Ben Stiller auf Selbstfindungstrip: Unser Filmtipp "Greenberg"

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Ben Stiller schlägt ausnahmsweise mal ernstere Töne an: Als Enddreißiger Greenberg ist auf der Suche nach sich selbst

Ein Kerl, der kurz vor seinem 40. Geburtstag über sein Leben nachdenkt, zweifelt, Panik kriegt und Angst vor der Zukunft hat. Klingt nach einem eher drögen Streifen über eine Midlife-Crisis. Doch "Greenberg" macht’s besser: Regisseur Noah Baumbach zeichnet ein ruhiges Porträt eines Typen, der sich zum ersten Mal in seinem Leben so richtig mit seinem eigenen Schicksal auseinander setzt. Baumbach inszeniert das Ganze still und unaufgeregt und somit untypisch für einen Film mit Ben Stiller. Der hauptsächlich für seine witzigen Auftritte bekannte US-Star ("Nachts im Museum", "Meine Braut, ihr Vater und ich") passt sich der Machart des Films an und spielt zurückhaltend. Mit der noch eher unbekannten Greta Gerwig, die Stillers verpeilte, undurchsichtige, aber sehr sympathische Quasi-Liebschaft Florence spielt, hat Regisseur Baumbach zudem einen zweiten Besetzungs-Coup gelandet.

Die Story: Der New Yorker Roger Greenberg kehrt kurz vor seinem 40. Geburtstag in seine Heimatstadt Los Angeles zurück. Um einen Aufenthalt in einer Nervenklinik zu verarbeiten, will er für ein paar Wochen das Haus seines verreisten Bruders hüten. Doch der Heimataufenthalt wird zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Greenberg trifft alte Freunde und sieht sich auf einmal dazu gezwungen, sich mit früheren Verfehlungen auseinander zu setzen. Schnell merkt er, dass seine früheren Bekannten ein eigenes, neues Leben haben, in denen er selbst keinen Platz mehr hat. Einzige Ausnahme: sein alter Freund Ivan (Rhy Ifans), der aber wiederum auch mit Alltagsproblemen (Ehekrise) zu kämpfen hat. Greenberg wird klar, dass von seinem bisheriges Leben nicht viel Bemerkenswertes übrig geblieben ist – auch die Affäre mit Florence (Greta Gerwig), dem Hausmädchen seines Bruders, ändert zunächst nichts daran. Allerdings nur zunächst…

Porträt der Generation Orientierungslos
"Greenberg" hat keine wirklich stringente Erzählstruktur, was an den emotionalen Schwankungen seiner beiden Hauptfiguren liegt. Zwischen Greenberg und Florence entwickelt sich eine Liebesgeschichte der ganz besonderen Art. Die beiden analysieren ihr Leben mal tiefgründig sachlich, mal ironisch, immer aber irgendwie hilflos. Aber "Greenberg" ist jetzt kein Liebesfilm, sondern vielmehr die Auseinandersetzung mit existentiellen Fragen wie "Was habe ich erreicht im Leben?", "Was habe ich noch vor mir?", "Warum ist mein Leben genauso wie es ist?". Hört sich hochphilosophisch an, ist es aber nur in Ansätzen. Denn Baumbach lässt seinen Figuren viel Spielraum, sich mit diesen Fragen auseinander zu setzen und inszeniert alles aus der Sicht eines stillen Beobachters. Und: Es darf auch mal geschmunzelt werden.

Fazit: Ein kleiner, feiner Film, der ein ruhiges, aber unterhaltsames Porträt einer "Generation Orientierungslos" zeichnet. Sehenswert!

Greenberg (USA 2010)
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach, Jennifer Jason Leigh
Darsteller: Ben Stiller, Greta Gerwig, Rhys Ifans, Jennifer Jason Leigh
Länge: 107 Minuten
Start: 1. April

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