Vom Cowboy zum Killer: Unser Filmtipp "American Sniper"

In „American Sniper“ wird ein legendärer US-Scharfschütze aus dem Irak-Krieg als Held gefeiert. Ein spannender Kriegsfilm mit vielen Widersprüchen

American Sniper gilt in den USA bereits jetzt als erfolgreichster Kriegsfilm aller Zeiten. Die wahre Geschichte eines berüchtigten Scharfschützen der Navy Seals setzt auf jede Menge Patriotismus, was insbesondere in Nordamerika gut ankommt. Doch was ist wirklich dran an Regisseur Clint Eastwoods Heldenepos? American Sniper ist ein unglaublich fesselnder Kriegsfilm, und zwar sowohl aufgrund seiner Kampfszenen im Irak als auch durch die gezeigten persönlichen Konflikte an der Heimatfront. Andererseits spielt Eastwood nicht mit offenen Karten. Er vereinfacht, lässt aus und ändert die wahre Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle einfach ab. Alles nur mit dem Ziel, aus einem umstrittenen Soldaten einen lupenreinen Kriegshelden zu machen.

Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper)  wird im Irak-Krieg bei seinen Kameraden zur Legende
Scharfschütze Chris Kyle (Bradley Cooper) fühlt sich seinen Kameraden mehr verpflichtet als Frau und Kindern

Darum geht’s in American Sniper: Rodeo-Cowboy Chris Kyle (Bradley Cooper) meldet sich nach den Anschlägen auf US-Botschaften in Tansania und Kenia von 1998 bei den Navy Seals – und wird Scharfschütze. Nach den Attentaten vom 11. September wird er in den Irak geschickt und macht sich einen Namen. Dort entscheidet er als Sniper über Leben und Tod, nur mit seinem Finger am Abzug. Vier Einsätze hat Kyle während des Irak-Krieges, wird dafür als Scharfschützen-Legende gefeiert. Sein Privatleben verläuft weniger heldenhaft. Ehe und Familie bekommt er nicht in den Griff. Kyle leidet am posttraumatischen Stresssyndrom und fühlt sich seinen Kameraden im Irak mehr verpflichtet als Frau und Kindern.

Kyles (Bradley Cooper) Privatleben verläuft weniger heldenhaft
Kyles (Bradley Cooper) Privatleben verläuft weniger heldenhaft

Sind Heckenschützen Helden?
American Sniper
ist zweifellos ein spannender Film über den Irak-Krieg und die Spuren, die er bei den Soldaten hinterlässt. Vorzuwerfen ist Eastwood allerdings, wie viel er nicht erzählt (vermutlich auch, weil viele es nicht hören wollen). Kein Wort über Kriegsgründe, Gräueltaten und die Sicht der Gegner. Auch dass der umstrittene Kyle viele Episoden seiner Bestseller-Autobiographie erfunden hatte und dafür verklagt wurde, spielt keine Rolle. Auch nicht seine Ermordung durch einen anderen Veteranen am Schießstand. Immerhin schrammt American Sniper noch gerade so am Propagandafilm vorbei. Neben dem blutigen Alltag des Krieges sind es vor allem die traumatischen Erlebnisse an der Heimatfront, die beindrucken.

Fazit:American Sniper zeigt eindrucksvoll, wie jemand vom Cowboy zum Killer wird. Ob Heckenschützen wirklich Helden sind, muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden.

American Sniper (USA 2014)
Regie:
Clint Eastwood
Drehbuch: Jason Hall, (Buchvorlage: Chris Kyle, Scott McEwen, James Defelice)
Darsteller: Bradley Cooper, Sienna Miller, Kyle Gallner
Länge: 132 Minuten
Start: 26. Februar 2015

Seite 11 von 36

Sponsored SectionAnzeige