Erntehelfer in den Bergen: Urlaub auf dem Bauernhof in Südtirol

Auf der Alm
Hier tobte der Überlebenskampf von Marco Krahl

Unser Redakteur Marco Krahl hat das knallharte Leben auf einem Bergbauernhof in Südtirol gemeistert

Vor den Hühnern aufstehen und ins Bett, wenn der Hahn längst in den Federn ist: Das Leben auf einem Südtiroler Bergbauernhof ist hart. Unser Reporter war eine Woche Bauer auf Probe.

Alois hasst die Stadt. Nichts stresst ihn mehr als Autoverkehr und Menschenmassen. Aber mancher Papierkram lässt sich nun mal nicht auf dem Postweg erledigen, sondern erfordert die Anwesenheit vor Ort. Zudem kommt der Briefträger nur zweimal die Woche zu Alois Thaler. Morgen muss er nach Meran, in die zweitgrößte Stadt Südtirols. Nur 20 Kilometer liegt sie entfernt, für ihn trotzdem eine Weltreise. Purer Stress für den 55-jährigen Bergbauern, der eigentlich lieber hier oben auf seinem Hof im Ultental bleiben würde, das sich von der Stadt Lana bis zu den Gletschern des Ortlermassivs zieht.

Das einzige Auto, das es auf Alois’ Hof gibt, ist ein alter Fiat Panda mit Vierradantrieb. Und auch den braucht er nicht oft. Denn Alois lebt » mit seiner Familie auf dem Stoffelsberg in 1293 Meter Höhe. Ab und zu trifft man hier ein paar Wanderer, die auf ihren Touren am Hof vorbeikommen. Und natürlich zweimal die Woche den Postboten, der dazu den Weg aus dem 7 Kilometer entfernten St. Pankraz auf sich nimmt, das 557 Meter unterhalb liegt.

„Morgen werde ich früh aufbrechen“, sagt Alois zu mir. Und er schaut dabei drein, als müsste er für Jahre in den Knast und nicht nur für einen Tag in die Stadt. „So gegen 4:30 Uhr stehe ich auf, melke die Kühe, und dann mache ich mich auf den Weg.“ Alois fährt, ich bleibe da. Einer muss sich ja um den Hof kümmern. Eine Menge Arbeit wartet auf mich, schließlich lässt er seine Frau zurück, 2 Gänse, 3 Kälber, 4 Kinder, 5 Kühe und 6 Hühner. Sowie 4,1 Hektar Wiese, auf der das Heu darauf wartet, eingeholt zu werden. Morgen bin ich der einzige Mann im Haus. Und auf dem Hof.

Geheizt wird noch ganz nach alter Tradition mit Holz

Hab ich Zeit für mich?: Brauche ich wirklich Intimsphäre?

Ganz allein ist Marco dann doch nicht: MH-Fotograf Dirk liegt im Nebenzimmer und zersägt ganze Wälder – im Bett

Der einzige bin ich natürlich nicht: In der Nacht höre ich es neben mir schnarchen: Es ist Dirk, der Haus-und-Hof-Fotograf von Men’s Health, mit dem ich nicht nur ein Zimmer, sondern auch eine Matratze teilen muss. Zum Glück ist das Ehebett, in dem wir schlafen, so groß, dass zwischen uns locker die vier Bauernkinder Platz hätten. So ist wenigstens ein Minimum an Intimsphäre gewahrt. Diesmal wird Dirk auch seine Fähigkeiten als Wald-und-Wiesen-Fotograf unter Beweis stellen müssen. Ob das gut geht, bleibt abzuwarten: Der Ärmste leidet unter Heuschnupfen.

Nicht die beste Voraussetzung, um bei der Heuernte zu helfen. Doch dafür sind wir hier: Wir haben uns beim Verein Freiwillige Arbeitseinsätze in Bozen als Erntehelfer gemeldet. Für eine Woche verleihen wir unsere Arbeitskraft, dafür gibt’s freie Kost und Logie sowie die Gelegenheit, zu testen, ob zwei Großstädter auf dem Land überleben können. Ich rücke an die äußerste Bettkante und lausche Dirks Schnarchen. Ganze Wälder sägt er zu Kleinholz. Das werden wir später gut brauchen können.

