Der geteilte Mann: Väter in Teilzeit

Väter in Teilzeit: So verwirklichen Sie Ihren Teilzeit-Traum
Ein Traum von Vielen: Weniger arbeiten und mehr Zeit mit der Familie

Wer heute Teilzeit arbeiten möchte, geht noch immer ein Karriererisiko ein. Trotzdem wagen immer mehr Männer diesen Schritt. Hier erklären Väter ihre Teilzeit-Modelle und wie sie ihr Leben wuppen

Elternzeit wirkt wie eine Einstiegsdroge in den Ausstieg. Väter, die einmal zwei, drei Monate lang ihren Schreibtisch geräumt haben und sich ausschließlich zu Hause um den Nachwuchs kümmerten, wollen danach gar nicht mehr zurück in den Job, zumindest nicht so wie vorher.

Teilzeit ist einer der ganz großen Wünsche, die Väter haben“, erklärt Volker Baisch. Der Gründer und Geschäftsführer der Väter gGmbH hat unter 1000 Vätern eine Umfrage zum Thema Teilzeit durchgeführt: „Da sagen 70 Prozent, dass sie nach der Elternzeit am liebsten mit verminderter Stundenzahl in den Job zurückgekehrt wären“, so der Hambur­ger. Väter wollen die Erfahrungen der Elternzeit, die intensive Bindung an ihr Kind, aber auch das neue Verhältnis zu ihrer Partnerin, nicht von heute auf morgen wieder aufgeben. Nur: Teilzeit für Männer steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Schuld daran sind: erstens die Firmen, zweitens die Frauen, drittens die Männer und viertens die Politik. Aber immer schön der Reihe nach.

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Holger Janosch, Daniel Münch und Carsten Klutzeweit arbeiten in Teilzeit

Wer heute bei seinem Chef anklopft, um mit ihm über Teilzeit zu sprechen, geht immer noch ein Karriererisiko ein. „Die veralteten Vorstellungen vieler Babyboomer, also Männer um die 50, die an den Schaltstellen der Firmen sitzen, sind hier das größte Hemmnis“, erklärt Baisch. So kommt es, dass die Teilzeitquote bei Männern seit Jahren in Deutschland bei 6 bis 8 Prozent stagniert – und da sind die Alters­teilzeitmodelle (sprich: voll arbeiten und weniger verdienen, um dafür früher in Rente gehen zu können) schon mit eingerechnet. Ein Blick zu unseren westlichen Nachbarn zeigt, dass das kein Naturgesetz ist. In den Niederlanden arbeiten zwischen 20 und 30 Prozent der Männer in Teilzeit. Auch in den skandinavischen Ländern ist Teilzeit bei Männern weit verbreitet, die gesamte Arbeitskultur nimmt dort mehr Rücksicht auf Eltern: Meetings um 17 Uhr anzusetzen, sodass Mütter und Väter erst um 20 Uhr nach Hause kommen, gehört von Aarhus bis Olso nicht zum Standard.

„Wir haben in Deutschland eine sehr gefestigte Vollzeit-Kultur für Männer“, sagt der Experte, „aber auf der anderenSeite eine ausgeprägte Mütter-Teilzeitkultur, die Männer ebenso wenig ermutigt.“ Wie bitte? Ja, richtig: Viele Männer erleben, wie Frauen nach der Geburt des ersten Kindes ihre Stunden reduzieren – und damit in einer beruflichen Sackgasse landen. Fast 60 Prozent der berufstätigen Frauen in Deutschland haben eine Teilzeitstelle, an kaum einer Zahl lässt sich die unterschiedliche Stellung der Geschlechter in unserer Gesellschaft so genau ablesen wie an den Arbeitsstunden. Vor 20 Jahren war die Teilzeitquote bei Frauen nur halb so hoch. Für moderne Paare, die ihre Arbeitszeit partnerschaftlich regeln wollen, ist das nicht unbedingt eine gute Entwicklung.

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Auch Sven Seibold, Björn Krause und Sven Eyrich haben eine halbe Stelle

Während unter den Babyboomer-Männern noch das alte Rollenverständnis lebt, setzt die junge Generation der 18- bis 30-Jährigen andere Prioritäten. Eine aktuelle Forsa-Studie belegt, dass die Mehrheit der Männer dieses Alters nicht Vollzeit arbeiten möchten. Auf die Frage, was ihnen wichtig ist, kreuzten 14 Prozent „Karriere“ an und 17 Prozent „Wohlstand“, 71 Prozent stimmten aber für eine „gute und harmonische Partnerschaft“ und 56 Prozent für eine ausgewogenere „Work-Life-Balance“. Woran liegt das? Baisch: „Die jungen Männer sehen an ihren Vätern, dass sie sich im Job kaputt machen. Sie wollen raus aus der Zwangsjacke Vollzeit. Für sie lohnt es sich nicht, sich aufzureiben für ein Unternehmen, das heute den Einzelnen auch gar nicht mehr so wertschätzt, wie das vielleicht in der Vergangenheit mal war.“

