Ben Stiller zeigt Apocalypse Hollywood: Unser Filmtipp "Tropic Thunder"

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Blockbuster parodiert Blockbuster: In "Tropic Thunder" spotten Ben Stiller, Jack Black und Robert Downey Jr. über die Filmindustrie

Nein, "Tropic Thunder" ist nicht wie "Hot Shots" oder "Die nackte Kanone". Obwohl man beim Namen Ben Stiller unfreiwillig an eine neue Schenkelklopferkomödie denkt. Weit gefehlt. Die böse Persiflage auf Starallüren und Blockbusterkino trifft etwas tiefgründiger ins Zwerchfell als Stillers bisherige Filme vermuten lassen. Absurd, aber wahr: "Tropic Thunder" ist durchgedrehter Hollywood-Trash, der nebenbei der Filmindustrie – und damit auch sich selbst – ordentlich vors Knie tritt.

Eine Horde divenhafter Schauspieler dreht den teuersten, besten und authentischsten Kriegsfilm aller Zeiten – "Tropic Thunder". Mit dabei: der abgehalfterte Actionstar Tugg Speedman (Ben Stiller), der Fäkalkomiker Jeff Portnoy (Jack Black) und der zig-fache Oscargewinner Kirk Lazarus (Robert Downey Jr.). Trotz einer Menge Blut, Napalm und Fleisch in Fetzen läuft alles schief. Neben den Patzern der verweichlichten Hauptdarsteller fackeln auch gerne mal einige Hektar Regenwald ab – leider völlig vergeblich, da die Kamera nicht an war. Als kostengünstige und realistische Ersatzstrategie schicken Regisseur Cockburn und sein Berater, der knallharte Vietnam-Veteran Tayback (Nick Nolte), die Weicheier kurzerhand in den echten Dschungel und verstecken ein paar Kameras in den Büschen. Nachdem der Regisseur allerdings unfreiwillig per Tretmine abtritt und sich ein Trupp von Drogen-Guerillas an die Fersen der Hollywoodstars heftet, gerät das Experiment außer Kontrolle.

Dschungel-Trash mit Tiefgang
Die Pleiten und Pannen in "Tropic Thunder" spielen natürlich auch auf die Dreharbeiten von Francis Ford Coppolas Kriegsepos "Apocalypse Now" von 1979 an. Coppolas Meisterwerk ist geradezu berühmt für seine problematische Entstehungsgeschichte. In Wirklichkeit parodiert Regisseur Ben Stiller aber Hollywood selbst: die Eitelkeiten von Schauspielern, Produzenten und Agenten. Leider geht dem herrlich trashigen Gagfeuerwerk schnell die Munition aus. Als der Film versucht, eine Geschichte zu erzählen, wird’s zäh. Brillante Entschädigungen: Tom Cruise als moppeliger Studioboss mit Halbglatze, Kinnbart und Pornolook, sowie Robert Downey Jr. als weißer Charakterdarsteller, der sich seine Haut operativ umgefärbt hat und nur noch in einer Art Getto-Slang redet, um die Rolle eines afroamerikanischen Dschungelkämpfers wirklichkeitsnah zu verkörpern. Fazit: Trotz vieler Schwächen sehenswert.

Tropic Thunder (USA 2008)
Regie: Ben Stiller
Buch: Ben Stiller, Justin Theroux, Etan Cohen
Darsteller: Ben Stiller, Jack Black, Robert Downey Jr., Nick Nolte, Matthew McConaughey
Länge: 107 Minuten
Start: 18. September 2008

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