Die gefährlichste Gang der Welt: Unser Filmtipp "Sin Nombre"

Die Filmtipps der Redaktion

Zwei lateinamerikanische Flüchtlinge, gejagt von einer der brutalsten Banden der Welt. "Sin Nombre" ist Thriller, Roadmovie und Liebesdrama in einem

Smiley ist das Lachen vergangen. Smiley weint. Vor Schmerzen, aber auch vor Glück. Denn soeben hat sich der 12-Jährige 13 Sekunden lang verprügeln lassen und damit ein wichtiges Ritual zur Aufnahme in die Gang "Mara Salvatrucha" überstanden. Überlebt. Diese Szene gleich zu Beginn gibt die Richtung vor, die Cary Joji Fukunaga mit seinem Regiedebüt "Sin Nombre" ("Ohne Namen") einschlägt: brutal, kompromisslos, eindringlich.

Dabei behandelt der beim Sundance Film Festival 2009 mit dem Regiepreis ausgezeichnete Streifen vor allem zwei Aspekte. Zum einen will Fukunaga die Strukturen der lateinamerikanischen Gang "La Mara" aufzeigen, auf der anderen Seite dreht sich "Sin Nombre" um das Schicksal lateinamerikanischer Flüchtlinge, die in den USA auf ein besseres Leben hoffen. Zwei Themen also, die jedes für sich Stoff bieten für zig abendfüllende Spielfilme und Dokumentationen. Womit wir bei einem Problem von "Sin Nombre" sind. Fukunaga will viel in den 96 Minuten. Zu viel. Denn so packend und atmosphärisch dicht alles auch inszeniert ist: der Overload an immer wieder neuen Problemen, Schwierigkeiten und Schicksalsschlägen hat zur Folge, dass die Charaktere nicht die Tiefe bekommen, die der Film gebraucht hätte, um voll zu überzeugen.

Die Story: Der 18-Jährige "El Casper" (Edgar Flores) will den jungen Smiley (Kristyan Ferrer) in die Mara-Bande einführen, obwohl er selbst in einem Gewissenskonflikt steckt. Verliebt in die schöne Martha Marlene, will Casper nicht, dass seine heimliche Liebe in den Strudel der brutalen Bande gerät. Als Anführer Lil’ Mago von Martha Marlene erfährt, will er Casper bestrafen, sich an ihr vergehen. Hierbei kommt es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, sie stirbt. Casper ist am Ende, sieht aber keine Chance, sich aus den Fängen von "La Mara" zu befreien. Doch als Lil’ Mago die junge Honduranerin Sayra (Paulina Gaitan) vergewaltigen will, kann und will Casper nicht zusehen und bringt Lil’ Mago um. "La Mara" – allen voran Smiley – schwört Rache und macht Jagd auf Casper – der zusammen mit Sayra mit dem Zug in Richtung USA flüchtet. Und ihr dabei näher kommt...

Sie werden "Sin Nombre" nicht so schnell vergessen
Diese Flucht inszeniert Fukunaga in faszinierenden Bildern, die er nicht in den Vordergrund stellt, sondern wie beiläufige Beobachtungen am Wegesrand einstreut. Der Kontrast zwischen landschaftlicher Schönheit und vorsichtiger Annäherung zweier verlorener Seelen auf der einen und der Brutalität sowie Ausweglosigkeit auf der anderen Seite ist die große Stärke von "Sin Nombre". Der Film zieht den Zuschauer in den Bann und entlässt ihn, auch dank des unvorhersehbaren Endes, mit einem mulmigen Gefühl aus dem Kino. Ein weiteres Plus: der stimmungsvolle Soundtrack von Marcelo Zarvos.

Fazit: Spannend, atmosphärisch inszeniert und toll gespielt. Auch wenn die Entwicklung der Charaktere nicht ganz den Raum bekommt, denn sie verdient gehabt hätte, werden Sie "Sin Nombre" nicht so schnell vergessen.

Sin Nombre (Mexiko/ USA 2009)
Regie und Drehbuch: Cary Joji Fukunaga
Darsteller: Edgar Flores, Paulina Gaitan, Kristyan Ferrer
Länge: 96 Minuten
Start: 29. April

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