Die Trottel von der Terrorzelle: Unser Filmtipp "Four Lions"

Die Filmtipps der Redaktion

Bombenleger als Witzfiguren? Die Satire "Four Lions" zeigt, dass auch heikle Themen für eine brillante Komödie taugen

Sprengstoffgürtel aus Partyknallern, Krähen als Bombenüberbringer, Bekennervideos mit Plastikgewehren – Darf man sich über islamische Terroristen lustig machen? Regisseur Chris Morris darf. Und wie er darf, zeigt er in der grandiosen Satire "Four Lions". Darin versucht eine Handvoll britischer Glaubenskrieger aus Sheffield, einen Selbstmordanschlag in London zu verüben. Die etwas unterbelichteten Dschihadisten stolpern dabei von Missgeschick zu Missgeschick. Morris führt in seiner tiefschwarzen Komödie religiöse und rassistische Klischees und Vorurteile jeglicher Art vor. Und das ohne dabei den islamischen Glauben zu verletzen. Viele Gags mögen heikel sein. Klar ist allerdings: Sie sind immer unglaublich lustig.

Die Story: Waj (Kayvan Novak) lernt seine Gebete von einem sprechenden Teddy, Faisal (Adeel Akhtar) will Krähen als Bombenüberbringer abrichten, der Brite Barry (Nigel Lindsay) bestellt Sprengstoffzutaten bei Amazon und Omar (Riz Ahmed) rappt seine Bekennervideos im Tupac-Style. Zusammen sind die vier Stümper eine selbsternannte Terrorzelle, die darauf brennt, endlich einen Anschlag auszuüben. Zur Inspiration fliegen Waj und Omar erst mal in ein Terrorcamp nach Pakistan. Allerdings bekleckern sie sich dort nicht gerade mit Ruhm: Waj dreht Handy-Videos als Paki-Rambo und Omar jagt versehentlich das al-Qaida-Hauptquartier in die Luft. Als Faisal in England irrtümlich ein Schaf und sich selbst sprengt, kommt die Polizei den Gotteskriegern auf die Spur. Folge: Die Trottel-Terroristen entscheiden sich spontan zu einem Anschlag beim London-Marathon – verkleidet als Comic-Figuren.

Sympathische Terroristen
Auch wenn einige der heiligen Krieger als komplette Vollpfosten dargestellt werden (gegen Überwachungsmaßnahmen verschlucken sie SIM-Karten oder wackeln ständig mit ihrem Kopf, um etwaige Fotos von ihnen zu sabotieren), die Charaktere und ihre Motive wirken glaubwürdig: Vom fanatisch paranoiden bis hin zum zweifelnden, geradezu sympathischen Terroristen. Das Skurrile: Alle sind komplett von der Kultur geprägt, die sie eigentlich bekämpfen wollen, können mit Pop-Songs mehr anfangen als mit dem Koran. Waj, Omar & Co. sind schlechte Kopien echter Attentäter, ganz und gar nicht von ihrem Vorhaben überzeugt. Ihre Inspiration entnehmen sie den Medien. Das macht sie aber nicht minder gefährlich.

Verharmlosung kann man Morris nicht vorwerfen, die Taten der vier Glaubenskrieger bleiben nie folgenlos. Was lustig und was Provokation ist, muss letztlich jeder Zuschauer für sich selbst entscheiden. Die Dialoge zumindest sind brillant und herrlich komisch (insbesondere in der Originalversion).

Four Lions (Großbritannien 2010)
Regie: Christopher Morris
Drehbuch: Jesse Armstrong, Sam Bain, Simon Blackwell, Christopher Morris
Darsteller: Riz Ahmed, Nigel Lindsay, Kayvan Novak, Adeel Akhtar
Länge: 97 Minuten
Start: 21. April

Sponsored SectionAnzeige