Der Spion und sein Anwalt: Unser Filmtipp "Bridge of Spies"

Im Spionage-Thriller „Bridge of Spies“ spielt Tom Hanks einen aufrechten Anwalt, der sich für einen Sowjet-Spion einsetzt
Trailer zum Agententhriller "Bridge of Spies - Der Unterhändler"

Im Spionage-Thriller „Bridge of Spies“ spielt Tom Hanks einen aufrechten Anwalt, der sich für einen Sowjet-Spion einsetzt. Großartige Geschichtsstunde über den Kalten Krieg

In Spionage-Thrillern über den Kalten Krieg ist meist kein Platz für Optimismus und Heldenfiguren. Sondern eher für zwielichtige Agenten, schäbige Intriganten und aussichtslose Kompromisse. In Steven Spielbergs Bridge of Spies – Der Unterhändler findet sich davon erstaunlicherweise keine Spur. In dem Spionagedrama über einen Agentenaustausch im Berlin der 60er-Jahre werden Spitzel und Unterhändler zu richtigen Sympathieträgern. Und dabei hält sich Spielberg sogar weitgehend an historische Fakten. Folge: Bridge of Spies ist eine großartige und spannende Lehrstunde über den kalten Krieg und Anständigkeit. 

Versicherungsanwalt James Donovan (Tom Hanks) verteidigt den sowjetischen Spion Rudolf Abel (Mark Rylance)
Versicherungsanwalt James Donovan (Tom Hanks) will den sowjetischen Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) vor der Todesstrafe bewahren

Darum geht’s in Bridge of Spies – Der Unterhändler: Als der sowjetische Spion Rudolf Abel (Mark Rylance) 1957 von der CIA in Brooklyn verhaftet wird, soll Versicherungsanwalt James Donovan (Tom Hanks) ihn sich beim Schauprozess verteidigen. Doch Donovan nimmt die Aufgabe ernst, argumentiert mit Verfassung und Moral und kann Abel mit seinem Verhandlungsgeschick zumindest vor der Todesstrafe bewahren. Ein Glück für die CIA. Denn als ein US-Pilot abgeschossen wird und in sowjetische Gefangenschaft gerät, will die Regierung Abel gegen den Amerikaner eintauschen. Und Donovan soll als inoffizieller  Unterhändler den Austausch in Ost-Berlin mit den Sowjets vorbereiten. Doch der Geheimdienst der DDR setzt einen US-Studenten fest und will vor dem finalen Treffen auf der Glienicker Brücke noch ein Wörtchen mitreden. 

Der Kalte Krieg in Ost-Berlin 1962 bei Spielberg: trostlose Gassen und Eiseskälte
Der Kalte Krieg in Ost-Berlin 1962 bei Spielberg: trostlose Gassen und Eiseskälte

Geschichtsstunde mit einer eindeutigen Botschaft
Bridge of Spies
ist elegant gefilmt und in Szene gesetzt, wirkt allerdings sehr nostalgisch und etwas bieder erzählt. Der „Kalte Krieg“ ist bei Spielberg wörtlich zu nehmen. Ost-Berlin 1962 ist eine frostige, deprimierende Ruinenstadt, durch deren Gassen eisiger Wind und Schnee peitscht. Dort möchte wirklich niemand begraben sein. Der Kalte Krieg war eine Zeit der Paranoia und Propaganda-Hysterie – auf beiden Seiten. Und eben diese Stimmung fängt Spielberg sehr gut ein. Die Hauptakteure sind dabei durchweg anständige Menschen, die für höhere Ideale eintreten – insbesondere Sowjet-Spion Abel. Es geht um Gewissen, Rückgrat und Zivilcourage. Auch wenn gegen Ende ein wenig Heldenpathos durchscheint, wird‘s nie zu kitschig. Bridge of Spies bleibt immer sehr unterhaltsam, auch dank des Drehbuchs der Gebrüder Coen (True Grit, No Country for Old Men), die für viel subtilen Humor und grandiose Dialoge verantwortlich sind.

Fazit: Ein großartiger Agentenfilm ohne typische Agenten-Action. Spielbergs Geschichtsstunde ist geradlinig und mit einer eindeutigen Botschaft: Es geht um Menschlichkeit und den Mut Einzelner, etwas zu verändern.

Bridge of Spies – Der Unterhändler (USA, Indien, Deutschland 2015)

Regie:

Steven Spielberg

Drehbuch:

Matt Charman, Ethan Coen, Joel Coen

Darsteller:

Tom Hanks, Mark Rylance, Sebastian Koch

Länge: 

141 Minuten

Start: 

26. November 2015

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