Fremdschämen mit Spider-Man: Unser Filmtipp "Spider-Man 3"

Die Filmtipps der Redaktion

In unserem Filmtipp "Spider-Man 3" begeistert der Superheld mit Slapstick, Selbstironie und einer großen Portion Menschlichkeit

Spider-Man hat es nicht leicht. Während andere Superhelden höchstens mal ein gerissenes Cape zu flicken haben, muss sich der Spinnenmann mit allerlei Pubertäts-Problemen herumschlagen. Peter Parker ist wie der nette Superheld von nebenan: er hat Stress im Job, Liebeskummer und lebt in einer bruchfälligen Studentenbude. Daran hat sich auch im dritten Teil der Comicverfilmung nichts geändert: Spider-Man ist zuerst Mensch und erst danach kümmert er sich um die Rettung der Welt. Zuerst ein romantisches Date mit seiner Freundin Mary Jane (Kirsten Dunst) und erst danach geht’s zum Schurkenschnappen.

Peter Parkers mächtigster Gegner in „Spider-Man 3“ ist er selbst. Eine aus dem All gepurzelte schwarze Masse ist lediglich der Katalysator seiner Schwächen und Ängste. Folge: Spider-Man wird zum dunklen Helden Venom und Parker zum Draufgänger mit Sexappeal und grenzenloser Selbstüberschätzung. Wie das passieren konnte? Parker ist der Popstar-Status zu Kopf gestiegen – er lässt seine besten Freunde im Stich und vernachlässigt seine Beziehung. Stress und Kummer führen schließlich dazu, dass sich Spider-Man ohne Gegenwehr von der bösartigen schwarzen Masse übermannen lässt. Und mit einem Schlag ist er all seine Sorgen los. Testosteron-geschwängert und völlig enthemmt tänzelt Peter durch die Straßen von New York. Sein übertriebenes und teilweise peinliches Aufreißer-Gehabe ist für den Zuschauer ein Heidenspaß. Fremdschämen mit Spider-Man!

Richtig böse ist in Spider-Man-Filmen niemand
Dass der Ego-Trip des Spinnenhelden nicht gut endet, ist klar. Die Läuterung erfolgt – wie könnte es anders sein – in einer Kirche. Nachteil: der Virus springt auf einen nach Rache sinnenden Reporter über. Genau wie alle anderen Bösewichte in „Spider-Man 3“ ist auch dieser neue Schurke nur Opfer widriger Umstände. Richtig böse ist in Spider-Man-Filmen niemand. Der aus Sand bestehende Sandman ist ein Verbrecher wider Willen und selbst der grüne Kobold Harry – eigentlich der beste Freund von Peter – ist auch nur eine tief gekränkte, tragische Figur. „Spider-Man 3“ wird zur heilsamen Gruppentherapie, in der jeder jeden braucht, um zu sich selbst zu finden.

Auch wenn die Charaktere klischeehaft agieren und Parkers Beziehungskiste etwas übertrieben romantisch daherkommt, ist die kunterbunte Action-Sause genau das, was man von einer Comic-Verfilmung erwartet: ein großer Spaß. Diesen Spaß hat man sich einiges kosten lassen. Mit einem Budget von zirka 250 Millionen Dollar soll Sam Raimis „Spider-Man 3“ der teuerste Film aller Zeiten sein. Zu Recht! Die Computereffekte sind kaum von der Realität zu unterscheiden. Besonders bemerkenswert: Sandman (gespielt von Thomas Haden Church). Der Mann besteht nach einem unfreiwilligen Experiment völlig aus Sandkörnern und kann seine Form beliebig verändern. An den bombastischen Spezialeffekten leidet zwar die Geschichte, aber nicht der Unterhaltungswert des Films. Daher kann sich der menschliche Superheld ruhig noch ein weiteres Mal durch die Häuserschluchten schwingen.

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