Jetzt auch auf dem Cover: Benjamin Melzer – Transgender-Mann und Men's Health Covermodel

Mit großer Mehrheit sicherte sich Benjamin die 1. Wildcard
Benjamin ist der erste Finalist beim Cover-Model-Contest

Sixpack, dicke Arme, Vollbart: Benjamin Melzer ist der erste bekennende Transgender-Mann beim Cover-Model-Contest. Nun erscheint er sogar auf dem Cover für die Abonnenten. Das findet sogar Ashton Kutcher klasse. Seine spannende Story

Men's Health April-Ausgabe 04/2016 Collector's Edition mit den Finalisten des Cover-Model-Contests 2016

Ben Melzer ist der erste Transgender-Mann beim Cover-Model-Contest von Men's Health. Damit hat er für sein Anliegen wirkungsvolle PR gemacht, denn vielen Menschen war bisher sicher nicht bewusst, was ein Transgender-Mann ist: Ben hieß früher Yvonne, war ein Mädchen, wusste aber bereits sehr früh, dass er im falschen Körper steckte. Deshalb ließ er sich vor einigen Jahren operieren – das volle Programm. Seither ist Benjamin Melzer ein Mann und fühlt sich wohl in seiner Haut.

Nun ziert er mit seinen Co-Finalisten das April-Cover der deutschen Men's-Health-Abo-Ausgabe.

ACHTUNG! Die April-2016-Men's Health-Ausgabe mit Abocover erhalten Sie hier. 

Typisch Mann! Wenn man mit Benjamin Melzer ins Gespräch kommt, schießt einem dieser Gedanke unweigerlich durch den Kopf. Seine leicht derbe Ruhrgebietsschnauze ist um keinen Spruch verlegen, dazu der feste Händedruck und das fitte Äußere. Ben ist jemand, der einen mit seiner offenen, direkten Art für sich einnimmt, ein Typ Marke Best Buddy. Dieses Forsche, dieses, salopp gesagt, Kerlige, hatte der Mann aus dem Ruhrpott schon immer an sich. Auch schon zu den Zeiten, als er noch Yvonne hieß.

Finalteilnahme als Anerkennung

Dass er das Finale beim Men’s-Health- Cover-Model-Contest erreicht hat, sieht Ben als Bestätigung des Weges, den er im Alter von 23 Jahren eingeschlagen hat. Als er die Entscheidung traf, sich von der Frau zum Mann operieren zu lassen. Eine Entscheidung, die sich lange vorher angekündigt hatte. „Ich war schon als kleines Kind quasi ein Junge mit Mädchennamen — mein gesamtes Wesen war sehr jungenhaft“, sagt der 29-Jährige, der mit der oft verwendeten Bezeichnung Trans-Mann überhaupt nichts anfangen kann. „Diesen Begriff finde ich blöd, ich umschreibe es lieber mit ‚im falschen Körper geboren‘ oder ‚bei mir ist Gott falsch abgebogen‘.“ So wie Ben das sagt — entschlossen, gleich- zeitig verschmitzt lächelnd —, lässt er null Zweifel daran, dass er mit sich im Reinen ist. „Als ich noch eine Frau war, war ich aggressiver und unfair anderen gegenüber, um dadurch von mir selbst abzulenken. Heute bin ich viel ausgeglichener, lebensfroher — glücklich.“

Entscheidung als Prozess

Mit 18 Jahren wird Ben im Fernsehen erstmals direkt mit dem Thema Transsexualität konfrontiert. „Damals erhielt das Kind für mich einen Namen.“ Noch aber schrecken ihn die Bilder von den Operationen ab. Fünf Jahre später, nunmehr angespornt durch ermutigende Fernsehreportagen und durch Vorbilder wie Leichtathlet Balian (vorher Yvonne) Buschbaum, entscheidet er sich dazu, sein Geschlecht zu ändern — von der Frau zum Mann, mit allem, was dazugehört. Vor den Operationen ist nicht nur Ben mulmig: „Meine Eltern haben meine Entscheidung voll unterstützt, hatten jedoch Angst vor den Eingriffen. Sie haben allerdings auch gespürt, dass ich so — im falschen Körper lebend — einfach nicht glücklich sein konnte.“

