Sacha Baron Cohen provoziert im Lederhöschen: Unser Filmtipp "Brüno"

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Eklig, provozierend, aber brüllend komisch: Sacha Baron Cohens neue Satire "Brüno" bricht wieder jede Menge Tabus und setzt neue Maßstäbe fürs Fremdschämen

Wenn Sacha Baron Cohen nicht gerade auf MTV-Galas als PR-Gag mit seinem nackten Hintern im Gesicht von Rapper Eminem landet, dreht der Brite Doku-Komödien. Und das mit wachsendem Erfolg. Sein letzter Film "Borat", in dem er als kasachischer Reporter Amerikanern antisemitische Sprüche entlockt, spielte über 250 Millionen Dollar ein. In seinem neusten Werk lässt Cohen sein Alter Ego Brüno – ein homosexueller Fashion-Reporter – auf die Menschheit los. Ein Ziel: nur mit Lederhöschen bekleidet den Unbedarften möglichst viele schwulenfeindliche Äußerungen entlocken. Das gelingt ihm allerdings nur teilweise. Sein oft grenzwertiger Humor lässt dem Zuschauer aber auch diesmal nur wenige Optionen: Mitlachen oder Fremdschämen. Oder beides gleichzeitig.

Die Story: "Brüno" verfolgt ein ähnliches Schema wie "Borat". Der Titelheld, ein schwuler Modejournalist beim fiktiven österreichischen Modemagazin "Funkyzeit", wird, nachdem er eine Mailänder Fashion-Show mit seinem Ganzkörper-Klett-Anzug sabotiert, gefeuert. Neues Ziel: Zusammen mit seinem devoten deutschen Assistenten Lutz (Gustaf Hammarsten) zieht er nach Hollywood, um der "größte schwule Schauspieler der Welt seit Arnold Schwarzenegger zu werden". Ganz nebenbei serviert er Paula Abdul Sushi auf nackten Mexikanern, läuft nackt mit seinem Assistenten in Bondage-Utensilien über Anti-Schwulen-Demos, oder präsentiert in Talk-Shows seinen schwarzen Adoptivsohn O.J. – den er gerade in Afrika gegen einen iPod getauscht hat.

Hauptsache er kriegt die Rolle
Die amüsantesten Szenen in "Brüno" sind allerdings die, in denen Cohen echte Gesprächspartner gnadenlos vorführt. Zwar halten sich seine Opfer – im Vergleich zu "Borat" - mit schwulenfeindlichen Aussagen zurück. Aber fingierte Kinder-Castings mit übermotivierten Müttern, die kein Problem damit haben, dass ihre Kleinen als Nazi-Offiziere verkleidet jüdische Babys per Schubkarre in Hochöfen schieben ("Hauptsache er kriegt die Rolle!"), sind das Geld für die Kinokarte bereits wert.

Cohens Humor ist häufig anstößig und schert sich wenig um Tabus. Wer "Borat" gesehen hat, kennt das Gefühl. Es fällt schwer, nicht über seine grenzwertigen Scherze zu lachen, obwohl man eigentlich lieber vor Scham in den Boden sinken möchte. Brüno zeigt sich splitternackt, inszeniert die bizarrsten Sexspiele und macht jede Menge Nazi-Witze. Alles nur, um den Menschen Ihre Vorurteile vorzuhalten? Wohl kaum. Vornehmlich will "Brüno" provozieren und dabei unterhalten. Tatsächlich ist der Film ein Großteil seiner 85 Minuten brüllend komisch.

Brüno (USA 2009)
Regie: Larry Charles
Buch: Sacha Baron Cohen, Anthony Hines
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Gustaf Hammarsten
Länge: 85 Minuten
Start: 9. Juli 2009

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