Körper repariert Herzschäden selbst

Der Körper kann Verletzungen am Herz selbst heilen, vermuten Wissenschaftler. Wenn das stimmt, eröffnet sich völlig neue Wege bei der Behandlung von Herzkrankheiten.

Amerikanische Forscher untersuchten Herzzellgewebe von sieben Männern, die Spenderherzen von Frauen eingepflanzt bekommen hatten. Dabei fanden sie heraus, dass in manchen Gewebeproben mehr als 45 Prozent der Zellen nicht mehr zu den Spenderherzen passten, sondern scheinbar von den männlichen Patienten selbst stammten.

Wo genau diese fremden Herzzellen herkommen, ist den Forschern um Dr Piero Anversa vom New York Medical College unklar. Es könnten einerseits Rest-Zellen des alten Herzes sein, oder aber ehemalige Stammzellen aus dem Knochenmark der Patienten. Diese könnten zum implantierten Herz gewandert sein um die Verletzungen bei der Operation zu reparieren. Stammzellen können sich nämlich zu den verschiedensten Zelltypen entwickeln, theoretisch auch zu Herzmuskelzellen. Für diese Theorie spricht, dass viele der gefundenen Fremd-Zellen Charakteristika von Stammzellen zeigten.

Neue Heilungschancen bei Herzkrankheiten?
Diese Theorie wäre eine Umkehrung aller bisherigen Vermutungen, dass sich das Herz nämlich nicht selbst reparieren kann. Sie könnte damit weitreichende Konsequenzen für die Behandlung von Herzkrankheiten haben.

Es ist allerdings noch nicht geklärt, ob der Einfluss der Zellen der Herzpatienten groß genug ist, um das Überleben eines eingepflanzten fremden Herzes zu beeinflussen. Die Wissenschaftler können auch noch nicht sagen, was genau diese Selbstreparatur der Herzzellen bedeutet. Zur Untermauerung dieser Theorie müssen erst noch weitere Versuche gemacht werden.

Ein Y für ein X
Wie kamen die New Yorker Forscher auf ihre These? Die Zellen der weiblichen Spenderherzen enthalten keine Y-Chromosomen, die sind den Männern vorbehalten. In ihren Gewebeproben fanden die Wissenschaftler aber sowohl Zellen mit, als auch ohne Y-Chromosomen – also weibliche und männliche Zellen. Durch die Chromosomen konnten sie unterscheiden, welche Zellen im Gewebe ursprünglich von den Spenderherzen stammten und welche der männliche Patient während der Heilung der Operation nachgeliefert hatte. Dadurch kamen sie zu der Theorie, dass der Körper des Patienten die Verletzungen durch die Implantation des fremden Herzens selbst zu heilen versucht hat.

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