Humor gegen grenzenlose Vorurteile: Unser Filmtipp "Nichts zu verzollen"

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In "Nichts zu verzollen" rücken ein paar Grenzbeamte mit viel Witz und Slapstick Vorurteilen und Länderklischees zu Leibe

Nach dem Riesenerfolg seiner Regionalsatire "Willkommen bei den Sch'tis" (2008) überträgt Regisseur Dany Boon das Konzept kurzerhand auf seinen nächsten Film. In "Nichts zu verzollen" geht’s wieder um Nordfrankreich, um regionale Kulturunterschiede und natürlich um französische Dialekte. Diesmal demontiert Boon vorurteilsvolle Kleinbürger und fremdenfeindliche Zöllner an der belgisch-französischen Grenze. Ergebnis: eine sympathische und vergnügliche Satire mit wenigen wirklich ernsten Untertönen.

Die Story: Es ist das Jahr 1993, in Europa fallen die Zollgrenzen, sehr zum Missfallen des belgischen Zollbeamten Ruben (Benoît Poelvoorde), der im belgischen Grenzstädtchen Koorkin seinen Dienst verrichtet. Der despotische und fremdenfeindliche Grenzposten will von den "Froschfressern" und "Camemberts" aus dem französischen Schwesterort Courquain nichts wissen. Belgien, "das schönste Land der Welt", müsse mit allen Mitteln verteidigt werden. Sein französischer Kollege Mathias (Dany Boon), der sich gerne über den belgischen Dialekt lustig macht, freut sich hingegen über die Grenzöffnung. Schließlich ist er in ein belgisches Mädchen verliebt – dummerweise Rubens Schwester. Weiteres Problem: Die beiden Streithähne werden zum gemeinsamen Dienst verdonnert – als länderübergreifende mobile Kontrolleinheit.

Belgischer Louis de Funès
Dass Boon seinen Kassenschlager „Willkommen bei den Sch'tis“ quasi noch einmal gedreht hat, ist gar nicht weiter schlimm. „Nichts zu verzollen“ ist zwar nicht originell, unterhält aber großartig. Denn Boons Erfolgsrezept ist stimmig: Mit viel Slapstick und Humor entlarvt er kleinkarierte Vorurteile und zieht diese ins Lächerliche. Mit Grenzen fallen eben nicht automatisch auch die jahrzehntelang aufgebauten Ressentiments der Betroffenen. Insbesondere Benoît Poelvoordes Interpretation des frankophoben und cholerischen Belgiers ist eine Glanzleistung, die durchaus an die schrägen Louis de Funès-Filme erinnert. Für die vorhersehbare Standard-Story entschädigen herrlich bizarre Nebenfiguren und verrückte Detailwitze. Fazit: eine amüsante, klassisch inszenierte Satire mit vielen schrägen Vögeln.

Nichts zu verzollen (Frankreich 2010)
Regie: Dany Boon
Drehbuch: Dany Boon, Yaël Boon
Darsteller: Benoît Poelvoorde, Dany Boon, Julie Bernard
Länge: 102 Minuten
Start: 28. Juli

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