Nichs für Warmduscher
Erfrischende Dusche auf dem Bauernhof

Frieren oder Schwitzen?: Kalte oder heiße Dusche?

Als wäre früh aufstehen nicht schon schlimm genug, gibt es auch noch ein eklatantes Wassertemperaturproblem

30 Hektar Wald besitzt Alois. Ohne ihn würden die Thalers frieren, denn mit dem Holz füttern sie den Ofen. Aber heute morgen ist er offenbar auf Diät gesetzt! Mir ist kalt, als ich das erste Mal auf die Uhr schaue: 4:30 Uhr. Auf dem Flur höre ich den Hausherrn. Nein, jetzt kann ich noch nicht aufstehen. Einen Moment später ist es 6:30 Uhr.

Zu Hause würde ich mich noch mal auf die andere Seite drehen, hier kann ich nicht mehr einschlafen. Und das liegt nicht nur an Dirks Schnarchen. Bereits seit dem Morgengrauen kräht der Hahn, versucht seine Hühner aus dem Bett zu werfen. Aber die sind wohl Langschläfer, denn er kräht alle fünf Minuten. Mein Fell ist leider nicht so dick wie das des Federviehs. Während die Hennen noch pofen, tapere ich verschlafen ins Bad.

Drinnen suche ich nach einem Schlüssel, um abzuschließen. Vergebens! Stattdessen gibt es einen schiefen Nagel im Rahmen. Den dreht man einfach Richtung Tür, schon ist sie verschlossen. Bevor ich die Dusche aufdrehe, hoffe ich, dass wenigstens der Ofen im Bad angefeuert ist. Denn das Wasser kommt direkt aus einer Bergquelle. Kalt und erfrischend.

Wer Heißes zum Duschen möchte, muss ein Feuerchen machen. Aber das hat schon jemand für mich erledigt. Glück gehabt! Allerdings habe ich Probleme, die Temperatur zu regulieren. Genervt drehe ich an den Wasserhähnen: kalt – ahh, heiß – autsch, kalt – brrr, saukalt!

Auf dem Tisch kommt fast nur Selbstgemachtes

Für mich oder für uns?: Teilen oder egoistisch bleiben?

Das Frühstück umschwirren ein Million Fliegen. Das bedeutet Wetterumschwung

„Die arme Sau“, sagt Dirk und blickt auf den Schinken, den es zum Frühstück gibt. „Selbst gemacht“, sagt Helga, Alois’ Frau. Jeden Herbst kaufen die Thalers Schweine. Die überleben bis Nikolaus. Dazu stellt Helga selbst gebackenes Brot auf den Tisch. Und Marmelade. Selbstgemacht. Klar! Leider müssen wir alles teilen: mit einer Million Fliegen. Sie schwirren um den Topf mit frischer Kuhmilch und stampfen übers Marmeladenbrot.

Die Hausherrin beäugt das Treiben auf dem Tisch skeptisch. „Wenn die Fliegen verrückt spielen, gibt es einen Wetterumschwung“, sagt sie und schaut zum Fenster hinaus: Der Himmel ist ansichtskartenblau, die Sonne wie von der hiesigen Tourismuszentrale bestellt. Ein Tag, wie ihn sich Südtirol-Urlauber wünschen. Eigentlich zu schade zum Arbeiten. „Wir müssen das Heu einholen, bevor es anfängt zu regnen“, sagt unsere Gastgeberin. Dann ruft sie ihren Sohn.

So ein Mist!
Gesunde Düfte auf dem Bauernhof

Schwerstarbeit: Schaff ich die Arbeit eines Bauern?

Das Heu muss trocken in die Scheune, sonst kann es sich an heißen Tagen entzünden und den Hof abfackeln

Stefan, das jüngste Thaler-Kind, darf mitkommen. Muss mitkommen, denn seine Geschwister sind in der Schule und es ist niemand da, der auf den Fünfjährigen aufpassen kann. Also schultert auch er seinen Mini-Rechen und folgt uns und seiner Mutter auf die Wiese gleich hinterm Haus. Jeder Kindergarten wäre neidisch auf so viel Auslauffläche. Zu unseren Füßen liegt Südtirol, idyllisch wie eine Märklin-Landschaft – nur ohne Eisenbahn.

