Weltuntergang mit Stil: Unser Filmtipp "Melancholia"

Die Filmtipps der Redaktion

Regisseur Lars von Trier schickt die Erde in die Apokalypse – mit Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg und sehr viel Ästhetik. Wir verraten, ob es noch Hoffnung gibt

Keine brennenden Städte, alles verschlingenden Flutwellen oder  versinkenden Kontinente. In "Melancholia" geht die Welt nicht laut und heftig zu Grunde, sondern ganz privat und vor allem stilvoll. Regisseur Lars von Trier ("Dogville", 2003) arrangiert die drohende Apokalypse zweier kollidierender Planeten als großen melancholischen Event. Das klingt zwar erst mal anstrengend. Aber keine Angst, "Melancholia" gibt sich zwar mystisch abgehoben, ist aber ein beeindruckendes Kinoerlebnis, dass Sie auch ohne Interpretationsvorlage genießen werden.

Die Story: Es geht um nichts Geringeres als um das Ende der Welt. Während ein Riesenplanet mit dem Namen "Melancholia" auf die Erde zurast, feiern Justine (Kirsten Dunst) und Michael (Alexander Skarsgard) ihre Hochzeit auf einem abgelegenen Anwesen am See, das Justines Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg) und deren Mann John (Kiefer Sutherland) gehört. Die Hochzeitsfeier läuft kräftig aus dem Ruder, nicht zuletzt durch die schwankenden Launen der manisch depressiven und psychisch labilen Justine. Derweil nähert sich der Planet Melancholia unaufhaltsam. In wenigen Tagen soll er, so die optimistischen Wissenschaftler wie John, knapp an der Erde vorbeisausen. So bleibt der auf dem Anwesen verbleibenden Familie nichts anderes übrig, als sich auf das möglicherweise Unvermeidliche vorzubereiten und die potentielle kosmische Katastrophe durchs Teleskop zu betrachten.

Friedlicher Katastrophenfilm

Verzweiflung, Hass, Trauer, Depression: In "Melancholia" geht’s um große Gefühle. Technisch überwiegt im ersten Teil des Films der Lars von Trier-typische, anstrengende Handkameramodus. In der zweiten Hälfte gibt’s dafür zeitlupenartige, geradezu zelebrierte Naturaufnahmen, unterlegt von orchestraler Musik. Obwohl dies manchmal etwas anstrengend ist, nervt "Melancholia" zu keiner Zeit. Ganz im Gegenteil: Von Trier hat es geschafft, mit einer Handvoll Schauspielern und einem einzigen Schauplatz einen großartigen Katastrophenfilm zu schaffen, den es zumindest so ruhig und friedlich noch nicht gegeben hat.

Fazit: "Melancholia" ist Weltuntergang im Hochglanzformat – zwar zurückhaltend und still, aber auf jeden Fall sehenswert.

Melancholia (Dänemark, Frankreich, Schweden, Deutschland 2011)
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Darsteller: Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg, Kiefer Sutherland
Länge: 136 Minuten
Start: 6. Oktober

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