Action-Amazonen aus der Anstalt: Unser Filmtipp "Sucker Punch"

Die Filmtipps der Redaktion

Ein sexy Mädchenquintett versucht in unterschiedlichen Traumwelten aus der Psychiatrie zu entkommen. Wir sagen, ob der Fantasy-Kracher "Sucker-Punch" ein Irrweg ist

Es ist eine Schande. Trotz großartiger Kampfszenen, cooler Schauspielerinnen und jeder Menge Computerspiel- und Comic-Action landet das Fantasy-Spektakel "Sucker Punch" keinen Volltreffer. Das Problem: Kultregisseur Zack Snyder hat nach diversen genialen Adaptionen ("Dawn of the Dead" (2004), "300" (2006), "Watchmen" (2010)) erstmals selbst das Drehbuch geschrieben. Das Resultat ist eine oberflächliche und zusammengestückelte Story, die dem ansonsten coolen Actionfilm zum Verhängnis wird. Darin ballert sich ein Mädchenquintett aus einem Irrenhaus durch diverse zusammenhanglose Realitätsebenen in die Freiheit. Das sieht zwar toll aus, langweilt aber schnell.

Die Story: Die junge Baby Doll (Emily Browning) wird nach dem Tod ihrer Mutter von ihrem fiesen Stiefvater in ein Irrenhaus gesteckt. Dieser will das Erbe abstauben und den Mord an Baby Dolls Schwester vertuschen. Dafür besticht er einen Aufseher, der dafür sorgt, dass ein Arzt das Mädchen per Lobotomie (Durchtrennen des Stirnlappens) komplett unzurechnungsfähig macht. Baby Doll hat fünf Tage Zeit, um dem Wahnsinn zu entkommen. Gemeinsam mit ihren vier Leidensgenossinnen Sweet Pea (Abbie Cornish), Blondie (Vanessa Hudgens), Rocket (Jena Malone) und Amber (Jamie Chung) entwickelt Baby Doll einen Fluchtplan.

Sexy Amazonen im absurden Action-Parcours
Um die grausame Anstalts-Realität zu ertragen, flüchten sich die Mädchen in mehrere Traumwelten. Auf der ersten Realitätsebene ist das Irrenhaus ein Nachtclub, in der Baby Doll als Neuzugang erst mal ihre Tanzkünste zeigen muss. Schließt sie dabei die Augen, taucht Baby Doll in eine weitere Fantasiewelt ab. Darin ballert sich das Mädchenquintett als bis an die Zähne bewaffnetes Amazonen-Team durch einen absurden Action-Parcours, um an verschiedene Gegenstände zu kommen, die bei der Flucht aus der Anstalt helfen sollen.

Klingt abwegig? Und genau hier liegt das Problem. Bereits bei Mission 2 der sexy Amazonen schielt man auf die Uhr. Zu oberflächlich, zu überladen wirken die Kampf-Orgien gegen Drachen, Orks, Riesen-Samurais und Zombie-Soldaten. Spannung, Sinn und Message verlieren sich im Stakkato der Action-Sequenzen. Leider gibt‘s noch zwei weitere dieser inhaltlich identischen Kampf-Sequenzen, bis "Sucker Punch" endlich wieder Fahrt aufnimmt und halbwegs spannend wird. Leider zu spät.

Cooler Actionfilm ohne Tiefe
Die Themen, die Snyder bedient, wie etwa männliche Gewaltfantasien und die Rolle der Frau als bauchfreies, bezopftes Sexobjekt, wirken etwas stumpf. Zumindest beginnt der Film vielversprechend. Die Eingangssequenz ist eine Art Stummfilm, in dem Baby Dolls Dilemma eindrucksvoll in nur wenigen Minuten offengelegt wird: Der Tod der Mutter, die Misshandlung durch ihren Vater bis zur Einweisung in die Nervenheilanstalt. Ohne ein Wort zu sprechen und mit Hilfe von Bildern, die den Zuschauer nicht mehr loslassen. Lobend zu erwähnen wäre auch der Soundtrack, der aus perfekt zu den Szenen passenden Coverversionen bekannter Pop-Songs (wie etwa "Sweet Dreams" oder "Where is my mind") zusammengestellt ist. Daher fällt unser Urteil zwiespältig aus: "Sucker Punch" ist ein cooler, durchgestylter Actionfilm, dessen Story ideenlos daherkommt und dessen Figuren es leider an Tiefe fehlt.

Sucker Punch (USA 2011)
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Steve Shibuya
Darsteller: Emily Browning, Abbie Cornish, Jena Malone, Vanessa Hudgens, Jamie Chung
Länge: 110 Minuten
Start: 31. März

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