Soweit das Auge reicht, gibt es nur zwei Farben: Dunkelgrün (Wälder) und Hellgrün (Wiesen). Um uns herum summt, zirpt und brummt es. Ich fühle mich ein bisschen wie der Ziegenpeter. Und die Helga, die vorangeht, ist die Heidi. Vor einem Hang stoppt Heidi und schaut hinunter. Das Heu ist bereits gemäht und liegt trocken in der Sonne. „Zuerst“, sagt sie, „müssen wir es wenden. Damit auch die Unterseite trocknet.“ Denn landet es feucht in der Scheune, kann es sich an heißen Tagen entzünden und den Hof abbrennen. Oder es fängt an zu schimmeln. Dann müssen die Kühe im Winter hungern. Beides wäre für die Bauern eine Katastrophe.

Helga greift zum Rechen und fängt an, das Heu ein paar Meter den Berg herunterzuziehen. Mit so viel Routine, wie sie nur jemand hat, der das schon sein Leben lang macht. Helgas Eltern bewirtschaften den Nachbarhof. Schon als Kinder mussten die 39-Jährige und ihre zehn Geschwister oft bei der Ernte helfen. So wie heute ihre eigenen. Vor 13 Jahren heiratete sie dann Alois. Seitdem hat sich nicht viel verändert, nur ihr Ausblick: Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie jetzt den elterlichen Hof. „Jause!“, ruft Helga. Wir setzen uns unter einen Baum, beißen in unsere Stullen, lassen eine Flasche Holunderbeersaft kreisen – selbst gemacht – und genießen kurz die Ruhe der Alpen: Vogelgezwitscher, Grillenzirpen, Kuhglocken, Dirks Niesen.

„Wie idyllisch“, sage ich. „Nach dem Mittag rechen wir auf der anderen Seite das Heu zusammen“, sagt Helga. Es dauert also nicht lange, und wir stehen wieder oben an einem Hügel, schauen 30 Meter in die Tiefe. Hier ist das Heu bereits einmal gewendet und schon ganz trocken. Bereit für den Abtransport. Dafür müssen wir es aber erst zusammenrechen. Helga macht es vor: rückwärts gehen und das Heu mit dem Rechen in die Tiefe ziehen. Kein Problem! Es duftet nach Wiese und kitzelt in meiner Nase. Fast wie bei Dirk: hatschi! Meter für Meter rechen wir das Heu den Hügel hinab. Ich stehe schräg am Hang, stemme meine Stiefel in den Boden, um Halt zu finden, rutsche aber oft aus. Das einzig Gute am Berg: Wenn man von oben nach unten arbeitet, muss man sich nicht bücken – wenigstens der Rücken wird geschont. Ansonsten fließt der Schweiß von der Stirn, hinunter zu meinen schmerzenden Füßen.

Dabei habe ich noch Glück: Die Bergbauernhöfe in der Region erhalten von der Landesverwaltung Erschwernispunkte, nach denen sich auch die Zahl der Erntehelfer richtet, die man ihnen zuteilt. Je steiler die Wiesen, die die Bauern bearbeiten, desto mehr Punkte gibt es. Alois’ Hof hat 76, andere kommen auf 120. Das tröstet ungemein, wenn ich hin und wieder in ein Erdloch stoße und mich hustend in einer Staubwolke wiederfinde – der Smog der Landbevölkerung. Als ich mir den Dreck aus dem Gesicht wische, erhasche ich einen Blick auf Helga, die ein paar Meter entfernt arbeitet. Im Gegensatz zu mir bewegt sie sich elegant wie eine Berggämse. So langsam dämmert es mir, dass wir hier mit vertauschten Rollen arbeiten. Helga ist der Peter. Und ich, ich fühle mich wie Heidi.

Heuwenden gegen Selbstentzündung und Schimmel
Der Schweiß läuft

Heuwenden: Sind 300 Kilo zuviel für mich?

Kein Arzt weit und breit. Trotz Heuschnupfen muss die harte Arbeit erledigt werden. Wie werden Marco und Dirk das durchstehen

Eine Heidenarbeit: Die Heulawine, die ich zusammenreche, wird immer mächtiger. Unten am Hang angekommen, haben sich riesige Berge aufgetürmt, in denen ich hüfthoch stehe. Von Weitem hören wir das Knattern eines alten Treckers: Alois ist aus der Stadt zurück und hat sich gleich Richtung Wiese aufgemacht.