Höchste Zeit für Unternehmen, umzudenken. Denn die jungen Väter wollen nicht nur weniger arbeiten, sondern auch flexibler – Stichwort Homeoffice. „Gefragt ist eine flexible Leistungskultur, die nicht auf Präsenz abzielt, sondern auf Ergebnisse“, so Baisch. Das lohne sich auch für die Arbeitgeber. Alle Studien besagen, dass Teilzeitkräfte loyaler, produktiver und motivierter sind. Und wer mehr Teilzeitstellen hat, hat auch mehr Mitarbeiter, was vieles vereinfacht, etwa die Urlaubsvertretung oder Ersatz im Krankheitsfall. „Doch das sind alles Argumente auf dem Papier, die noch nicht in den Köpfen der Firmenchefs angekommen sind“, beklagt Baisch.

Ganz besonders, wenn es um leitende Positionen geht: „Führungsaufgaben in Teilzeit sind für die meisten Chefs unvorstellbar“, so Baisch. Auch Jobsharing-Modelle, bei denen sich zwei Mitarbeiter eine Stelle teilen, sind die absolute Ausnahme. Dabei sind das auch für die Unternehmen Win-win-Modelle. Die Politik könnte den Trend drehen: Da ist erstens das im vergangenen Jahr eingeführte Elterngeld Plus, sozusagen eine Art Teilzeit auf Probe. Für viele Paare eine gute Möglichkeit, zu testen, wie die neue Arbeitsteilung funktioniert und auch, ob und wie man mit etwas weniger Geld auskommt. Und da ist zweitens der Plan der Bundesregierung, noch 2016 einen Rückkehranspruch für Teilzeit-Jobber einzuführen. Denn derzeit ist die Stundenreduzierung noch eine Einbahnstraße: Wer wieder zurückwill auf die alte volle Stelle, ist auf den Goodwill seines Arbeitgebers angewiesen. Das Beispiel der vielen Teilzeitfrauen zeigt den Männern: Darauf sollte man sich nicht verlassen. Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD daher eine entsprechende Änderung im Teilzeitgesetz vereinbart. Baisch: „Mit einem Rückkehranspruch würden sich sicher mehr Väter auf Teilzeit einlassen.“

Diese 14 Männer leben ihren Teilzeit-Traum

Working Dads
Sebastian Siebzehnrübl

Sebastian Siebzehnrübl (46) aus Berlin, Kaufmann bei Plexgroup, 2 Söhne (6 und 5)

Sein Teilzeitmodell: 3-Tage-Woche (24 Stunden)

"Es ist eigentlich eine Win-win-win-Situation für alle Beteiligten. Die bewusste Zeit mit den Kindern, Gestaltungsfreiräume für einen selbst, und letzlich profitiert auch der Arbeitgeber: Die besten Ideen kommen mir meist nicht am Schreibtisch, und die interessantesten Kontakte mache ich nicht am Telefon. Wir leben in einer modernen Gesellschaft, in der das Arbeits­ergebnis mehr zählt als die Anwesenheitszeit." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Holger Janosch

Holger Janosch (45) aus Bottrop, arbeitet bei Vodafone im Qualitätsmanagement, Vater von einem Sohn (10)

Sein Teilzeitmodell: wöchentlich 25 Stunden ohne feste Verteilung auf die Woche. In der Regel 3 Tage vor Ort im Büro und 2 Tage Homeoffice

"Nach drei Jahren Elternzeit habe ich mich beim Wiedereinstieg in den Job für Teilzeit entschieden. Wichtig war mir auch der Berufswunsch meiner Frau und dass ich weiterhin die Zeit mit meinem Kind optimal nutzen konnte. Ich glaube, unser Sohn braucht einfach altersbedingt eine Betreuung durch ein Elternteil, ob Vater oder Mutter ist dabei nicht so wichtig. Wir haben uns entschieden, dass ich das mache, weil Väter mit einigen Dingen vielleicht anders umgehen. Die Zeit mit meinem Sohn empfinde ich als fantastisch. Mir gefällt vor allem, an der Entwicklung von ihm und seinen Stärken mitzuwirken." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Working Dads
Mario Emmeluth

Mario Emmeluth (40) aus Bensheim, Chemiker bei BASF, Vater von 2 Kindern (5 und 1)

