Tarantinos dreckiges Dutzend: Unser Filmtipp "Inglourious Basterds"

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In seinem neuen Film schickt Quentin Tarantino Brad Pitt und andere skurrile Typen auf Nazijagd. Wir sagen, was Sie erwartet

"Es war einmal im Nazi-besetzten Frankreich", so beginnt Quentin Tarantinos neuster Versuch an seine filmischen Glanzzeiten von "Pulp Fiction" (1994) anzuknüpfen. Tatsächlich ist "Inglourious Basterds" eine Art Märchen. Ein blutiges B-Movie-Kriegsmärchen mit viel schwarzem Humor und jeder Menge skurrilen Figuren. Das Urteil fällt dennoch zwiespältig aus: Tarantinos wilder Mix aus Kriegs-Action, Trash und alternativer Geschichte ist teils äußerst unterhaltsam, teils unglaublich langatmig.

Die Story: Während des Zweiten Weltkriegs metzelt sich ein internationaler Haufen jüdischer GIs unter dem Kommando von Haudegen Aldo Raine (Brad Pitt) durch das Nazi-besetzte Frankreich. Dabei geht das bizarre dreckige Dutzend nicht gerade zimperlich vor: Genüsslich killen und skalpieren sie SS-Offiziere, Wehrmachtsangehörige und andere Nazis. Nebenbei werden noch Attentatspläne gegen die Spitzen des Dritten Reichs geschmiedet: Bei einer Film-Premiere eines Propaganda-Machwerks über einen deutschen Scharfschützen (Daniel Brühl) soll gleich die ganze Nazi-Führungsspitze inklusive Hitler in die Luft gejagt werden. Das Problem: Der passionierte Judenjäger Hans Landa (Christoph Waltz) kommt den Attentätern auf die Schliche.

Geschichte im Trash-Kurs
Wie in seinen früheren Filmen spielt Tarantino wieder einmal mit unzähligen Filmgenres. Daher ist "Inglourious Basterds" weder Actionfilm, Drama noch Komödie. Sondern irgendetwas dazwischen, das sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lässt. Auch inhaltlich verschwimmen die Fronten. Nazis sind manchmal sympathisch und die Nazijäger barbarisch. Obendrein ignoriert Tarantino geschichtliche Fakten und erzählt ernste Themen im Trash-Stil. Warum auch nicht? Vor dem Hintergrund, dass Nazi-Themen immer häufiger als Soap-Opera-Kitsch verfilmt werden, wirkt Tarantinos Werk wie eine Befreiung.

Nussknacker vs. Apfelstrudel
Weniger befreiend: Brad Pitt als gnadenlos überzeichneter Obernazijäger mit Südstaatenakzent und Nussknackergesicht nervt gehörig. Dagegen spielt der Wiener Christoph Waltz als charmanter Nazi-Offizier mit Vorliebe für Apfelstrudel alle anderen Stars (u.a. Eli Roth, Mélanie Laurent, Diane Krüger, Mike Myers, Daniel Brühl, Til Schweiger) an die Wand. Und zwar Oscar-reif. Für Tarantinos sehenswerte Kriegsmär brauchen Sie allerdings etwas Sitzfleisch: zweieinhalb Stunden dauert das teilweise sehr langatmige Spektakel. Und: Unbedingt in der Originalversion anschauen!

Inglourious Basterds (USA 2009)
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Darsteller: Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent, Eli Roth, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger
Länge: 153 Minuten
Start: 20. August 2009

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