Paralympics Basketball: Thomas Böhme bleibt am Ball

Interview mit Paralympics-Basketballer Thomas Böhme
Videointerview mit Rollstuhl-Basketballer Thomas Böhme

Basketballer Thomas Böhme sitzt im Rollstuhl, trifft aber den Korb trotzdem mit einer spielerischen Leichtigkeit. Seine Trainings-Tipps 

Thomas Böhme 21 Jahre alt, 1,65 Meter groß, 53 Kilo schwer

Disziplin: Basketball (Position: Aufbauspieler)

Größte Erfolge: Vize-Europameister 2011, Champions-Cup-Sieger 2012, Deutscher Meister 2011 und 2012 mit dem RSV Lahn-Dill

Handicap: Auf Grund eines offenen Rückens bei der Geburt ist Böhme vom Lendenbereich abwärts gelähmt

Homepage: www.rsvlahndill.de

Erfolgsmotto: »Gibt es einen, der besser ist als ich, will ich erst genauso gut werden – und dann besser«

Basketballer Thomas Böhme sitzt im Rollstuhl, trifft aber den Korb trotzdem mit einer spielerischen Leichtigkeit
Thomas Böhme fährt nur auf nur einem Reifen. Diese akrobatische Einlage für unsere Fotoproduktion bringt ihn nicht einmal ins Schwitzen

Schon seit fast 20 Minuten fährt Thomas Böhme auf nur einem Reifen im Kreis. Eine Hand hat er am Rad des Rollstuhls, mit der anderen hält er locker einen Basketball in die Höhe. So eine akrobatische Einlage für unsere Fotoproduktion bringt ihn nicht einmal ins Schwitzen. Böhme, Ball und Wettkampf-Rolli bilden eine scheinbar untrennbare Einheit. Diese natürliche Leichtigkeit macht den Jung-Nationalspieler zu einem der besten in dem 12-köpfigen deutschen Kader für London.

Das Basketball-Umfeld in seiner Geburtsstadt Bayreuth hat ihn geprägt. „Ich habe mir früher oft Spiele angesehen. Irgendwann bin ich dann selbst zum Training gegangen.“ Das war mit 11 Jahren. 3 Jahre später spielte er in der Rollstuhlbasketball-Bundesliga. Klingt nach Durchmarsch, doch der Weg dorthin war nicht so leicht: Als er mit Basketball anfing, erreichten seine Bälle nur die Netzunterkante des Korbs, der bei Rollstuhlfahrern genauso hoch hängt wie beim Fußgänger-Basketball. „Zudem fehlt im Sitzen die Federbewegung aus den Beinen“, erklärt Böhme. Deshalb ist Krafttraining angesagt – 2- bis 3-mal in der Woche arbeitet Böhme mit Gewichten (siehe Übungen). Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schultern, Armen und Rumpf. Hinzu kommen 5 Einheiten Mannschaftstraining – die sind wichtig, denn Rollstuhlbasketball ist ein taktisch geprägtes Spiel. Böhme: „Lücken schließen, intuitiv richtig stehen, passende Fahrwege erkennen – im Rollstuhlbasketball kommt es darauf an, intelligent zu spielen.“

Und schmerzfrei zu sein: abdrängen, zusammenstoßen, umkippen – all das ruft bei Außenstehenden oft Bestürzung hervor. Fast noch spektakulärer ist es dann, wie geschickt Böhme sich und den Stuhl blitzartig wieder hochdrückt: „So was wird im Training geübt, denn jede Sekunde zählt. Solange einer auf dem Boden liegt, spielen wir ja in Unterzahl.“

Auf den ersten Blick erscheint Böhmes Wettkampfrollstuhl von den vielen Stürzen deformiert: Die großen Laufräder kippen wie nach einem Achsenbruch schräg nach außen. Aluminiumstreben verlaufen scheinbar wahllos in alle Richtungen. Und dann gibt’s da noch 3 kleine Rädchen: „Das sind Skaterrollen, die machen den Stuhl wendig. Die hintere sichert mich zudem gegen einen Sturz auf den Hinterkopf ab“, erklärt Böhme dieses Detail seines 4000 Euro teuren und 5 Kilo leichten Rollstuhls.

Wie bei allen Disziplinen im Behindertensport, gibt es auch im Rollstuhlbasketball eine Einstufung der Behinderungen. Böhme ist auf einer Skala von 1,0 (am schwersten gehandicapt) bis 4,5 (am wenigsten gehandicapt) mit 3,0 klassifiziert. „In London dürfen die fünf Spieler einer Mannschaft, die auf dem Court sind, nicht mehr als 14 Punkte haben“, erklärt Böhme. Er wird einer von ihnen sein und seine Mitspieler wie gewohnt mit spektakulären Pässen in Szene setzen. Unabhängig davon, ob sich das deutsche Team dort gegen Europameister England und Weltmeister Australien durchsetzen kann oder nicht: Die Paralympics in London werden für Böhme, 10 Jahre nach seinem ersten Training, ein absolutes Highlight sein – und bestimmt nicht das letzte.

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