Teilzeitmodell: 30-Stunden-Woche

 "Ich habe mich bewusst für eine Familie entschieden und brauche ausreichend Zeit für diese. Ich möchte meine Kinder aktiv mitbegleiten und an ihrer Entwicklung teilhaben" Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Checkliste für den Teilzeit-Plan

Weniger Geld, mehr Zeit: Diese Entscheidungtrifft keiner über Nacht. Schon rein arbeitsrechtlich muss man eine ganze Reihe von Fristen beachten. Dieser Countdown zur Teilzeit hilft Ihnen dabei

  1. Sechs Monate vorher: Budget kalkulieren Wer nur noch 60 Prozent arbeitet, hat auch nur noch 60 Prozent seines Bruttogehalts. Rechnen Sie durch, ob Sie damit Ihre monatlichen Ausgaben bestreiten können. Wer Elternzeit genommen hat, konnte ja in dieser Phase ausprobieren, wie es sich mit weniger Einkommen lebt. Übrigens: Ihr Arbeitgeber muss Ihnen in Teilzeit genau den Anteil Ihres Vollzeitgehalts zahlen, der Ihrer reduzierten Arbeitszeit entspricht. Weniger ist gesetzlich verboten.
  2. Fünf Monate vorher: Voraussetzungen klären Damit Sie Ihren gesetzlich garantierten Anspruch auf Teilzeit einfordern können, müssen einige Voraus­setzungen erfüllt sein: Erstens müssen Sie bereits länger als sechs Monate in der Firma beschäftigt sein. Zweitens muss Ihr Arbeitsgeber mindestens 15 Mitarbeiter beschäf­tigen, Azubis und Lehrlinge werden nicht mitgezählt.
  3. Drei Monate vorher: Chef informieren Jetzt aber schnell, denn das ist der letzte Termin, Ihren Boss offiziell über Ihre Pläne in Kenntnis zu setzen. Sie müssen ihm mitteilen, wie Sie sich die geplante Verringerung und die neue Arbeitszeiteinteilung vorstellen. Der Antrag kann mündlich erfolgen, schriftlich ist sicherer.
  4. Einen Monat vorher: Einigung erzielen Jetzt ist Ihr Boss am Zug. Laut Gesetzgeber muss er alles tun, um Ihrem Wunsch zu entsprechen, auch wenn Sie zum Beispiel in einer Führungsposition sind. Nur wenn „betriebliche Gründe“ entgegenstehen, darf er ablehnen. Und die sind oft Auslegungssache. Wenn er sich bis ­einen Monat vor Beginn der geplanten Teilzeit nicht geäußert hat, gilt Ihr Wunsch als genehmigt.
  5. Drei Wochen vorher: Arbeit organisieren Spä­testens jetzt sollten Sie Ihr Team in Ihre Pläne einweihen und die Aufgaben neu verteilen: Welcher Kollege kann einen Teil Ihrer Bereiche übernehmen? An welchen Tagen können noch Konferenzen stattfinden? So gehen Sie mit einem guten Gefühl in die Teilzeit.
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Carsten Klutzeweit

Carsten Klutzeweit (43) aus Düsseldorf, Referent bei Ergo, Vater von 2 Kindern(7 und 4)

Sein Teilzeitmodell: 24 Stunden verteilt auf 5 Tage

"Insgesamt profitiert unsere Familie natürlich sehr von der Teilzeit. Meiner Frau kann ich nach wie vor den Rücken freihalten, und sie kann sich voll auf den Job konzentrieren. Meine Erfahrung aus diversen Gruppenangeboten wie PEKiP & Co. hat mir gezeigt, dass Papas in vielerlei Hinsicht entspannter an erzieherische Dinge rangehen. Davon profitieren wiederum die Kinder. Die gemeinsame Zeit mit meinen Kids erlebe ich als sehr intensiv und abwechslungsreich. Wenn die Kinder klein sind und die ersten Schritte machen, ist es ein großes Privileg, dies miterleben zu können. Bei vielen Unternehmen ist die Familienfreund­lichkeit nur eine schöne Fassade, die sich öffentlichkeitswirksam aufpolieren lässt." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Jürgen Zehnder

Jürgen Zehnder (41) aus Riedstadt, Steuerberater bei Ernst & Young, 3 Kinder (9, 6 und 3)

Teilzeitmodell: Mo-Do, 32 Stunden

"Hausaufgaben, Klavierüben und parallel Kinderbetreuung ist ­nahezu unmöglich. Durch meinen zusätzlichen freien Tag muss ich weniger Kompromisse machen." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Die PAPA-Paragrafen: Teilzeit laut Gesetz

Der Anspruch auf Teilzeit ist in Deutschland im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) geregelt.
Hier sind die 3 wichtigsten Vorschriften und Ziele dieses Gesetzes.

