Banderas als moderner Frankenstein: Unser Filmtipp "Die Haut, in der ich wohne"

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Antonio Banderas bastelt als Schönheitschirurg an einer schönen Unbekannten herum. Warum dieser Thriller unter die Haut geht

Eine Frauengemeinschaft, die eine Leiche versteckt („Volver“, 2006), zwei Fremde, die ihre Liebe zu Komapatientinnen verbindet („Sprich mit ihr“, 2002):  Die Personen in den Filmen des spanischen Regisseurs Pedro Almodóvar sind alles andere als alltäglich und häufig provozierend. In seinem neusten Werk lässt Kultregisseur Almodóvar Antonio Banderas als Schönheits-Chirurg mit künstlicher Haut an einer mysteriösen Unbekannten experimentieren. Ergebnis: ein spannender, gewohnt provokanter Thriller, furchteinflößend wie ein moderner Frankenstein.

Darum geht’s: Der angesehene Chirurg Robert Ledgard (Antonio Banderas) experimentiert in seinem abgeschiedenen Landhaus bei Toledo an einer makellosen künstlichen Haut, die sogar feuerfest ist. Sein Versuchskaninchen: die junge bildschöne Vera (Elena Anaya), die er in seiner Privatklinik versteckt hält und die inzwischen so aussieht wie seine eigene Frau, die vor Jahren bei einem Autounfall verbrannte. Als plötzlich der kriminelle Sohn der Haushälterin im Tigerkostüm vor der Tür steht und das Anwesen auf den Kopf stellt, drohen Roberts dunkle Geheimnisse entdeckt zu werden und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Horror, der unter die Haut geht
Zugegeben, die Story und die Ausstattung des Films sind schräg. Aber auch sonst macht es Almodóvar seinen Zuschauern nicht leicht. „Die Haut, in der ich wohne“ hat eine verschachtelte Erzählweise mit fantastischen Wendungen und unzähligen Zeitsprüngen. Man wird lange Zeit absichtlich im Dunkeln gelassen, wer die ominöse, superschlanke Frau im fleischfarbenen Ganzkörperanzug auf Ledgards Anwesen ist und warum er sie eingesperrt hält. Aber genau dieses Konzept funktioniert hervorragend. Das Resultat ist eine Mischung aus spannendem Thriller,  schockendem Horrorfilm und emotionaler Familientragödie. Ganz nebenbei geht’s – wie so oft bei Almodóvar – um sexuelle Identität und Machtmissbrauch.

Fazit: Etwas skurriler aber durchweg fesselnder Thriller, der auch Ihnen unter die Haut gehen wird.

Die Haut, in der ich wohne (Spanien 2011)
Regie: Pedro Almodóvar
Drehbuch: Pedro Almodóvar, Thierry Jonquet  (Romanvorlage)
Darsteller: Antonio Banderas, Elena Anaya, Blanca Suárez
Länge: 117 Minuten
Start: 20. Oktober

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