Gerade rechtzeitig, um mit uns das Heu in die Scheune zu bringen. Gerade rechtzeitig, um mich als Haus- und Hofherrn abzulösen. Mich juckt’s überall, Heu hat von meinem Körper Besitz ergriffen, ist bis in die letzte Ritze vorgedrungen. Ich sehne mich nach einer Dusche, von mir aus auch eiskalt. Aussichtslos!

Zum Beladen drückt uns Alois Heugabeln in die Hand. Damit laden wir das Heu in großen Stößen auf, Alois steht auf der Ladefläche und trampelt es nieder, damit noch mehr draufpasst. „Das Zeug ist wie Zuckerwatte“, sagt er. Rund 300 Kilo bekommen wir mit, dann geht es zur Scheune. „Die ist aus dem Jahr 1837“, erzählt Alois stolz.

Damals gehörte der Hof noch » seinem Urgroßvater. Auch das Haus gegenüber, in dem die Thalers wohnen, ist selbst gebaut. Sein Vater hat es 1956 errichtet, aus Fichtenholz. Und auch Alois wird in seinem Leben noch ein Haus bauen. Denn in der Fichte hat es sich der Holzwurm gemütlich gemacht. „Irgendwann müssen wir es abreißen und ein neues bauen.“

Schärfer als jeder Rasenmäher
Messerscharfes Mähwerkzeug

Das Gras wächst von allein: Der Sensenmann

Kein Rasenmäher weit und breit. Was tun? Marco stellt sich der Aufgabe

&

Ich baue darauf, dass sich der Arbeitstag bald dem Ende neigt. Schlieamp;szlig;lich steht die Sonne schon tief. Feierabend, sagt meine innere Uhr. „Wir müssen noch mähen“, sagt Alois. „Das Mähen ist eine Knochenarbeit“, erzählt er. Schuld daran ist nicht nur seine alte Mähmaschine, die schon 14 Jahre auf dem Buckel hat, sondern auch das hügelige Land.

Alois’ Hüften schmerzen jedes Mal, weil er sich auf seinem Aufsitzrasenmäher Richtung Hang stemmen muss, damit Mann und Maschine nicht den Berg hinunterkullern. Wenn der Hang zu steil abfällt oder Stufen in der Wiese sind, kann Alois mit der Mähmaschine nichts mehr ausrichten. Dann kommt die gute alte Sense zum Einsatz. Idealerweise glei-tet sie über die Wiese wie ein Schmetterling mit dem Gebiss eines Säbelzahntigers.

„Die Sense ist ein böses Gerät“, erzählt Alois, weshalb er sie mir nur sehr zögerlich in die Hand drückt. „Mit der hat sich schon so mancher den Fuß abgesäbelt. Sie ist scharf wie ein Schwert, schneidet deinen Schuh auf und durchtrennt die Sehnen.“ Wenn man nicht aufpasst.

Also muss ich konzentriert arbeiten, immer bergab, dabei die Sense im Halbkreis vor mir hertreiben. Das Sensen geht in die Arme. Und auf die Knochen. Stärker noch als der Rasenmäher, denn es dauert mindestens doppelt so lange. Ich stöhne: Das geht auf keine Kuhhaut.

Kuhmelken in Südtirol
Hoffentlich bleibt sie stehen

Hält er durch?: Warum Marco die Stadt liebt

Die letzten Stunden auf dem Bauernhof. Ob Marco durchhält?

„Zweimal am Tag melken wir die Kühe“, erzählt Alois, als wir den Stall betreten. „Alle zwölf Stunden.“ Stickige Luft begrüßt uns. „Dann kühlen wir die körperwarme Milch auf acht Grad herunter, um sie unempfindlicher gegen Keime zu machen“, erklärt er weiter. Jeden Morgen bringt Alois die vollen Milchkannen zu einer Sammelstelle. Stimmt die Temperatur, bekommen die Thalers 45 Cent pro Liter. Ist die Milch wärmer, gibt es weniger.

