Eine Liebesgeschichte in Zeiten von HIV: Unser Filmtipp "Same Same But Different"

Die Filmtipps der Redaktion

In Detlev Bucks "Same Same But Different" geht’s um die Liebe zu einer HIV-infizierten Prostituierten. Harter Stoff, aber absolut sehenswert

Für seinen ersten Liebesfilm hat sich Regisseur Detlev Buck ("Männerpension", "Knallhart") viel vorgenommen. Eine Geschichte weg von all den Kitsch-Romanzen sollte es sein, eine über echte, greifbare Liebe. Also entschied sich Buck, eine wahre Geschichte zu verfilmen – die des Hamburgers Benjamin Prüfer und der Kambodschanerin Sreykeo Sorvan.

Hintergrund: Im Jahr 2006 sorgte Prüfer mit einem Artikel im Magazin "Neon" für Aufsehen, in dem er erstmals der Öffentlichkeit von sich und Sreykeo erzählte. Davon, wie sich beide ineinander verliebten. Davon, wie es sich anfühlt, mit einer Prostituierten zusammen zu sein. Und auch von dem Moment, als er erfuhr, dass Sreykeo den HIV-Virus in sich hat – und wie er seitdem um ihr Leben und ihre Liebe kämpft. TV-Auftritte und ein autobiographischer Roman ("Wohin du auch gehst") folgten. Aber: Detlev Bucks Verfilmung ist viel mehr als nur simples Aufwärmen des Stoffs. Vielmehr wird "Same Same But Different" dank seiner ruhigen, intimen Erzählweise und der atmosphärischen Bilder zu einem etwas anderen, einfach sehr schönen Liebesfilm.

Die Story: Eigentlich wollten die Studenten Ben (gespielt von Shootingstar David Kross, "Der Vorleser") und Ed (Stefan Konarske) auf Ihrer Rucksacktour durch Asien einfach nur Spaß haben. Drogen, Alkohol, Sex, halt richtig die Sau raus lassen. Das haut so lange hin, bis Ben in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh ein junges Mädchen kennen lernt, sie mit ins Hostel nimmt, mit ihr schläft. Und anschließend für den Sex bezahlt. Obwohl Ben weiß, dass Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) Prostituierte ist, kommt er nicht von ihr los. Zurück in Deutschland erfährt Ben per Webcam, dass Sreykeo HIV-positiv ist – sie verabschiedet sich von ihm mit den Worten "Wir sehen uns im nächsten Leben." Doch Ben beschließt zu kämpfen und kehrt nach Kambodscha zurück...

Liebe ohne Kitsch und Klischees
Wie man es von Detlev Buck gewohnt ist, inszeniert er die junge Liebe erfreulich unspektakulär. Ohne große Effekthascherei, ohne Kitsch. Aber immer sehr einfühlsam, als stiller Beobachter, der seinen beiden Protagonisten viel Zeit und Raum gibt, den Zuschauer nah an sich ran zu lassen. "Same Same But Different" geht sensibel mit der heiklen Thematik um, ohne zu einem Klischee-beladenen Aids-Drama zu werden. Buck erzählt die Story irgendwie nüchtern, beherrscht dabei aber geschickt das Spiel mit der Kamera: wenn die Gesichter der Hauptdarsteller etwa sekundenlang in Nahaufnahme zu sehen sind, wird deren Unsicherheit, ihre Verzweiflung ob der scheinbar ausweglosen Situation deutlich. Auf der anderen Seite nimmt sich Buck auch Zeit für Landschaftsaufnahmen oder das wuselige Treiben im hektischen Phnom Penh.

Auch wenn die Liebesgeschichte im Fokus steht, spricht Buck Themen wie Sextourismus oder die katastrophale medizinische Versorgung in Ländern wie Kambodscha an. Eine weitere Stärke des Films ist, dass er dem Zuschauer Interpretationsspielraum lässt: Wie echt waren Sreykeos Gefühle wirklich? Ging es ihr in erster Linie doch nur um Bens Geld? Wie weit darf man sich selbst für jemand anders aufgeben? Buck gibt Denkanstöße, aber keine Richtung vor. Das alles macht "Same Same But Different" so besonders. Obwohl es eigentlich ja um eine Liebe wie jede andere geht, ist sie vor allem eines: anders.

Same Same But Different (Deutschland 2009)
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Ruth Toma nach dem autobiographischen Buch "Wohin du auch gehst" von Benjamin Prüfer
Darsteller: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske, Jens Harzer
Länge: 100 Minuten
Start: 21. Januar

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