Die coolste Sau des FBI ist zurück: Unser Filmtipp "Jerry Cotton"

Die Filmtipps der Redaktion

Ein Groschenroman-Held kehrt ins Kino zurück. Wir sagen, warum Christian Tramitz als Jerry Cotton jeden Groschen für die Kinokarte wert ist

Moment mal, Christian Tramitz ist Jerry Cotton? Diese hüftsteife Ulknudel aus dem Bully Herbig-Tross soll die FBI-Legende verkörpern, deren Heldentaten sich in Romanform seit 1953 über 850 Millionen Mal verkauft haben? Na gut, wir reden jetzt nicht von wertvollem Literaturgut, sondern von den schönen kleinen, trashigen Bastei-Heftchen. Groschenromanen eben, die keinen besonderen Anspruch vermitteln, sondern nur kurzweilig unterhalten wollen. Und sehen Sie, schon ist Tramitz plötzlich die Idealbesetzung.

Trash trifft Klamauk
Das Regieduo Cyrill Boss und Philipp Stennert ("Neues vom Wixxer") hat also mit Tramitz, aber auch mit der Auswahl der Nebenrollen ein gutes Händchen bewiesen. Vor allem Christian Ulmen als schusseliger Cotton-Kumpane Phil Decker und Heino Ferch als schwäbelnder Oberbösewicht machen "Jerry Cotton" insgesamt zu kurzweiliger, amüsanter Kinounterhaltung – wenn, ja wenn man sich auf das Niveau eine Groschenromans einlässt. Denn an manchen Stellen driftet "Jerry Cotton" schon sehr ins Trashige ab, die teilweise uninspiriert inszenierten Klamauk-Momente können auch schnell nerven.

Die Story: Jerry Cotton ist die coolste Sau des New Yorker FBI. Seine Methoden sind knallhart, kompromisslos, erfolgreich. Doch plötzlich gerät Cotton selbst unter Mordverdacht, als Sammy Serrano (herrlich bescheuerter Kurzauftritt von Moritz Bleibtreu) tot aufgefunden wird. Serrano war der Hauptverdächtige in Cottons einzigem ungelösten Fall. Als dann auch noch sein alter Partner ermordet und Cotton mit gefälschten Beweisen am Tatort entdeckt wird, macht das FBI selbst Jagd auf seinen besten Mann. Und zu allem Übel hält mit Phil Decker nur noch ein blutiger Agentenanfänger zu ihm...

Edel und cool inszeniert
Wie sich der ganze Fall auflöst, dürfte echten Krimifans nur ein müdes Gähnen entlocken. Zu vorhersehbar die Geschichte konzipiert, zu durchschaubar die oberflächlichen Charaktere. Aber hey, mal ganz ehrlich: etwas anderes sollte man nicht von einer "Jerry Cotton"-Verfilmung erwarten. Der Komödie gelingt es schließlich zu unterhalten, und unter den unzähligen Gags verstecken sich tatsächlich ein paar richtig gute. Rein atmosphärisch ist "Jerry Cotton" sehr gelungen, es fällt nicht auf, dass hauptsächlich in Deutschland und nur an zwei Tagen in New York gedreht wurde. Denn die Regisseure pressen ihre Geschichte in einen Hochglanz-Popcorn-Kino-Rahmen, sehr edel, sehr cool inszeniert. Dazu gibt’s mit Monica Cruz, der Schwester von Hollywood-Star Penelope, noch einen echten Hingucker, der – wie der witzige Ulmen, der lässige Tramitz und der absurd-überdrehte Ferch – über einige (deutliche) inhaltliche Schwächen hinweg tröstet.

Fazit: Rein gehen, Hirn ausschalten, unterhalten lassen – wer diese Anweisungen befolgt, den wird "Jerry Cotton" nicht enttäuschen.

Jerry Cotton (Deutschland 2010)
Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert
Drehbuch: Cyrill Boss, Philipp Stennert
Darsteller: Christian Tramitz, Christian Ulmen, Monica Cruz, Heino Ferch, Christiane Paul
Länge: 100 Minuten
Start: 11. März

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