Wegen der geringeren Qualität. Ein Tankwagen bringt die Milch dann nach Bozen, wo sie zu Käse weiterverarbeitet wird und als „Dolomitenkönig“ in den Supermärkten landet. Einmal im Monat, wenn Helga in Lana ihren Großeinkauf macht, kauft sie ihn dort – schmeckt fast so gut wie selbst gemacht.Während Alois die Saugglocken der Melkmaschine an die Zitzen stöpselt, miste ich den Stall aus und befördere mit der Schubkarre die Kuhfladen nach draußen.

Der Misthaufen ist ein eigener kleiner Bauernhof. Würmer, Käfer, Fliegen, sie alle scheinen eifrig zu arbeiten. Hier wird die gute Landluft produziert. Daneben picken die Hühner und suchen sich die Rosinen aus dem Mist. Die Sonne, vor die sich jetzt erste bedrohlich dunkle Wolken schieben, macht mich schwitzig und klebrig. Ein paar fette Brummer versuchen mich anzufliegen. Das funktioniert auch ausgesprochen gut: Mein Schweißfilm bildet eine prima Landebahn. „Eine Kuh gibt binnen 24 Stunden 35 Liter Milch“, erklärt Alois, während er neben Freni hockt, ihr Fell reibt und der Melkmaschine zusieht, wie sie mit schlürfenden Geräuschen ihre Arbeit verrichtet. „Beim Melken kommt anfangs fast nur Wasser, erst dann fließt die Milch, zum Schluss gibt es Rahm mit satten 10 Prozent Fett.“

Anschließend geht es für die Kühe noch einmal raus auf die Weide. Heute war es so heiß, dass Alois sie den Tag über im Stall gelassen hat. Die Bremsen, die bei großer Hitze besonders nervig sind, hätten sie sonst zu sehr gepiesackt. „Und dann wird die Milch sauer“, erklärt Alois. Ganz schön aufwendig, denke ich. Zu Hause würde ich die Milchtüte einfach in den Kühlschrank stellen und einen kurzen Blick auf das Verfallsdatum werfen. Einer von einer Million Gründen, warum ich die Stadt liebe.

Holzhacken statt Kraftraum-Workout
Besser als jedes Fitnesstraining

Nicht nur faul rumliegen: Hier können Sie richtig abgrasen

Warum im Urlaub immer auf der faulen Haut liegen? Wer sich nützlich macht, erholt sich genauso gut. Italiens Norden ist ideal dafür. Die besten Tipps, bevor es an die Arbeit geht

Sonntags wird auf Südtirols Bauernhöfen meist nicht gearbeitet. So nutzen Sie Ihre freie Zeit:

  1. Ausschlafen! Vorher Ohrstöpsel rein (der Gockel kennt keinen Ruhetag), Schlafbrille auf (es gibt nicht immer Gardinen vorm Fenster).
  2. Besuchen Sie die Ultner Urlärchen in St. Gertraud: 2000 Jahre alt, 28 Meter hoch, Umfang 8,20 Meter.
  3. Kaffeepause im Lokal „Helena Pichel“ in der Nähe des Kirchleins St. Helena (1550 Meter hoch). Unbedingt Mohnkuchen essen – der Mohn blüht direkt vorm Haus!
  4. Ab ins Volkskundemuseum in St. Nikolaus! Dort sind alte Geräte der Bauern ausgestellt. Dagegen ist Alois’ Ausrüstung High Tech.
  5. Sportliche Herausforderung: Hochgebirgstour auf das Hasenöhrl (3000 Meter). Die wird mit einem Blick ins Ultental belohnt.
  6. Zur Erholung in die Therme Meran: Eine Ölmassage mit warmen Kräutersäcklein entspannt (www.therme-meran.it).
Richtig melken will gelernt sein
So macht melken richtig spaß

Melken ist immer gut: Schnellkurs für Milchbubis

In diesem Artikel können Sie nachlesen wie man(n) richtig Kühe melkt

Schnellkurs für Milchbubis
Natürlich hat auch Alois eine Melkmaschine. Aber das Handmelken sollte trotzdem jeder Bauer beherrschen. So funktioniert es:

