Grindhouse-Film: Unser Filmtipp "Machete"

Die Filmtipps der Redaktion

In Robert Rodriguez' erstklassigem B-Movie "Machete" zelebriert ein Latino-Superheld mit Messer einen blutigen Rachefeldzug. Unser Filmtipp zeigt Ihnen, warum Sie darein müssen

Einmal Gehacktes, bitte. Das wäre wohl die passendste Formulierung für eine Eintrittskarte zu Robert Rodriguez‘ neuster Action-Orgie. In "Machete" metzelt sich ein gleichnamiger mexikanischer Ex-Agent mit einem langen Messer durch den texanischen Drogensumpf. Wo der wortkarge Racheengel mit seiner Machete hinhaut, fliegen Köpfe, Blut und Eingeweide. Das ist sicherlich nichts für schwache Mägen, aber immerhin einer der schrillsten, witzigsten und unterhaltsamsten Männerfilme des Jahres.

Schlachterplatte mit Latino-Superheld
Der Star der auf B-Movie getrimmten Schlachterplatte ist Danny Trejo, der nach etlichen Nebenrollen ("From Dusk Till Dawn", "Desperado", "Sin City") endlich ins Rampenlicht treten darf. Die Figur des grimmigen, messerschwingenden Latino-Superhelden stammt übrigens aus einem Fake-Trailer, der vor Rodriguez‘ Grindhouse-Film "Planet Terror" (2007) lief, und sorgte schon damals für Aufsehen. Wer "Planet Terror" (Teil des Grindhouse-Double-Features von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez) gesehen hat, weiß, was von "Machete" zu erwarten ist: Bildkratzer, Unschärfen, absichtlich schlechte Tonschnitte und maßlos übertriebene Gewaltszenen im Comic-Stil.

Die Handlung ist da fast Nebensache und hauptsächlich Satire: Der mexikanische Supercop Machete (Trejo) wird von Drogenbaron Torrez (herrlich moppelig: Steven Seagal) in einen Hinterhalt gelockt und kann nur knapp als illegaler Einwanderer nach Texas fliehen. Dort erpresst ihn der Geschäftsmann Booth (Jeff Fahey), den ultrarechten Senator McLaughlin (Robert De Niro) zu erschießen. Der Auftrag ist wieder eine Falle, Machete soll als Sündenbock herhalten. Von allen gejagt, taucht der gefallene Held unter und startet einen gnadenlosen Rachefeldzug, Marke mexikanische Blutpolka – gegen Drogenbosse, Rassisten und korrupte Politiker. Ihm zur Seite steht eine ganze Heerschaar skurriler Figuren: die Taco-Verkäuferin und Untergrund-Kämpferin Luz (Michelle Rodriguez), ein schießwütiger Priester (Cheech Marin), die schöne Einwanderungsbeamtin Sartana (Jessica Alba) und gegen Ende noch Lindsay Lohan als Killernonne. Ihre Ziele sind unterschiedlich: von Rache bis zum Kampf gegen die grausame Behandlung illegaler Einwanderer.

Machete schickt keine SMS
Allerdings sind derartige politische Statements für Rodriguez nur Mittel zum Zweck. "Machete" soll vornehmlich Spaß machen. Und das funktioniert zugegebenermaßen hervorragend. Der Film ist eine gelungene Hommage ans Groschen- und Exploitation-Kino der 70er, sozusagen ein erstklassiges B-Movie. Selbst Narbengesicht Machete ist Retro. Er kämpft mit Messer statt Machinenpistole. Auch Handy-Nachrichten sind nicht sein Ding: "Machete schickt keine SMS", antwortet er nur lakonisch. Statt Präzisionsgeschosse gibt es Gehacktes. Machete mag es analog. Machete schwingt sich allerdings auch an den Eingeweiden eines Gegners aus dem Fenster. Ja, "Machete" ist gewaltverherrlichend – trotzdem ist Rodriguez' Film ein sehr kurzweiliges und sehenswertes Blutbad. Unser Tipp: Unreflektiert genießen!

Machete (USA 2010)
Regie: Ethan Maniquis, Robert Rodriguez
Drehbuch: Robert Rodriguez, Álvaro Rodriguez
Darsteller: Danny Trejo, Michelle Rodriguez, Robert De Niro, Jessica Alba, Steven Seagal, Jeff Fahey, Cheech Marin, Don Johnson, Lindsay Lohan
Länge: 105 Minuten
Start: 4. November

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