Comeback der fechtenden Raufbolde: Unser Filmtipp "Die 3 Musketiere"

Die Filmtipps der Redaktion

Die mindestens 18. Verfilmung von Alexandre Dumas' Roman "Die drei Musketiere" kommt in 3D und mit mächtigem Staraufgebot daher. Wir sagen, ob es sich lohnt

Wenn alter Stoff zum wiederholten Male verfilmt wird, müssen die Macher schon ganz tief in die Trickkiste greifen, um die Leute ins Kino zu locken. Regisseur Paul W.S. Anderson ("Resident Evil") setzt bei seiner Version von Dumas’ Klassiker auf 3D (erstmals bei einem Musketierstreifen) und jede Menge Superstars. Heraus gekommen ist lautes und buntes Popcorn-Kino. Leider haben einige Szenen und Schauspieler aber großes Nerv- und Fremdschämpotential, so dass Andersons "Die 3 Musketiere" sehr gegensätzliche Reaktionen beim Kinopublikum hervorrufen dürfte.

Darum geht’s: Im Frankreich des frühen 17. Jahrhunderts steht der kindliche König Louis XIII (Freddie Fox) unter den Einfluss des machthungrigen Kardinals Richelieu (Christoph Waltz). Das bekommen auch die Musketiere, die Leibwachen seiner Majestät, zu spüren. Ihr Korps wurde aufgelöst, und deshalb werden die 3 berühmtesten, Athos (Matthew MacFadyen), Aramis (Luke Evans) und Porthos (Ray Stevenson), zu saufenden Raufbolden. Doch als sich Jüngling D'Artagnan (Logan Lerman) ihnen anschließt, wird ihr Ehrgeiz wieder geweckt – und ein Kampf gegen den Kardinal, dessen rechte Hand Rochefort (Mads Mikkelsen) sowie den britischen Herzog von Buckingham (Orlando Bloom) und die verführerische Spionin Milady de Winter (Milla Jovovich) beginnt.

Es kracht, blitzt und donnert in Zeitlupe
Regisseur Anderson hat sich mit seiner Herangehensweise an den Klassiker leider etwas verpokert, vor allem die 3D-Effekte sind enttäuschend. Spätestens nach der zweiten Actionsequenz nerven die lieblos eingesetzten herumfliegenden Degen, Mäntel oder Kanonenkugeln. Und die Stars? Na ja, Milla Jovovich ist wie immer extrem sexy, Christoph Waltz mal wieder genial böse, und auch Jungstar Logan Lerman ("Percy Jackson") überzeugt als frecher, übermütiger Musketier-Nachwuchs. Orlando Blooms schauspielerische Leistung als peinlicher, arroganter Herzog von Buckingham ist dagegen ebenso enttäuschend wie die lahmen Auftritte von Mads Mikkelsen oder Luke Evans. Die Action-Szenen sind (vergisst man mal den 3D-Quatsch) solide inszeniert, es kracht, blitzt und donnert wie wild über die Leinwand. Das weiß in Ansätzen zu gefallen, man wird aber das Gefühl nicht los, diese ganzen Zeitlupen-Sequenzen und Kämpfe in Nahaufnahme schon zigmal besser gesehen zu haben.

Fazit: Ein klassischer Fall von „Kann man machen, muss man aber nicht.“ Wer handwerklich ordentlich gemachtes Popcorn-Kino ohne Sinn und Verstand erwartet, wird nicht enttäuscht. Alle anderen schon.

Die 3 Musketiere (Deutschland/ USA 2011)
Regie: Paul W.S. Anderson
Drehbuch: Paul W.S. Anderson, Andrew Davies; basierend auf dem Roman von Alexandre Dumas
Darsteller: Logan Lerman, Matthew MacFayden, Luke Evans, Orlando Bloom, Milla Jovovich, Mads Mikkelsen, Christoph Waltz
Länge: 111 Minuten
Start: 1. September

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