Gefangen in der Zeitschleife: Unser Filmtipp "Source Code"

Die Filmtipps der Redaktion

In "Source Code" soll Jake Gyllenhall ein Attentat vereiteln, das bereits geschehen ist. Er hat nur acht Minuten Zeit – immer und immer wieder. Klingt wirr? Ist es – aber auch super spannend!

All denjenigen, die sich von „Source Code“ leicht verdauliche Krawumm-Action-Unterhaltung erhoffen, sei folgendes Gespräch ans Herz gelegt, das so nach der Pressevorführung auf der Toilette eines Hamburger Kinos stattgefunden hat:

A: „Verdammt, ich hab’ den nicht kapiert.“
B: „Puh, da bin ich beruhigt, ich auch nicht.“
A: „Kann doch nicht sein. Lass uns mal überlegen. Wenn der eine Typ jetzt doch die Vergangenheit repariert hat – was ja eigentlich gar nicht gehen soll – und dann im Körper des anderen weiter lebt. Ist der andere dann einfach ersetzt worden? Ne, oder?
B: „Keine Ahnung, und überhaupt: was hat der jetzt eigentlich nur geträumt, was war Simulation, was Realität? Und richtig logisch war’s auch irgendwie alles nicht.“
A: „Stimmt! Na ja, dann werde ich mir, bevor ich meine Filmkritik veröffentliche, wohl erst einmal ansehen, was andere Journalisten so schreiben – vielleicht kriege ich ja da eine Antwort auf meine Fragen.“

Tja, liebe Kollegen, sorry, hier leider auch nicht. Denn "Source Code" lässt ein paar Fragen offen, und auch die ein oder andere Logiklücke ist nicht zu übersehen. Aber nichtsdestotrotz ist Regisseur Duncan Jones wie schon mit seinem gefeierten Erstling "Moon" (2009) ein ganz besonderer, ein sehr beeindruckender Film gelungen. Während „Moon“ ein melancholisches Ein-Mann-Stück war, ist "Source Code" Vollgas-Kino, die 93 Minuten sind vollgepackt mit Action, Handlungswendungen, spannenden Charakteren und einem überraschenden Finale.

Das Tempo lässt keine Zeit zum Nachdenken
Am besten wirkt "Source Code", wenn man vorab so wenig wie möglich über die Handlung weiß. Deshalb hier nur eine Blitz-Zusammenfassung: Colter Stevens (Jake Gyllenhall) wacht in einem Zug auf und weiß nicht wo er ist, wer ihm gegenüber sitzt, wo er hinfährt. Auf der Zugtoilette schaut er in den Spiegel und sieht einen Unbekannten. Völlig verwirrt irrt er durch den Zug – bis dieser plötzlich explodiert. Doch Stevens ist nicht tot, er wacht in einer Art Kapsel auf, auf einem Stuhl festgeschnürt. Über Lautsprecher und Bildschirm erfährt er, dass er Teil eines experimentellen Anti-Terror-Programms ist. Im "Source Code", einer Art mentale Zeitmaschine, durchlebt Stevens die letzten 8 Minuten im Körper eines verstorbenen Zugpassagiers immer und immer wieder – bis er in dem Zug den Attentäter identifiziert hat, damit dieser kein zweites Mal zuschlägt.

Der Film, der ein wenig an "Und täglich grüßt das Murmeltier" (1993) mit Bill Murray erinnert, legt ein irrwitziges Tempo vor, nimmt sich aber trotzdem zwischendurch immer mal Zeit für seinen von der realen Welt isolierten und verzweifelt durch die Gegend hetzenden Protagonisten. Jake Gyllenhall füllt diese Rolle überzeugend aus, auch die Nebenrollen sind mit Vera Famiga, Michelle Monaghan und Jeffrey Wright sehr gut besetzt.

Fazit: "Source Code" ist spannendes, temporeiches und (dem ein oder anderen Logikloch zum Trotz) intelligentes Science Fiction-Kino. Ansehen!

Source Code (Frankreich, USA 2011)
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Ben Ripley
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Michelle Monaghan, Vera Farmiga, Jeffrey Wright
Länge: 93 Minuten
Start: 2. Juni

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