Punkrock im norddeutschen Flachland: Unser Filmtipp "Dorfpunks"

Die Filmtipps der Redaktion

Anarchie im Nirgendwo: In "Dorfpunks" versuchen ein paar halbwüchsige Landeier gegen das System zu kämpfen

Dosenbier auf dem Dorfplatz, Pogo in der Landdisco und Kloppe mit den Dorfspießern: "Dorfpunks" ist die norddeutsche Provinz-Interpretation von Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Rocko Schamonis autobiografischer Bestseller hat's jetzt auf die Kinoleinwand geschafft. Das Ergebnis: Ein ehrlicher und liebevoll inszenierter Film über das Erwachsenwerden in der ländlichen Einöde, der weitaus lustiger sein könnte.

Die Story: Im Jahr 1984 hat die Punkbewegung auch die hinterletzte Ecke im verschlafenen Schleswig-Holstein erreicht. In Schmalenstedt nennt sich Töpferlehrling Malte (Cecil von Renner) ab sofort "Roddy Dangerblood" und wäscht seine Haare mit Bier. Aus Mangel an Alternativen gründen er und seine Clique beim Abhängen im Wald eine Punkband. Schließlich ist Punk der totale Bruch mit dem gehassten System. Brutaler Protest, eben. Klar, dass keiner der halbwüchsigen Landeier ein Instrument spielen kann. Aber ein cooler Bandname ist eben auch wichtiger als Musik. Natürlich enden Proben und Auftritte meist in einer Katastrophe, worunter letztlich auch das Gemeinschaftsgefühl leidet. Denn zumindest Roddy hat die Nase voll vom stumpfen Abhängen und Saufen. Er hat Ziele und will sich weiterentwickeln.

Das Dosenbier nicht vergessen
Regisseur Lars Jessens Film über das Erwachsenwerden in der öden Provinz setzt mehr auf Symbolik als auf Humor. Wenn die Punks per Schlauchboot in die Ostsee stechen und im Nebel vor Panik kentern, ahnen wir schon, dass die Band ihrem Ende entgegen steuert. Die Dorfpunks werden einzeln an den Strand gespült, die Gemeinschaft zerbricht: Fliegevogel (Ole Fischer) widmet sich den Drogen, Sänger Sid politischen Pamphleten. Klar will Jessen sich von Rocko Schamonis Buchvorlage loslösen. Allerdings vergibt er auch Chancen: Eine Erzählstimme fehlt, was einigen Szenen aus dem Buch die Komik nimmt. Viele Episoden sind zu langatmig und verlieren dadurch ihre Pointe. Auch nimmt man dem charmanten Cecil von Renner den dreckigen Punk nicht ab. Er ist einfach zu nett. Was bleibt ist eine ehrliche und unterhaltsame Geschichte über den Drang nach Freiheit in der rauen Endmoränenlandschaft der Holsteinischen Schweiz. Ach ja, und ein gut sortierter Punksoundtrack. Unser Tipp: Beim Kinobesuch das Dosenbier nicht vergessen!

Dorfpunks (Deutschland 2009)
Regie: Lars Jessen
Buch: Norbert Eberlein, Rocko Schamoni (Buchvorlage)
Darsteller: Cecil von Renner, Ole Fischer, Pit Bukowski
Länge: 90 Minuten
Start: 23. April 2009

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