Golf auf der MS Europa: Ball ahoi

Zugefroren ist ein See ein prima Abschlagplatz
Konzentration aufs Golfspielen

An Bord der MS Europa auf dem Mittelmeer fand Frank Hofmann zehn Gründe, warum eine Golf-Kreuzfahrt das Spiel spürbar verbessert

1. Die Konzentration aufs Wesentliche
Auf einer Kreuzfahrt ist die Welt ganz einfach: Sie besteht nur aus Meer und Schiff. Wenn sich die Küste am Horizont ausblendet, hat das Handy in der Regel den Kontakt zum Netz verloren. Um das reibungslose Funktionieren des Schiffbetriebs kümmert sich auf der Europa geräuschlos eine 270-köpfige Besatzung. Für die maximal 300 Gäste bleibt kein einziges Problem zu lösen, keine schwierige Entscheidung zu treffen. Und die ewige To-do-Liste im Hinterkopf verliert in dem Maße an Bedeutung, in dem der Blick den Wellen über das Meer folgt. Man ahnt, wie sich Noah auf der Arche ohne die Tiere gefühlt hätte: Tabula rasa, alles auf Anfang. Also die ideale Geistesverfassung, um sich der höchsten Konzentrationsaufgabe zu widmen, die das Leben zu bieten hat: dem Golfspielen.

Die Entdeckungen fürs Leben

Es gibt nur zwei Faktoren, die über eine miserabel gespielte Golfrunde hinwegtrösten: Entweder hat man sich mit einem Mitspieler auf ein einträgliches Geschäft geeinigt, oder der Platz war landschaftlich traumhaft. Und da das Spiel meistens schlechter läuft als geplant, ist ein schön gelegener Golfplatz grundsätzlich angeraten. Die Pros, die die Kreuzfahrten begleiten und das Golfprogramm zusammenstellen, kennen sich aus auf den Grüns dieser Welt. Auf jeder Etappe darf man deshalb mindestens eine Preziose erwarten. In meinem Fall war es der Golfclub Montanya, 45 Fahrminuten nördlich von Barcelona gelegen, der sich als Höhepunkt der Mittelmeer-Reise entpuppte. Jedes Loch war eine Attraktion: hier ein Abschlag über 150 Meter Wasser, dort ein enges Fairway zwischen alten Laubbäumen, dann ein langes Par 5 mit so satt dunkelgrünen Hügeln, dass man sich auf einem anderen Planeten wähnte – immer mit Blick auf die Pyrenäen im Hintergrund. Wer achtet bei der Aussicht noch auf den Score?

Der umfassende Service

Dummerweise geht mit dem Golfen ein nicht unerheblicher organisatorischer Aufwand einher. Auf den Plätzen müssen Abschlagszeiten reserviert werden, man braucht Münzen für die Ballautomaten der Driving Range, und nach der anstrengenden Runde warten 13 Schläger und ein Paar Schuhe auf gründliche Reinigung. Nicht so mit dem „Golf & Cruise“-Programm, das in jedem angefahrenen Hafen, von dem binnen 60 Minuten Busfahrzeit ein Golfplatz erreichbar ist, einen All-Inclusive-Service bietet: Die Flights sind zusammengestellt und passend zur Ankunftszeit angemeldet. Das Golfbesteck liegt gerei-nigt im Bus. Auf dem Platz warten Körbe mit Übungsbällen zum Warmspielen, Snacks und Getränke stehen am neunten und 18. Loch bereit. Noch komfortabler geht es nur mit einem Caddy.

An Bord der MS Europa auf dem Mittelmeer fand Frank Hofmann zehn Gründe, warum eine Golf-Kreuzfahrt das Spiel spürbar verbessert

Wer angespannt ist, trifft den Ball nicht. Das weiß jeder Golfer seit seinem ersten Abschlag vor drei ungeduldig wartenden Folge-Flights. Golf ist eben ein „feinkoordinativer Sport“, wie es der Pro auf unserer Reise, Guido Tillmanns, ausdrückt. „Je entspannter man ist, umso leichter fällt es.“ Dumm ist nur, dass man selbst im Urlaub auf den Zustand der Entspannung oft tagelang warten muss. Bei einer Kreuzfahrt geht das spürbar schneller, was offensichtlich mit der Bewegung zusammenhängt. Ich kann mir nicht vorstellen, auf dem Balkon eines Hotelzimmers mit Meerblick stundenlang in die Ferne zu schauen. Auf der Europa war genau das meine Lieblingsbeschäftigung. In der Nacht genoss ich es, mich vom sanften Schiffsschaukeln in den Tiefschlaf wiegen zu lassen. Die entspannende Wirkung dieser elementaren Schiffserlebnisse kann selbst der Wellness-Bereich an Bord nicht toppen.

Schwankungen stärken die Balance

Schon bei mittlerem Seegang wird jeder Abschlag auf den Übungsmatten des Schiffs zu einem Schlag aus der Hanglage. Mit der zusätzlichen Erschwernis, dass eine während des Ballansprechens noch vertikal ansteigende Ebene im Rückschwung zu einer absteigenden und im Durchschwung zu einer horizontal schiefen Ebene mutieren kann. Da muss man den Ball schon sehr genau fixieren und die optischen Informationen mit der Bewegungskoordination eng verzahnen. Außerdem empfiehlt es sich, in den Knien immer schön locker zu bleiben – genau so, wie es uns der Pro ja schon immer geraten hat.

