Sean Penn als schrulliger Gothic-Rocker: Unser Filmtipp "Cheyenne"

Eine der schrägsten Filmfiguren der letzten Jahre erobert die Kinoleinwand: Sean Penn spielt in
Trailer zum Film "Cheyenne – This Must Be The Place"

Eine der schrägsten Filmfiguren der letzten Jahre erobert die Kinoleinwand: Sean Penn spielt in "Cheyenne" einen skurrilen Ex-Rockstar. Diesen Galaauftritt sollten Sie nicht verpassen

Nur selten passt die Bezeichnung Idealbesetzung wohl so perfekt wie an dieser Stelle für Sean Penn und seine Darstellung des wehmütigen Ex-Gothic-Rockstars Cheyenne. Penn drückt dem neuen Werk von Paolo Sorrentino ("Il Divo") derart seinen Stempel auf, dass man noch lange nach Filmende dessen großen, traurigen, leeren Augen, seine Verzweiflung, seine Suche nach sich selbst, im Kopf behält. Auch wenn die Handlung teilweise sehr absurde Züge annimmt und es die ein oder andere langatmige Stelle zu überstehen gibt, ist "Cheyenne – This Must Be The Place" ein absolut sehenswerter, vollkommen irrer Selbstfindungstrip eines liebenswerten Gescheiterten.

In den 80ern war der düster geschminkte, zottelhaarige Gothic-Rocker Cheyenne (Sean Penn) ein Star
Sean Penn als alternder Rock-Star Cheyenne: Man wird noch lange nach Filmende seine großen, traurigen, leeren Augen, seine Verzweiflung, seine Suche nach sich selbst, im Kopf behalten

Darum geht’s: In den 80ern war der düster geschminkte, zottelhaarige Gothic-Rocker Cheyenne ein Star. Mit seiner Band „The Fellowers“ tourte er durch die Welt, scheffelte Millionen. Jahre später ist vom gefeierten Star nicht mehr viel übrig – außer dem Grufti-Look. Ein Schicksalsschlag hat Cheyenne völlig aus der Bahn geworfen, er fristet ein zurück gezogenes und trauriges Dasein in einer riesigen Villa in Dublin. Einzig seine Frau Jane (Frances McDormand) und das Gothic Girl Mary (Eve Hewson) sind ernst zu nehmende soziale Kontakte. Als aber sein Vater stirbt, muss Cheyenne aus seiner Zurückgezogenheit ausbrechen und sich auf den Weg zur Beerdigung in New York machen. Dort erfährt er, dass sein Vater, den er seit 30 Jahren nicht mehr gesprochen hatte, sein Leben dafür aufgewendet hat, seinen ehemaligen Peiniger (einen Auschwitz-Aufseher) zu jagen. Cheyenne beschließt das Lebenswerk seines Vaters zu Ende zu bringen und startet eine irre Jagd quer durch die USA. Ein Trip, auf dem er nicht nur den alten Nazi findet – sondern auch sich selbst.

Cheyennes letzter sozialer Kontakt: seine Frau Jane (Frances McDormand)
Cheyenne ist ein völlig absurdes, traurig-schönes Roadmovie

Grufti trifft Batman
Diese absurde Story dient als Rahmen für tolle Bilder, fantastische, ruhige und zugleich irgendwie berauschende Kamerafahrten und eben Penns beeindruckende Vorstellung. Wie er immer etwas neben sich zu stehen scheint und seine einzige echte Gefühlsregung lange Zeit darin besteht, sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu pusten – einfach grandios. Dazu ist seine Reise gepflastert mit zig weiteren skurrilen Gestalten: vom mürrischen jüdischen Nazijäger über den Erfinder des Rollkoffers bis hin zu Batman höchstpersönlich. Der tolle Soundtrack (bestehend aus diversen Interpretationen des „Talking Heads“-Hits „This Must Be The Place“) runden dieses besondere Kinoerlebnis ab.

Fazit: Ein völlig absurdes, traurig-schönes Roadmovie mit einem fantastischen Sean Penn. Anschauen!

Cheyenne – This Must Be The Place (Frankreich, Italien, Irland 2011)
Regie:
Paolo Sorrentino
Drehbuch: Paolo Sorrentino, Umberto Contarello
Darsteller: Sean Penn, Frances McDormand, Eve Hewson, Judd Hirsch, Kerry Condon
Länge: 118 Minuten
Start: 10. November

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