Schräge Revolverhelden in Bestform: Unser Filmtipp "True Grit"

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Im neuen Meisterwerk der Coen-Brüder muss sich Western-Haudegen Jeff Bridges von einer 14-Jährigen die Leviten lesen lassen

Wahrer Schneid hat nichts mit glanzvollem Heldentum zu tun. Daher tummeln sich im neuen Western "True Grit" (auf Deutsch: echter Schneid oder Mumm) auch keine heroischen Revolverhelden, die gegen Unrecht kämpfen und in den Sonnenuntergang reiten. Ihre Zeit ist abgelaufen. Vorhang auf für eine starrsinnige 14-Jährige, einen trotteligen Kopfgeldjäger und einen versoffenen US-Marshall. Wir befinden uns im Universum der Coen-Brüder. So wie bereits in "No Country For Old Men" (2007) machen Joel und Ethan Coen in "True Grit" wieder einmal das, was sie am besten können: eine herrlich verschrobene Geschichte erzählen – mit hinreißend schrägen Charakteren, die alle bis zum Ende des Films echten Mumm beweisen.

Die Story: Mattie Ross (Hailee Steinfeld) ist zwar erst 14 aber nicht auf den Mund gefallen. Sie lässt sich nichts vormachen, weder von Geschäftemachern, Banditen noch von Trunkenbolden. Als ihr Vater von einem Pferdedieb ausgeraubt und erschossen wird, kümmert sie sich eigenhändig um dessen gerechte Strafe. Sie heuert den Revolverhelden und US-Marshal Rooster Cogburn (Jeff Bridges) an – einen abgehalfterten Haudegen mit Augenklappe und Alkoholproblem. Nach einigen von Matties Gardinenpredigten macht sich der schießwütige Griesgram tatsächlich auf den Weg, den Flüchtigen aufzuspüren. Zum Rächergespann gesellt sich noch der etwas trottelige, aber piekfeine Texas Ranger LaBeouf (Matt Damon). Zusammen ziehen die drei ungleichen Anti-Helden auf Rachefeldzug in die Prärie.

Worte statt Blei
"True Grit" basiert auf dem Roman von Charles Portis, der bereits als "Der Marshal" 1969 mit John Wayne verfilmt wurde. Das Besondere: Es wird viel gequatscht – ungewöhnlich viel für einen Western. Spricht doch sonst eher das Blei. Aber auch das gehört zur aberwitzigen Inszenierung der Gebrüder Coen. Der altersschwache Marshal plaudert über seine verkorksten Ehen, einer der Ganoven ist Tierstimmenimitator, mitten in der Wildnis trifft man Zahnärzte im Bärenkostüm. "True Grit" ist so herrlich absurd, dass das Zuschauen einen Heidenspaß macht. Wie fast immer in einem Coen-Film überzeugen auch die Schauspieler. Jeff Bridges spielt den verranzten, dickbäuchigen US-Marshal großartig, Hailee Steinfeld ist eine Entdeckung fürs Kino, selbst Matt Damon macht als biederer Draufgänger eine gute Figur. Die Zeit des Westerns ist zwar abgelaufen. Daran ändern auch Joel und Ethan Coen nichts mehr. "True Grit" wird das Genre nicht neu beleben, spielt aber grandios mit dessen Klischees und Erwartungen.

Unser Fazit: Melancholischer, detailreicher Western mit viel schwarzem Humor – ein perfektes Kinovergnügen.

True Grit – Vergeltung (USA 2010)
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen, Charles Portis (Buchvorlage)
Darsteller: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin
Länge: 110 Minuten
Start: 24. Februar

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