Liam Neeson sieht rot: Unser Filmtipp "96 Hours"

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In "96 Hours" schießt und foltert sich Liam Neeson durch die Pariser Unterwelt, um seine Tochter zu finden. Bestes "Dirty-Harry"-Kino

Selbstjustizfilme sind vor vielen Jahren aus der Mode gekommen. Nahmen in den 70ern und 80ern Clint Eastwood ("Dirty Harry") und Charles Bronson ("Ein Mann sieht rot") serienweise das Gesetz in die eigene Hand, bleibt es heutzutage vorwiegend Cops, Richtern oder Profilern überlassen, für Recht und Ordnung zu sorgen. Bis jetzt. In "96 Hours" schießt, prügelt und foltert sich Liam Neeson auf eigene Faust durch die Pariser Unterwelt. Das Ergebnis ist weder logisch noch politisch korrekt, aber unglaublich mitreißend.

Die Story: Der Regierungsagent Bryan Mills (Liam Neeson) quittiert seinen Job und arbeitet als Bodyguard, um in der Nähe seiner Tochter Kim (Maggie Grace) sein zu können. Als die Siebzehnjährige mit einer Freundin nach Paris reisen will, stimmt er nur auf Drängen seiner Ex-Frau zu. Wenig später muss er am Telefon mit anhören, wie Kim und ihre Freundin von Menschenhändlern entführt werden. Das Problem: Erfahrungsgemäß hat die Polizei 96 Stunden Zeit, bevor es keine Chance mehr gibt, die Mädchen zu finden. Also fliegt Bryan selbst nach Paris und startet eine gnadenlose Jagd auf die Verbrecher.

Zwischen Dirty Harry und Jack Bauer
Ein Mädchen aus der heilen Welt Los Angeles wagt sich ins gefährliche Europa und wird – quasi als Bestrafung für diese Unvorsichtigkeit – entführt, drogenabhängig gemacht und als Prostituierte verkauft. Sie merken es schon: Mit der Logik nimmt es Luc Bessons "96 Hours" nicht so genau. Man muss nicht die Kriminalitätsrate von Los Angeles und Paris vergleichen, um zu ahnen, dass hier etwas nicht stimmt. Auch Bryans bedenkenlose Lynch- und Foltertaktiken sind mehr als moralisch fragwürdig.

Liam Neeson zumindest überzeugt trotz seiner 56 Jahre als unbarmherziger Racheengel. Für die Lässigkeit eines Dirty Harry reicht es allerdings nicht. Aber mit Jack Bauer aus der Serie "24" kann er es schon aufnehmen. Unterm Strich ist "96 Hours" eine rasante Achterbahnfahrt, die es abseits jeder politischen Korrektheit mal so richtig krachen lässt. Erstaunlich, dass solche Filme noch gedreht werden.

96 Hours (Frankreich 2008)
Regie: Pierre Morel
Buch: Luc Besson & Robert Mark Kamen
Darsteller: Liam Neeson, Famke Janssen, Maggie Grace
Länge: 91 Minuten
Start: 19. Februar 2009

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