruf an, damit Vollzeitjobs gewährleistet sind. Auch zu Gender-Themen bietet die Stadt gezielt Fortbildungen an, und wir kooperieren vor Ort mit dem Projekt „Mehr Männer in Kitas“. Bei allen Aktivitäten gilt aber auch ­immer die freie Berufswahl, die zu respektieren ist.

Dad: Seit 2008 sind Sie der Oberbürgermeister Augsburgs. Welche Projekte haben Sie in Ihrer Amtszeit für Väter bereits auf den Weg gebracht?

Gribl: Wir machen keine Klientel­politik, sondern Politik für möglichst breite Bevölkerungsgruppen. Wir haben zum Beispiel mehrere Jahre lang unsere ganze Augsburger Innenstadt umgebaut — auch damit Väter und Mütter ihre Kinderwagen ohne Stolperfallen durch die Einkaufsstraßen schieben können. Unser neuer Königsplatz als zentraler Augsburger Verkehrsknoten für Bus und Straßenbahn bietet ebenfalls komfortable und barrierefreie Umsteigebeziehungen an. Davon profitieren Eltern genauso wie Senioren und Kinder. Wir haben beispielsweise auch mit Unterstützung des Berufsbildungszentrums Augsburg die ­Servicestelle „Beruf und ­Familie“ geschaffen. Sie gibt Hilfestellung, wenn Kinder Ferien haben, aber die Eltern zur Arbeit müssen, und macht Angebote für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ziel ist es, Unternehmen familienfreundlicher zu machen. 

Dad: Wie planen Sie, Augsburg für Väter künftig noch ­attraktiver zu gestalten?

Gribl: Wir legen großen Wert auf die Entwicklung unserer Stadt­teile und befragen dazu auch die ganze Bevölkerung nach ihren Wünschen und Vor­stellungen. Vielen ist saubere Luft und eine intakte Umwelt zum Leben und Wohnen wichtig — da sind wir, wie das Ranking zeigt, schon sehr gut. Zum Beispiel realisieren wir mit „Fahrradstadt 2020“ ein wichtiges verkehrs- und umweltpolitisches Projekt. Ziel ist es, bis 2020 den Radverkehrsanteil auf mindestens 25 Prozent zu steigern. Da sind wir auf einem sehr guten Weg.

Dad: Wie verhält es sich bei Ihren männlichen Mitarbeitern im Rathaus mit Elternzeit? Ermutigen Sie Ihre Väter dazu, sich die Zeit zu nehmen und zu Hause beim Kind zu sein?

Gribl: Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Stadt­verwaltung gelten selbst­verständlich die gesetzlichen Regelungen zur Elternzeit. Davon wird Gebrauch gemacht, ohne dass wir dazu ermuntern müssten. Zwischen 2014 und 2016 haben knapp 100 Väter davon Gebrauch gemacht — die Hälfte davon 2 Monate. Andere wählen aber auch das Modell der Arbeitszeitverkürzung, um sich der Kindererziehung zu widmen. Das ist kein Problem.

Dad: Sie selbst haben 3 Kinder, fast alle sind schon volljährig. Wie viel Zeit verbringen Sie aktuell noch mit ihnen?

Gribl: Eindeutig zu wenig. Das liegt an unserer persönlichen Lebenssituation — ich bin in zweiter Ehe verheiratet — und an meiner starken beruflichen Beanspruchung. Meine Kinder wissen natürlich, dass ich jederzeit für sie da bin.

Dad: Würden Sie sich rückblickend als aktiven Vater bezeichnen? Wie wichtig war es für Sie, für Ihre Kinder da zu sein?

Gribl: Bis zum Zeitpunkt der Trennung war die aktive Vaterrolle deutlich stärker ausgeprägt als danach. Zu jedem Zeitpunkt war und ist es mir aber natürlich sehr wichtig, für meine Kinder da zu sein.

Dad: Welche Qualitäten muss man Ihrer Ansicht nach vereinen, um ein guter Vater zu sein?

Gribl: Man braucht Gelassenheit und viel Offenheit, um das, was Kinder bewegt, zu ver­stehen und — im Idealfall mit ihnen zusammen — die richtigen Schlüsse fürs Leben daraus zu ziehen. Vor allem dominiert ein ­guter Vater seine Kinder nicht, sondern gibt ihnen allen Freiraum, sich zu entwickeln und nach ihren Fähigkeiten zu entfalten.

Dad: Wenn Ihr Sohn Vater wird: Welche Kriterien würden Sie ihm bei der Wahl eines Wohnorts nahelegen?

Gribl: Saubere Luft, beste Nah­erholungsmöglichkeiten und ausreichend Kita-Plätze. Das heißt, ich könnte ihm Augsburg wärmstens empfehlen.

Dad: Und welche Tipps würden Sie ihm für die Vaterschaft mit auf den Weg geben?

Gribl: Ich würde ihm sagen: „Bleib du selbst und denk daran: Du kannst deinen Kindern deine Liebe geben, nicht aber deine Gedanken. Sie haben ihre eigenen.“ Eine solche Anleihe aus der Philosophie hat durchaus ihr Gutes.

Dad: Immer wieder werden Wickelplätze in Herrentoiletten ­gefordert. Was halten Sie von solchen Einrichtungen, und ist in Augsburg etwas in dieser Richtung geplant?

Gribl: Wenn ausreichend Platz auf den öffentlichen Toiletten ­besteht, halte ich viel davon, Wickelmöglichkeiten im neutralen Vorraum einzurichten. Das entspricht dem Gender-­Gedanken entschieden besser. Unsere Gleichstellungsbeauftragten haben das Thema für unsere öffentlichen städtischen Toiletten im Blick. Auch beim Internationalen Männertag im November soll es angesprochen werden.

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