Mit Johnny Depp ins Kaninchenloch: Unser Filmtipp "Alice im Wunderland"

Die Filmtipps der Redaktion

Tim Burton und Johnny Depp laden zur verrückten Teeparty ins Wunderland ein. Unser Tipp: Auf keinen Fall ablehnen

Passender hätte es kaum kommen können: Der Meister des schrägen Films Tim Burton ("Sweeney Todd", "Sleepy Hollow") nimmt sich die verrückten Kindergeschichten von Lewis Carroll vor. Das Ergebnis fällt leider weniger übergeschnappt aus als man erwarten könnte. "Alice im Wunderland" ist zwar ein sehr unterhaltsamer Bilderrausch mit coolem Design, beeindruckenden Kreaturen und überzeugenden Schauspielern. Aber selbst Burtons Wunderwaffe Johnny Depp als verrückter Hutmacher gelingt es nicht, die sehr konventionelle Disney-Story aus der Bahn zu werfen. Leider. Denn Carrolls Geschichten sind alles andere als konventionell. Zum Glück gibt’s am Rest des Films nichts zu meckern: Wahnwitzig choreographierte Szenen, jede Menge Bugs-Bunny-Humor und knallbunte Optik sorgen für eine herrlich verrückte Teeparty im Wunderland.

Alice vs. Avatar
"Alice im Wunderland", der erste 3D-Film nach dem Blockbuster "Avatar", muss sich vor Camerons CGI-Meisterwerk nicht verstecken. Die 3D-Effekte sind nicht so aufwendig, können sich aber sehen lassen. Inhaltlich krankt Burtons Film aber an ähnlichen Problemen wie Camerons Sci-Fi-Epos. Die Story wirkt bisweilen ideenlos, Alice zu brav. Und das obwohl sich Burton gegenüber Carrolls Buchvorlage einige Freiheiten gestattet:

Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) ist kein Kind mehr. Als 19-Jährige muss sie sich mit den Gesellschaftszwängen des viktorianischen Londons herumschlagen. Ihre Mutter will sie mit einem dümmlichen Adelsspross vermählen. Als dieser bei einem großangelegten Gartenempfang um ihre Hand anhält, flieht Alice lieber durch einen Kaninchenbau ins Wunderland. Allerdings hat sie vergessen, dass sie schon als Kind hier Zuflucht gesucht hat. Im Wunderland regiert inzwischen die tyrannische rote Königin (brillant: Helena Bonham Carter) mit eiserner Faust. Alice soll nun alles richten, indem sie den furchterregenden Jabberwocky erschlägt. Vorher muss sie aber zu ihrer alten Stärke zurückfinden, wobei ihr Grinsekatze, Hutmacher Johnny Depp, Märzhase, weißes Kaninchen und blaue Raupe helfen wollen.

Zu viele Tassen im Schrank
Das Ganze klingt als hatte Alice‘ Erfinder Lewis Carroll nicht alle Tassen im Schrank – und zwar nicht nur bei der verrückten Teeparty des Hutmachers. Aber genau das macht den Reiz der Vorlage aus. Burton hat jetzt mehr Tassen in den Schrank zurück geräumt als nötig. Folge: "Alice im Wunderland" erinnert schnell an andere Fantasyfilme, wie "Harry Potter", "Herr der Ringe" und "Narnia". Vermutlich, weil die Formel bei allen die gleiche ist: Kindlicher Held muss Monster erschlagen. Aber: Trotz aller Konventionen sorgen schräger Humor und coole 3D-Effekte für knapp zwei Stunden exzellente Unterhaltung.

Alice im Wunderland (USA 2010)
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton, Lewis Carroll (Buchvorlage)
Darsteller: Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter
Länge: 108 Minuten
Start: 4. März

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