Wenn der Todesbote an der Tür klingelt: Unser Filmtipp "The Messenger"

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Unser Filmtipp "The Messenger" zeigt zwei Männer, die Angehörigen Todesnachrichten von der Front überbringen müssen. Ein verstörender Einblick in die Folgen des Irakkriegs

"Nicht 'Guten Tag' sagen, denn es ist gar nichts gut an diesem Tag." Dies ist eine der wichtigsten Regeln, an die sich Sergeant Will Montgomery und Captain Tony Stone halten müssen. Ihr Job: Angehörigen mitteilen, dass ihr Kind, Vater oder Ehemann im Irakkrieg gestorben ist. Regisseur und Autor Oren Moverman blickt in "The Messenger – Die letzte Nachricht" aus einer ungewöhnlichen Perspektive auf den Irakkrieg. Er zeigt nicht die Kämpfe im Kriegsgebiet, sondern im Inneren der Hinterbliebenen und der beiden Soldaten – deren Aufgabe es ist, tagtäglich die schlimmste aller Nachrichten zu überbringen. Overman setzt das Ganze angenehm unspektakulär und ohne Kitsch und Pathos, dafür sachlich und mit beeindruckender Intensität um.

Die Story: Im Mittelpunkt der Geschichte steht Sergeant Will Montgomery (Ben Foster). Als hochdekorierter, im Kampf verwundeter Kriegsheld kehrt er aus dem Irak zurück, sein Militärdienst dauert noch drei Monate. Für diesen Zeitraum wird Montgomery dem lang gedienten Offizier Captain Tony Stone (Woody Harrelson, hierfür Oscar-nominiert) an die Seite gestellt. Stirbt ein US-Soldat im Irakkrieg, ist es die Sache der beiden, das den Hinterbliebenen mitzuteilen. In einem Alltag, der sie dauerhaft mit Wut, Verzweiflung und tiefer Trauer konfrontiert, entwickelt sich zwischen den beiden desillusionierten Einzelgängern so etwas wie Freundschaft. Bis Will gegen eine Regel des Jobs (emotionale Distanz zu den Hinterbliebenen) verstößt und sich in die Witwe eines Gefallenen verliebt...

Zerbrechlicher Kern unter rauer Schale
Oren Overman folgt seinen beiden Protagonisten mit der Handkamera in die Wohnzimmer der Angehörigen. Jedes Mal, wenn die Familien von dem Verlust eines geliebten Menschen erfahren, sehen sich Montgomery und Stone emotionalen Reaktionen gegenüber, die unerwartbar, erschütternd und verstörend zugleich sind – und mit jedem Mal scheint auch die Psyche der beiden scheinbar unerschütterlichen Soldaten einen tiefen Riss zu bekommen. Es zeichnet "The Messenger" aus, dass all dies sehr ruhig inszeniert ist und dem Zuschauer viel Zeit gelassen wird, das Gesehene zu verarbeiten und ganz individuell zu interpretieren. Woody Harrelson und Ben Foster machen ihre Sache großartig: ihre innere Zerrissenheit, der zerbrechliche Kern unter der rauen Schale wird immer mal wieder sichtbar, kommt aber erst zum Ende des Films ganz zum Vorschein. Eine weitere Stärke des Streifens ist es, dass bei aller Ernsthaftigkeit auch der Humor nicht zu kurz kommt, die Dialoge zwischen den beiden Protagonisten sind voll mit Wortwitz und bissiger Ironie.

Fazit: Insgesamt ist "The Messenger" ein beeindruckendes Porträt unterschiedlicher Menschen, die mit der schlimmsten Seite eines Krieges konfrontiert werden. Oren Overman ist ein bedrückendes, intensives und sehenswertes Regiedebüt gelungen.

The Messenger – Die letzte Nachricht (USA 2009)
Regie: Oren Moverman
Drehbuch: Alessandro Camon, Oren Moverman
Darsteller: Ben Foster, Woody Harrelson, Samantha Morton, Jena Malone, Steve Buscemi
Länge: 113 Minuten
Start: 3. Juni

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