Offensive als Lebensmotto

Seit Ben nun nicht mehr nur emotional, sondern auch körperlich ein Mann ist, hat sich sein Leben verändert — nein, nicht nur verändert, verbessert, wie er selbst betont: „Ich bin jetzt endlich der Mensch, der ich immer sein wollte. Ich will als positives Beispiel vorangehen und denen, die sich auch im falschen Körper geboren fühlen, Mut machen, den gleichen Weg zu gehen wie ich. Es ist sicherlich kein einfacher Weg, aber er lohnt sich zu 100 Prozent!“ Ben will sich nicht verstecken, hat keine Angst vor diffamierenden Äußerungen. Ganz im Gegenteil: „Ich trete den Menschen, die ein Problem mit mir haben, offensiv entgegen. Zumeist kann ich diejenigen, die Vorurteile hegen, im persönlichen Gespräch davon überzeugen, dass ich eigentlich ein ganz normaler Kerl bin.“ Einer, der beim Cover-Model-Contest von Men’s Health im Finale steht, der mit den anderen Teilnehmern an der Aufpumpstation putzmunter Gewichte stemmt, der Scherze macht und laut ist, der andere kräftig abschlägt, motiviert, nach vorne pusht. Typisch Mann eben.

Seine Geschichte geht mittlerweile durchs Netz, vorläufiger Höhepunkt ist ein Glückwunsch von Ashton Kutcher bei Facebook.

Benjamin über Asthon Kutchers Post und den aktuellen Hype um seine Person

Die Aufmerksamkeit, die ihm derzeit zuteil wird, macht ihn stolz, wie selber sagt. Wir haben ihn gefragt, wie er sich angesichts des aktuellen Medien-Hypes fühlt.

Wie hast du eigentlich von Ashton Kutcher gehört?
Irgendjemand hat mich verlinkt, sonst hätte ich das gar nicht gesehen. Quatsch, dachte ich, das ist der doch gar nicht, das ist bestimmt ein Fake. Doch dann schrieb mir jemand, der hätte einen blauen Haken dahinter, das ist der schon. Und ich dachte, wie krass ist das denn! 

Nervt dich der Medienhype oder ist das okay für dich?
Nein, genau das wollte ich ja. Ich möchte ja auch in diesen Bereich gehen. Ich hoffe nur, dass das kein kurzer Hype ist, der sich dann wieder abschwächt. Ich würde beispielsweise gerne Modeln. Alles vor der Kamera ist total mein Ding. Ich habe keine Scheu vor der Kamera, ob mir da 4 Millionen Leute zugucken oder nicht, ist mir total egal.

Gibt es auch negative Kommentare? Wie gehst du damit um?
Ja, ich habe ein bisschen was gelesen, aber irgendwann habe ich damit aufgehört. Bereits als ich mich für den Covermodel Contest beworben habe, war mir klar, das sowas kommen würde. Ich bin da nicht blauäugig rangegangen und hab gedacht, alle werden dich lieben, sondern: Damit wirst du anecken und polarisieren. Daher ist das mir jetzt egal. Der enge Kreis um mich herum, die Leute, die mir etwas bedeuten, die könnten mich verletzen. Alle anderen, die vor ihren Computern sitzen und böse Kommentare verschicken, sind mir gleichgültig!

Benjamin Melzer – das Video vom Covermodel-Shooting

Mit großer Mehrheit sicherte sich Benjamin die 1. Wildcard

Das Interview mit Benjamin Melzer zum Covermodel-Shooting

Men’s Health: Wie fühlt es sich an, der erste Finalist zu sein?
Benjamin Melzer: Das ist natürlich eine Riesensache. Ich bin überwältigt und etwas nervös, aber die Freude überwiegt ganz klar.

Seit wann treibst du Kraftsport?
Seit rund 4 Jahren. Meine OPs haben mich in den ersten beiden Jahren zwar immer wieder aus dem Rhythmus gebracht, aber seit 2 Jahren trainiere ich intensiv.

Übst du weitere Sportarten aus?
Ja, vor allem Wasser- und Extremsport. Ich surfe und wakeboarde, dazu kommt das Klippenspringen. Früher habe ich auch Basketball gespielt.

