Schluss ohne Schlussstrich: Trennungs-Trend Ghosting

Ghosting: Die leise Trennung
Pssst! Sich einfach davon schleichen? Ganz miese Nummer!

Schlussmachen nervt. Vorwürfe, Tränen, gebrochene Herzen – wer erträgt das schon? Deshalb gibt es einen traurigen Trend, mit dem sich Feiglinge aus der Affäre ziehen: Ghosting

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Was ist Ghosting?

Beim „Ghosting“ verwandeln Sie sich in ein Gespenst. Was klingt wie ein kindliches Halloween-Kostüm beschreibt eine nicht besonders noble Art zu eine Beziehung zu beenden. Ghosting bedeutet einfach zu verschwinden, sich nicht mehr melden und jeden Versuch der Kontaktaufnahme zu ignorieren. Was für die einen wie die einfachste Lösung erscheint, lässt den Verlassenen oft ratlos zurück. Laut einer Umfrage der amerikanischen ELLE haben sich schon 50 Prozent der Männer einmal so aus der Affäre gezogen. 47 Prozent ist es selbst schon einmal passiert, dass die Partnerin plötzlich verschwindet. Das Schlimme: Ghosting kann offenbar jeden treffen. Wenn es beim ersten Date nur bei einem von beiden gefunkt hat – na gut. Wenn die Affäre nach ein paar Wochen das Interesse verliert - autsch. Aber wenn sogar der feste Partner den stillschweigenden Abgang einem klärenden Gespräch vorzieht, dann tut's richtig weh. 

Gründe für Ghosting

„Ghosting ist ein Phänomen, das viel mit dem aktuellen Zeitgeist zu tun hat“, sagt Paartherapeutin Nina Zucker aus Hamburg, „Das allgegenwärtige Leistungsdenken wird zunehmend auch aufs Dating übertragen.“ Werden unsere Erwartungen an eine Partnerschaft nicht erfüllt, wartet irgendwo sicher ein anderer, der viel besser zu uns passt. Wisch und weg. „Um eine Beziehung respektvoll zu beenden, müssten wir Zeit aufwenden und uns wirklich mit unseren Ansprüchen und denen des Partners auseinandersetzen. Das ist unangenehm und viele wollen das nicht“, erklärt Zucker. Ganz neu ist Ghosting allerdings nicht. Es ist das moderne „kurz mal Zigaretten holen“, aber „die Unverbindlichkeit des Onlinedatings verstärkt dieses Verhalten sicherlich“, meint Zucker.

Ghosts gehen davon aus, dass das Signal des Nichtmeldens einfach verstanden wird. Keine Antwort ist schließlich auch eine Antwort. „Bei vielen spielen da sicher auch Bindungsängste eine Rolle“, sagt die Paartherapeutin. Andere wollen den Partner nicht enttäuschen, denn sie wissen: Die Wahrheit würde zu sehr wehtun. „Es ist sehr unpopulär geworden, solche Konflikte auszuhalten. In unserer Idealvorstellung sollen Beziehungen nicht anstrengend und schwierig sein“, sagt Zucker. Wenn sie es doch sind, ergreifen viele vorsichtshalber die Flucht.

Ehrliche Alternativen zum stillen Abgang

Wer sich wortlos aus dem Staub macht, lässt sich damit immer auch ein Hintertürchen offen. Vielleicht überlegen Sie es sich in ein paar Wochen anders. Ist der Satz „Es ist vorbei“ erstmal ausgesprochen, gibt es kein Zurück mehr. Wer ihn nie über die Lippen bringt, kann sich später vielleicht geschickt wieder ins Spiel bringen. Wer so denkt, ist sehr unehrlich und spielt mit den Gefühlen anderer. Sie wollen Schluss machen? Dann versuchen Sie es doch auf die faire Art:

Nach einem gescheiterten ersten Date ist eine abschließende SMS das Mindeste. Ein „Sorry, das wird leider nichts mit uns“ werden Sie wohl gerade noch in ihr Handy tippen können. Haben Sie die Frau schon ein paar Mal getroffen, ist (zumindest von ihrer Seite) vielleicht schon eine gewisse Bindung da. Vielleicht hat sie sich sogar verliebt. Sagen Sie es Ihr in einem persönlichen Gespräch oder zumindest am Telefon. Sind Sie bereits ein Paar, wenn sich die Dame als Reinfall entpuppt, sollten Sie es Ihr auf jeden Fall persönlich sagen. Tipp: In einem Café oder Restaurant wird sie sich bemühen, nicht sofort in Tränen auszubrechen. Wichtig: Seien Sie ein Mann, keine Memme. Machen Sie sich auf Fragen gefasst und liefern Sie eine ehrliche Erklärung, warum es aus ist. Das gehört zu einem sauberen Schlussstrich dazu.

So kommen Sie drüber hinweg

Wer selbst schon einem solchen Gespenst zum Opfer gefallen ist, weiß: Gerade, wenn schon echte Gefühle da sind, fällt es schwer mit der plötzlichen Funkstille umzugehen. Aber: „Je mehr Sie ihr hinterherlaufen, desto schneller läuft sie weg.“ Umso mehr Nachrichten Sie der Angebeteten schicken, desto schlimmer wird es. „Geben Sie ihr ein paar Tage Zeit durchzuatmen“, sagt Zucker.

Dabei können Sie auch taktisch vorgehen und sich vielleicht erst nach 3 Tagen bei ihr melden. „Sich rar machen, damit der Partner Sie vermisst und von allein zurückkommt, funktioniert manchmal, allerdings nur kurzfristig. Auf Dauer ist dieses Spielchen keine gute Basis für eine funktionierende Beziehung“, sagt die Expertin. Hilft das auch nicht, müssen Sie sich damit abfinden, dass es aus ist – besser früher als später. Und wahrscheinlich ist das sogar besser so, denn machen wir uns nichts vor: Ghosting zeugt in etwa von der Reife pubertierender 16-Jähriger. „Sie können sich selbstkritisch die Frage stellen, ob Sie vielleicht zu schnell zu viel wollten“, sagt Zucker. Aber wahrscheinlich hat dieses Verhalten gar nichts mit Ihnen zutun und Sie können froh sein, dass Sie die Braut los sind.

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