Fatih Akins irrwitzige Hommage an Hamburg: Unser Filmtipp "Soul Kitchen"

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Mit "Soul Kitchen" präsentiert Regisseur Fatih Akin eine witzige und vor allem sehenswerte Liebeserklärung an seine Heimatstadt

Wie jetzt, Fatih Akin macht einen auf lustig? Die letzte Komödie des Hamburger Regisseurs liegt ja schon ein bisschen zurück ("Im Juli", 2000), zuletzt beeindruckte Akin mit ernsten und nachdenklich-traurigen Filmen ("Auf der anderen Seite", "Gegen die Wand"). Mit "Soul Kitchen" beweist Akin jetzt, dass er mit Leichtigkeit zwischen den Genres hin und her wechseln kann und bringt eine abgedrehte und saulustige Komödie auf die Leinwand.

Lieber Akin als Tarantino
Für den in Hamburg-Altona aufgewachsenen Akin war "Soul Kitchen" eine Herzensangelegenheit. Und so holte er sich für dieses besondere Projekt zwei seiner Stamm-Hauptdarsteller ins Boot – seine Kumpels Adam Bousdoukos ("Kurz und schmerzlos") und Moritz Bleibtreu ("Im Juli", "Solino"). Dass Moritz Bleibtreu eine Rolle in Quentin Tarantinos "Inglorious Basterds" abgesagt hat, weil er bei Akin im Wort stand, sagt alles darüber, mit wie viel Herzblut alle Beteiligten am Start waren.

Zur Story: Deutsch-Grieche Zinos (Bousdoukos) betreibt ein (um es mal positiv auszudrücken) bodenständiges Restaurant im Problemquartier Wilhelmsburg. Seine einfache, ehrliche Kost kommt zumindest bei den Stammgästen gut an. Trotzdem ist Zinos am Arsch. Die Kohle reicht vorne und hinten nicht, seine Freundin Nadine nimmt einen Job in Shanghai an, und wegen eines Bandscheibenvorfalls kann Zinos nicht mal mehr kochen. Zufällig läuft ihm der arbeitslose und exzentrische Edelkoch Shayn (mürrisch, zynisch, großartig: Birol Ünel) über den Weg. Aber Fischstäbchen und Schnitzel sind unter Shayns Würde, also pimpt er die vorhandenen Gerichte im Haute-Cuisine-Stil. Das vergrault die Stammgäste, der Laden scheint am Ende. Dazu muss sich Zinos dann noch mit seinem Bruder und Knast-Freigänger Illias (Bleibtreu) sowie Ex-Kumpel und Immobilienmakler Neumann (Wotan Wilke Möhring) 'rum ärgern. Aber die "Soul Kitchen" scheint plötzlich zu brummen, die Szene-Kundschaft kommt in Scharen. Gut für Zinos. Obwohl, eigentlich geht alles jetzt erst richtig los...

Gags und abstruse Ideen im Minutentakt
Es macht fast den Eindruck, als nutze Akin die wirre Handlung nur als Rahmen, um Gags und abstruse Ideen im Minutentakt abzufeuern. Die Dialoge sind voll mit bekloppten Wortwitzen, und jede Nebenrolle ist top besetzt. So glänzen Udo Kier, Monica Bleibtreu (in einer ihrer letzten Rollen), Peter Lohmeyer und der Kult-Hamburger Jan Fedder in Mini-Auftritten. Und wenn Zinos nach einem missglückten Diebstahl verhaftet wird, dann übernehmen das nicht irgendwelche Polizisten, sondern, klar, ein Team aus dem "Großstadtrevier".

Akin ist "Nordish By Nature"
Ohne die komödiantische Ausrichtung des Films zu stören, wird Akin fast nebenbei noch politisch und spricht die Gentrifizierung in Hamburg an, ein Thema, das in der Elbmetropole heftig diskutiert wird: Kleinere, alt eingesessene Einrichtungen müssen größeren Komplexen und Umstrukturierungsmaßnahmen weichen, eine Veränderung der Anwohnerstruktur ist auf lange Sicht die Folge. Der Regisseur dreht gezielt an Plätzen, deren Erhalt gefährdet scheint: in kleinen Kneipen ("Astrastube"), Clubs oder so genannten Problemquartieren. Genauso zeigt Akin aber auch neue Viertel wie die Hafencity, schickere Ecken und Touristenattraktionen. Insgesamt ist dieser "Heimatfilm reloaded" einfach eine Verneigung Akins vor seiner Heimatstadt – mit allen ihren schönen Seiten, ohne aber den Blick vor den Problemen zu verschließen. Akin ist eben "Nordish By Nature", und das merkt man.

Fazit: "Soul Kitchen" ist einer der witzigsten Filme des Jahres. Eine tolle Besetzung, ein grandioser Gute-Laune-Soundtrack und eine schnelle, schnörkellose Inszenierung voller herrlich verrückter Ideen. Ein Muss, nicht nur für Hamburger!

Soul Kitchen (Deutschland 2009)
Regie: Fatih Akin
Drehbuch: Fatih Akin, Adam Bousdoukos
Darsteller: Adam Bousdoukos, Moritz Bleibtreu, Birol Ünel, Anna Bederke, Wotan Wilke Möhring, Pheline Rogan
Länge: 99 Minuten
Start: 25. Dezember

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