Der Golflehrer ist immer im Dienst
Der Golflehrer ist immer im Einsatz. An Bord kann man sich nicht verstecken

Die Zeit für Grundlagen

Üblicherweise hat man von Frühjahr bis Herbst keine Zeit, Golfbücher zu lesen, weil man seine Freizeit auf dem Platz verbringt. Auch im Winter liest man kaum mehr als ein Golfbuch, weil Theorie ohne Praxis auf Dauer frustriert. Auf einer Golf-Kreuzfahrt passt beides endlich mal zusammen. Wer sich golferisch wirk-lich einmal fortbilden will, sollte jedoch nicht zu einem der unlesbaren Technikbücher greifen, sondern zu der genauso weisen wie vergnüglichen Sammlung „Golfträume“ von John Updike (Rororo, 8,50 Euro). Einige der Einsichten daraus lassen sich übrigens auf das Golfen wie auf das Kreuzreisen anwenden: „Wie beim Träumen treten wir hier in eine andere Realität ein, aus der wir erfrischt zurückkehren. Es wendet das Innere des Lebens nach außen. Es schont, was der Alltag an uns überstrapaziert, und fordert Fähigkeiten heraus, die ansonsten brach liegen.“

An Bord der MS Europa auf dem Mittelmeer fand Frank Hofmann zehn Gründe, warum eine Golf-Kreuzfahrt das Spiel spürbar verbessert

„Wenn ich das Ding zu Hause im Keller hätte, wäre ich bald gekündigt und geschieden“, sagt mein Flightpartner, mit dem ich gerade zwischen Sardinien und Mallorca einen typischen schottischen Links-Kurs spiele. Der Golfsimulator der Europa hat 21 Plätze aus der ganzen Welt detailgetreu gespeichert. Aus der Geschwindigkeit und der Rich- »tung, mit der der Ball durch zwei Lichtschranken fliegt, errechnet der Simulator die neue Lage und zeigt sie auf der raumhohen Leinwand an. Ein Zufallsgenerator bestimmt den Windeinfluss. Sogar die Akustik bemüht sich um Authentizität: Am Abschlag zwitschern Vögel, und wenn der Ball ins Wasser fällt, macht es „Plopp“. Hier kann man die Zeit regelrecht totschlagen.

Der 24-Stunden-Pro

Ob regelmäßig Pro-Stunden vonnöten sind, um sein Spiel zu verbessern, ist unter Golfern eine Glaubensfrage. Unser Reise-Pro Guido Tillmanns hat dazu, natürlich, eine dezidierte Meinung: „Autodidakten sind beim Golf verloren.“ Unbestritten ist, dass sich mit einem guten Pro das Handicap sehr viel schneller verringern lässt als ohne. Vor allem, wenn der Golflehrer praktisch rund um die Uhr greifbar ist. Zwar ist der offizielle Einsatz des Pros auf die Golfrunden und die vorher vereinbarten Zeiten im Übungsraum (mit Videoanalyse) beschränkt. Doch wen eine dringende Frage zum Schwung quält, der hat den rettenden Pro auf einem der Decks schnell gefunden. Auf einem Schiff kann man sich eben schlecht verstecken. Alle Pros auf den Kreuzfahrten werden – federführend von PGA-Vize Tillmanns – sorgfältig nach fachlicher und kommunikativer Kompetenz ausgesucht.

Die Zufälle

Wer glaubt, dass ein Kreuzfahrtschiff seinen Fahrplan besonders penibel einhält, weil es ja nie im Stau stecken bleiben kann oder über dem Taunus keine Warteschleifen drehen muss, wird möglicherweise überrascht. Schon ein kräftiger Gegenwind von Stärke acht beispielsweise verringert das durchschnittliche Reisetempo der Europa von 18 auf 16 Knoten pro Stunde. Das klingt nicht nach viel, kann sich aber auf einer längeren Strecke in deutlich kürzeren Hafenliegezeiten – und einem geänderten Landprogramm – bemerkbar machen. Bleiben Sie also flexibel und stellen Sie sich auf alle Eventualitäten ein. Wie im richtigen Golfleben halt.

An Bord der MS Europa auf dem Mittelmeer fand Frank Hofmann zehn Gründe, warum eine Golf-Kreuzfahrt das Spiel spürbar verbessert

Sollten Sie Vorurteile über das Alter der typischen Passagiere auf einer Luxus-Kreuzfahrt hegen, liegen Sie wahrscheinlich falsch. In Wahrheit ist das Publi-kum nämlich noch älter. Ausdrücklich von dieser Regel auszunehmen sind hier die Reisen mit Golfprogramm. Die Golfer senken das gefühlte Durchschnittsalter an Deck deutlich. Sie wirken aktiver und legerer. Man kann mit hoher Treffsicherheit auf den ersten Blick erkennen, ob ein Passagier das Golf-Paket gebucht hat oder nicht. Schon das ist also eine Reise wert: Dass man als Golfer als besonders jugendlich auffällt, ist ja eine ganz neue Erfahrung.

MS Europa
Die MS Europa im Querschnitt

Die Image-Wirkung

Kreuzfahrten mit Golfprogramm bietet Hapag-Lloyd auf der Europa und der Columbus an. Die Europa wird von dem maßgeblichen Berlitz-Kreuzfahrtführer als einziges Schiff mit „Fünf Sterne Plus“ bewertet, die Columbus mit „Drei-Sterne-Plus“. Auf beiden Schiffen stehen Reiserouten weltweit in unterschiedlicher Länge zur Wahl. Preisbeispiele: Golfreise entlang der Ostseeküste auf der Europa, elf Tage ab/an Kiel im Juni, ab 5480 Euro; von Barbados bis Rio, 15 Tage inkl. Flüge, ab 8500 Euro; Golfreise ab Toronto bis Miami auf der Columbus im Oktober/November, 18 Tage inkl. Flüge, ab 3600 Euro. Wer als Schiffsgast gleich onboard die nächste Reise bucht, erhält drei Prozent Rabatt.

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