Gefährliche Sportverletzung: Ursachen und Folgen von Gehirnerschütterungen

Die Gehirnerschütterung ist keine seltene Sportverletzung
Rangeleien beim American Football stehen in den USA in der Statistik als Ursache für Gehirnerschütterungen ganz vorne

Sport ist eine der Hauptursachen der jährlich 270.000 Schädel-Hirn-Traumata in Deutschland. Jedem Sportler sollte klar sein, was er dabei riskiert: Bei häufigen Gehirnerschütterungen drohen im Alter Demenz und Depressionen

Die Gehirnerschütterung ist keine seltene Verletzung. Schätzungen zufolge erleiden in Deutschland mehr als 270 000 Menschen pro Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma, davon ungefähr  90 Prozent ein leichtes. Auch in der Freizeit kommt es häufig zu Gehirnerschütterungen. „Gerade im Sport ist das Risiko einer Kopfverletzung sehr groß“, so Konrad.

Der Universität München zufolge sind etwa 3 Prozent aller Sportverletzungen Schädel-Hirn-Traumata. Klingt wenig, aber bei 1,5 Millionen Sportunfällen pro Jahr in Deutschland sind das rund 45 000 Fälle – also ganz Homburg an der Saar. Einer Zählung der American Association of Neurological Surgeons zufolge trifft es Radfahrer am häufigsten, wegen der vielen Stürze.

Sportarten, in denen es schon mal Rangeleien gibt – wie American Football oder Fußball –, sind in der Statistik natürlich auch vorne mit dabei. Erst im letzten Jahr zeigte zudem eine Studie am New Yorker Einstein College, dass sogar regelmäßige Kopfbälle schlimme neuro-logische Ausfälle zur Folge haben können.

Unfälle werden oft unterschätzt
Profi-Athleten riskieren Tag für Tag eine Gehirnerschütterung oder Schlimmeres, aber sie sind Ihnen gegenüber entscheidend im Vorteil: Sie stehen ständig unter medizinischer Beobachtung, Freizeitsportler nicht. Wenn Sie beim Kicken gegen den Pfosten laufen oder sich anderswo den Kopf anschlagen, erfährt davon in der Regel kein Arzt – es sei denn, Sie tragen eine große Platzwunde davon oder erkennen zu Hause Ihre Frau nicht mehr.

Familie und Freunde sind wahrscheinlich die Einzigen, die von dem Unfall erfahren – und die können mit Ihnen in der Regel keine klinischen Untersuchungen durchführen, geschweige denn eine Magnetresonanztomografie (kurz: MRT). Und selbst wenn einer der Kumpels Sie drängt, die Sache doch besser von einem Arzt checken zu lassen, werden Sie es wahrscheinlich am Ende selbst sein, der abwiegelt: „Ist doch alles okay. Es tut nichts weh, ich sehe alles klar, ich werde schon nicht daran sterben.“

Das stimmt zwar, aber schon der nächste Aufprall dieser Art kann die Dinge verschlimmern. Und dann können Sie schon sterben – oder zumindest eine Vernarbung des Hirns davontragen, die gravierende Konsequenzen haben kann. Mögliche Folgen zeigen sich vielleicht auch noch Jahre später, wie bei den Teilnehmern an der Konrad’schen Studie.

Mögliche Folgen: Alzheimer und Demenz
Oder noch schlimmere. 2011 stellte eine US-Studie an der University of Pennsylvania in Philadelphia eine Verbindung her zwischen Schädel-Hirn-Traumata und Hirnveränderungen, wie sie für Alzheimer typisch sind. Vom Boxen sind die Folgen ständiger Kopfschläge bekannt – 10 bis 20 Prozent der Profiboxer leiden unter dauernden neuro-psychiatrischen Folgeerkrankungen: Demenz, Depression, Gedächtnisstörung. Gute Gründe, lieber einmal zu oft einen Arzt aufzusuchen.

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