Gerechtigkeit in Zeiten des Krieges: Unser Filmtipp "Die Lincoln Verschwörung"

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Regisseur Robert Redford kritisiert in "Die Lincoln Verschwörung" die Justiz zu Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs

Am 14. April 1865 wird US-Präsident Abraham Lincoln erschossen. Sein Attentäter John Wilkes Booth stirbt kurz darauf auf der Flucht, die Mitverschwörer baumeln 3 Monate später nach einem eiligen Militärtribunal am Galgen. Warum kommt ausgerechnet jetzt ein Film darüber ins Kino? Es gibt schließlich keine neuen Erkenntnisse. Wieder einer dieser langweiligen Geschichtsdramen? So in etwa jedenfalls dürften viele reagieren, wenn sie das Filmplakat zu "Die Lincoln Verschwörung" sehen. Regisseur Robert Redford geht es aber weder um Attentat oder Komplott. Stattdessen konzentriert sich das Justiz-Drama auf die Gerichtsverhandlung der angeblichen Mitverschwörerin Mary Surratt und stellt dabei wichtige Fragen: Wie weit darf ein Staat zum Wohle des Landes gehen? Was hat Vorrang – Verfassung oder Staatsinteresse? Ergebnis: ein packendes Gerichtsdrama mit brandaktueller Thematik – insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse nach dem 11. September 2001.

Darum geht’s: Nach dem Ende des Bürgerkriegs in den USA wird Präsident Abraham Lincoln bei einem Theaterbesuch in Washington hinterrücks erschossen. Der Attentäter, Schauspieler John Wilkes Booth (Toby Kebbell), ist Teil einer Verschwörung, die auch dem Außenminister und dem Vizepräsidenten nach dem Leben trachteten. Die US-Regierung macht daraufhin Jagd auf die Attentäter: Booth wird erschossen, die Mitverschwörer vor ein Militär-Gericht gestellt. Darunter: Mary Surratt (Robin Wright), die Mutter eines noch flüchtigen Verschwörers, die angeklagt ist, den Attentätern in ihrer Pension Unterschlupf gewährt zu haben. Der junge Anwalt und Kriegsheld der Nordstaaten Frederick Aiken (James McAvoy) soll ihre Verteidigung übernehmen und ist wenig begeistert, die angebliche Verräterin zu vertreten. Doch schon bald muss Aiken erkennen, dass es in dem Schauprozess nicht um Schuld oder Unschuld, sondern um schnelle Vergeltung geht.

Plädoyer für Gerechtigkeit
Dass "Die Lincoln Verschwörung" nicht zu einem 0815-Justiz-Thriller im historischen Gewand verkommt, liegt neben hervorragenden Schauspielern, aufwendigen Kostümen und Kulissen vor allem an der Thematik. Der US-Staat beugt hier das Rechtssystem, um eine innenpolitisch heikle Situation vom Tisch zu bekommen. Das ist – insbesondere in den USA – heute so brisant wie damals. Und obwohl klar ist, wo Regisseur Redfords Sympathien liegen, drängt er niemandem seine Meinung auf. Der Zuschauer muss selbst abwägen, wird zum Nachdenken bewegt. 

Fazit: "Die Lincoln Verschwörung" ist ein brillantes Gerichtsdrama und ein eindeutiges Plädoyer für eine gerechte Justiz.

Die Lincoln Verschwörung (USA 2010)
Regie: Robert Redford
Drehbuch: James D. Solomon, Gregory Bernstein
Darsteller: James McAvoy, Robin Wright, Kevin Kline
Länge: 122 Minuten
Start: 29. September

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