  • Bevor Sie Hand anlegen, sprechen Sie mit der Kuh. Und streicheln sie ihr dabei über den Kopf, um ihr Vertrauen zu gewinnen
  • Säubern Sie erst mit warmem Wasser das Euter, dann die Zitzen stimulieren. Dazu diese einfach zweimal in die Länge ziehen
  • Immer von der Seite anmelken: den Daumen und den Zeigefinger ans obere Ende der Zitze legen (Bild 1) und drücken (2). Dann mit den restlichen Fingern Druck ausüben, bis die Milch anfängt zu fließen (3 bis 5)
  • Achtung: Die ersten beiden Spritzer dienen zur Reinigung der Zitzen, erst danach die Milch auffangen! Ein erfahrener Melker braucht für einen Durchgang 7 bis 10 Minuten – schneller ist auch keine Maschine, obwohl diese mit ihren vier Saugglocken alle Zitzen gleichzeitig bearbeiten kann
  • Keine Kuh in Sicht, stattdessen nur ein Schaf? Macht nix! Das wird genauso gemolken, einziger Unterschied: Sie stellen sich nicht neben, sondern hinter das Tier. Profis verstopfen mit ihrem Kopf den After, damit keine Köttel in den Milcheimer fallen

Literatur zu Südtirol: Buchtipp für den Urlauber-und-Bauern-Staat

In dem Buch " Die Erben der Einsamkeit" berichtet Aldo Gorfer über eine Reise nach Südtirol zu den Bergbauernhöfen

„Die Erben der Einsamkeit. Reise zu den Bergbauernhöfen Südtirols“ – von Aldo Gorfer, die Reportage eines Trentiner Journalisten und Historikers über die einsamen Bergbauern in den abgelegensten Tälern Südtirols.

Diese Bergabauern lebten vor 30 Jahren noch wie im Mittelalter lebten. Fotos von Flavio Faganello (um 20 Euro, tappeiner.it).

Privater Personennahverkehr in Südtirol
Erntehelfer in den Alpen

Erntehelfer in den Bergen: Heuern Sie doch auch an!

Warum zuhause sitzen wenn es gute Jobs in Südtirol gibt? Erfahren Sie alles rund um den Erntehelfer

So werden Sie zum Erntehelfer: Haupteinsatzzeit ist von Juni bis September, aber auch während des restlichen Jahres ist Hilfe willkommen. Für Unterkunft und Verpflegung ist gesorgt: Sie leben in der Familie und teilen ihren Alltag. Außer der eigenen Arbeitskraft ist mitzubringen:

Engagement, gutes Schuhwerk, robuste Arbeitskleidung, Kopfbedeckung und Sonnenschutzcreme. Da es in den Bergen oft starke Temperaturschwankungen geben kann, ist auch im Sommer warme Kleidung wichtig. Kontakt: Verein Freiwillige Arbeitseinsätze, c/o Südtiroler Bauernbund, www.bergbauernhilfe.it.

Unser Reisetipp Südtirol
Naturhighlight in Südtirol

Südtiroler Urlaubstraum: Unser Reisetipp Südtirol

Hier erfahren Sie wie und wo Sie am besten Ihren Urlaub in Südtirol verbringen

Anreise Am besten mit dem Pkw (Hauptroute über die Brenner-Autobahn) oder mit der Bahn, etwa im Liegewagen von Hamburg nach Bozen (Hin- und Rückfahrt zirka 200 Euro, www.nachtzugreise.de). Alternative: mit dem DB Autozug ab Berlin (einfache Fahrt ab zirka 190 Euro im Liegewagen, Fahrzeugtransport und Frühstück inklusive, www.dbautozug.de). Um von Bozen aus etwa zum Hof von Alois zu kommen, muss man nach St. Pankraz am besten per Bus oder Taxi (zirka 70 Euro). Von dort holt einen der Bergbauer dann ab, Sprache Südtirol ist offiziellzweisprachig.

Neben Italienisch wird fast überall Deutsch gesprochen (Achtung, es gibt 40 Dialekte!). Im Grödner Tal und Gadertal kommt noch eine dritte Sprache hinzu: Ladinisch. Mehr Infos Südtirol In-formation (www.suedtirol.info) oder – fürs Ultental – Tourismusvereinigung Ultental (www.ultental-deutschnonsberg.info).

Seite 7 von 8

Sponsored SectionAnzeige