Wie wird dein Training in den kommenden Monaten aussehen, da du jetzt fürs Finale gesetzt bist?
An meinen Trainingsplan setze ich mich in den kommenden Tagen. Mit dem Ziel Cover-Model vor Augen werde ich auf jeden Fall die Intensität ankurbeln. An meiner Ernährung  – aktuell High Fat, Low Carb – werde ich auch schrauben.

Woraus schöpfst du deine Motivation, was treibt dich an?
Wenn ich Körper in Top-Form sehe, Fitness- oder Fashion-Models. Jetzt, da ich endlich meinen Körper nach meinen Wünschen formen kann, ist das ein ungeheurer Ansporn. Da könnte ich direkt mit einem Workout loslegen.

Transgender-Mann Benjamin Melzer beim Covermodel-Shooting von Men's Health
Transgender-Mann Benjamin Melzer beim Covermodel-Shooting von Men's Health 15 Bilder

Was hat dich bewegt, am Cover-Model-Contest teilzunehmen?
Das war tatsächlich Aydian Dowling (hier erfahren Sie mehr). Er ist ebenfalls ein Trans-Mann, der bei den Kollegen von Men’s Health USA beim Cover-Contest Ultimate Guy mitgemacht hat. Ich habe ihn angeschrieben und mit ihm gesprochen. Er hat mich letztendlich dazu ermuntert, mich auch bei einem Contest anzumelden.

Du wurdest als Frau geboren. Seit wann bist du Benjamin?
Mit 23, also vor 5 Jahren, war ich an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr weiterging. Da habe ich mich entschlossen, die Geschlechtsumwandlung durchzuziehen. Und wenn ich mich einmal zu etwas entschlossen habe, ziehe ich das auch konsequent bis zum Ende durch.

Wann wurde dir klar, dass du sozusagen im falschen Körper steckst?
Das wurde schon im frühen Kindesalter deutlich. Meine Mutterhat mir erzählt, dass ich mich mit 3 oder 4 Jahren geweigert habe, Kleider zu tragen. Pink war tabu bei mir. Die Pubertät war dementsprechend auch keine einfache Zeit. Als ich 18 war, habe ich einen Bericht zu Transgender im Fernsehen gesehen – das war ein Schlüsselmoment für mich. Ich war erleichtert, weil ich zum ersten Mal Antworten bekam, aber mich gleichzeitig auch gefragt habe: was nun?

Es hat noch 5 Jahre gedauert, bis ich mich für die Geschlechtsumwandlung entschieden habe. Das lag vor allem am äußeren Druck. Wenn man in einem Dorf wohnt, ist es doch eine andere Welt.

Als ich dann bereit war, hatte ich das große Glück, dass meine Familie hinter mir stand und mich unterstützt hat. Meine Oma hat gesagt: „Dann ändert sich eben der Name, die Person bleibt doch dieselbe.“ Damals war sie 90 Jahre alt.

Dir folgen mehr als 15 000 Menschen auf Instagram. Regelmäßig postest du mit den Hashtags #transman und #transbeautiful. Wie war das Feedback deiner Fans zu deiner Bewerbung beim Cover-Model-Contest?
Sehr positiv. Viele haben für mich abgestimmt, waren begeistert von meinem Schritt. Ich finde es wichtig, mit dem Thema Transgender offen umzugehen und mich nicht zu verstecken. Viele Leute kommen in den sozialen Medien auf mich zu, auch junge Leute, die sich im eigenen Körper nicht wohlfühlen und Fragen an mich haben. Neulich hat mich jemand angeschrieben, dem meine Seite den Mut gegeben hat, den Schritt der Geschlechtsumwandlung zu gehen – mit  47 Jahren! Ich nehme diese Vorbildfunktion deshalb sehr ernst.

Das Covermodel-Shooting von Men's Health

Eine starke Truppe: Die Finalisten vom Cover-Model-Contets 2016

Sehen Sie hier die Covermodel-Bewerber zum ersten Wildcard-Voting

Die Anwärter auf das Ticket direkt zum Final-Shooting
Die Anwärter auf das Ticket direkt zum Final-Shooting 51 Bilder

Schnell mehr Testosteron produzieren

Sie wollen Ihren Testosteronspiegel schnell in die Höhe treiben? So geht's

Schnell mehr Testosteron produzieren
Schnell mehr Testosteron produzieren
Seite 2 von 61

Sponsored SectionAnzeige