Meisterdetektiv lässt seine Muskeln spielen: Unser Filmtipp "Sherlock Holmes"

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Der neue Sherlock Holmes zeigt mehr Sixpack als Köpfchen. Warum Sie den Actionklamauk trotzdem nicht verpassen sollten. Plus: drei der besten Holmes-Streifen

Wie jetzt? Meisterdetektiv Sherlock Holmes löst seine Fälle mit den Fäusten? In der neusten "Sherlock Holmes"-Adaption versucht Action-Regisseur Guy Ritchie die etwas angestaubte Romanfigur zu modernisieren. Schließlich liegen die letzten Kinoauftritte des Schnüfflers aus der Baker Street Jahrzehnte zurück ("Young Sherlock Holmes" (1985), "Mord an der Themse" (1979)). Höchste Zeit also für eine Grunderneuerung. Das Ergebnis ist nicht überraschend: Wenn sich der Brite Ritchie einem Stoff annimmt, wird meistens eine aberwitzige Actionkomödie daraus ("Bube, Dame, König, Gras", "Snatch"). So auch hier. In Ritchies Version rätseln und prügeln sich Robert Downey Jr. (als Holmes) und Jude Law (als Dr. Watson) durch Londons Unterwelt. Und das teilweise in bester Bud-Spencer-Terrence-Hill-Manier: immer mit einem flotten Spruch auf den Lippen. Insgesamt zeigt der neue Holmes mehr Muskeln als Verstand. Das ist bestimmt nicht im Sinne der Vorlage, aber immerhin sehr unterhaltsam.

Fight Club statt Armsessel
Mit Arthur Conan Doyles Vorlage aus vier Romanen und über 50 Kurzgeschichten hat Ritchies Draufgänger-Detektiv nicht mehr viel gemein. Unter anderem landeten karierte Mütze und Mantel in der Altkleidersammlung. Dafür zeigt der Meisterdetektiv jetzt seinen Waschbrettbauch. Aus Doyles zurückgezogenen und exzentrischen Superhirn wurde ein selbstzerstörerischer, leicht verrückter Tausendsassa, der sich auch mal gern im örtlichen Fight Club die Rübe einhauen lässt. Statt logischer Schlussfolgerungen im heimischen Fauteuil, nimmt Robert Downey Jr. die Kriminellen am liebsten persönlich hops – unter Einsatz der eigenen Fäuste, ungewöhnlicher Waffen und dreister Scherze. Ihm zur Seite steht der ebenfalls kampferprobte und wortgewandte Dr. Watson (Law).

Ihr Gegenspieler: Oberfiesling Lord Blackwood (Mark Strong), den sie gleich zu Beginn hinter Gittern und an den Galgen bringen. Das Problem: Blackwood steht von den Toten auf und will mit einer bis in die höchsten Regierungskreise reichenden Geheimorganisation eine neue Weltordnung schaffen. Typisch faschistoide Wahnvorstellungen also. Holmes und Watson haben jedenfalls alle Hände voll zu tun, um den Superschurken im Ledermantel dingfest zu machen. Zu allem Überfluss ist auch noch Meisterdiebin Irene Adler (Rachel McAdams) hinter Blackwood her und macht Holmes das Leben schwer – romantisches Techtelmechtel inklusive.

Selten sah London so herrlich runtergekommen aus
Die Story ist leider nur Stichwortgeber für die vielen Actionszenen des Films und wirkt an vielen Stellen einfallslos. Auch sonst ist "Sherlock Holmes" mehr Klamauk als Krimi. Aber was soll’s? Ritchie macht halt leichte Kost. Zum Zurücklehnen. Besonderes Lob gilt allerdings Hauptdarsteller Downey Jr.: Er spielt den ironischen Schnüffler völlig überzeugend und heimste dafür bereits einen Golden Globe ein. Beeindruckend sind auch die Musik von Hans Zimmer und die Kulissen des Films. Selten sah London so herrlich runtergekommen und schmutzig aus. Fazit: Eine laute und schwungvolle Modernisierung des Detektivklassikers mit viel Witz und etwas wenig Substanz. Fans des Originals werden enttäuscht sein, Actionliebhaber begeistert. "Sherlock Holmes" ist eben sehr unterhaltsames Popcorn-Kino. Nicht mehr und nicht weniger.

Sherlock Holmes (USA / AUS / GB 2009)
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg
Darsteller: Robert Downey Jr., Jude Law, Rachel McAdams, Mark Strong
Länge: 128 Minuten
Start: 28. Januar

Diese drei Sherlock-Holmes-Verfilmungen sollten Sie nicht verpassen


Der Mann, der Sherlock Holmes war
Sherlock Holmes mal anders: Hans Albers und Heinz Rühmann ermitteln Seite an Seite – allein deshalb ist dieser Film Pflicht für Filmfans. Die Handlung macht einfach Spaß: Zwei erfolglose Detektive verkleiden sich als Holmes und Partner Watson, um Aufträge an Land zu ziehen. Sehr witzig!
Deutschland 1937, Universum, um 15 Euro


Mord an der Themse
Die Geschichte um Jack the Ripper wurde sehr oft auf die Leinwand gebracht, diese Verfilmung gehört zweifelsohne zu den Besten. Holmes (Christopher Plummer) und Watson jagen den Frauenkiller durch London und kommen einem Regierungskomplott auf die Spur. Düster, packend.
Kanada/England 1979, Kinowelt, um 18 Euro


Der Hund von Baskerville
Die erste wirklich erfolgreiche Verfilmung eines Romans von Arthur Conan Doyle. In vielen Passagen hält sich der Film eng an die Vorlage, in anderen wirkt er frei erfunden. Heraus kommt ein für die damalige Zeit schon sehr atmosphärischer Streifen rund um einen mysteriösen mordenden Hund.
USA 1939, Koch Media, um 12 Euro

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