Teilzeit fördern Ziel des Gesetzes ist ganz klar, mehr Menschen Teilzeitarbeit zu ermöglichen. Daher gibt es einen weit- reichenden gesetzlichen Anspruch darauf. Neue Stellen müssen immer auch in Teil- zeit ausgeschrieben werden. Ein Teilzeitwunsch darf kein Kündigungsgrund sein.

Diskriminierung abbauen Wer nicht voll arbeitet, darf anteilig nicht weniger verdienen als ein Kollege mit einer ganzen Stelle. Auch Fortbildungen stehen Ihnen in Teilzeit zu. Und beim Jobsharing verlieren Sie nicht automatisch Ihren Arbeitsplatz, wenn Ihr Kollege kündigt.

Rückkehr sichern Dieser Punkt ist für viele Väter das größte Teilzeit-Hemmnis: Es gibt derzeit keinen Anspruch, auf die alte Vollzeitstelle zurückzukehren. Der Arbeitgeber muss Sie jedoch bei neu ausgeschriebenen, passenden Vollzeitstellen bevorzugt berücksichtigen.

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Daniel Münch

Daniel Münch (42) aus Hannover, Bankfachwirt bei der Commerzbank, 2 Kinder (4 und 2). Teilzeitmodell: 24 Stunden, 3-Tage-Woche

"Ich möchte gern mehr Zeit für meine Familie haben und weiterhin für meinen Arbeitgeber da sein. Mir war auch wichtig, den Wunsch meiner Frau, wieder in den Beruf einzusteigen, zu berücksichtigen. Eine berufliche Förderung von Frauen kann nur funktionieren, wenn auch die Männer, etwa durch die Möglichkeit von Teilzeit, gefördert werden. Vieles läuft jetzt entspannter ab, sodass ich weniger hetzen muss, zum Beispiel wenn ich die Kinder zur Kita bringe oder abhole. Kollegen, die Vollzeit arbeiten, sehen ihr Kind nach Feierabend vielleicht noch für eine Stunde, und dann geht’s schon ab ins Bett. Das kann dann zu Frustration führen. Dank Teilzeit ist das bei mir anders. Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder eine sehr enge Bindung zu mir haben. Wir haben mehr Zeit für uns als Familie und können trotzdem noch ein Berufsleben ­neben der Familie haben. Es ist auf jeden Fall eine Über­legung wert, ob nicht beide Partner in Teilzeit arbeiten können, anstelle des klassischen Modells mit einem in Vollzeit und dem anderen komplett ohne Job. Ich hatte einen super Chef, der mich bei meinem Vorhaben sehr unterstützt hat. Auch die ­Kollegen und Freunde haben verständnisvoll reagiert." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Sven Eyrich

Sven Eyrich (41) aus Iphofen, Hauptfeldwebel bei der Bundeswehr, 1 Tochter (2)

Sein Teilzeitmodell: 33,5 Wochenstunden

"Weil ich die Auas meiner Tochter immer wegpuste, besteht sie darauf, dasselbe bei mir zu machen, und zwar mit den Worten: ,Papa, komm mal pusten, Bussi.‘ Das sind die ­erhabenen Momente im Leben eines Mannes." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Christian Löhrer

Christian Löhrer (41) aus Speicher (Schweiz), Chef vom Institut ILB, 2 Kinder (5 und 7)

Sein Teilzeitmodell: 32 Stunden wöchentlich.

"Ich denke, dass Kinder langfristig davon profitieren, ­differenzierte Rollenbilder mitzukriegen. Die gemeinsame Zeit erlebe ich als sehr vielfältig und bereichernd, sie ist ein unglaublich wichtiger Ausgleich für mich." Das ungekürste Interviw können Sie hier lesen.

Wie überzeuge ich meinen Chef?

Drohen Sie nicht gleich mit dem Gesetz, es gibt gute andere Gründe, Ihrem Teilzeitwunsch zu entsprechen.

  • Sie sind effektiver: Natürlich schmeichelt es, wenn der Chef sagt, er brauche Ihre volle Arbeitskraft. Sagen Sie ihm, dass Sie in Teilzeit noch wertvoller für ihn werden. Eine Umfrage des ­Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung ergab, dass die meisten Arbeitgeber Teilzeitkräfte als produktiver empfinden. Wer jeden Tag nur bis Mittag im Büro ist, konzentriert sich in dieser Zeit voll auf die Arbeit und weniger auf den Plausch zwischendurch.
  • Sie sind Flexibler: Wer ohnehin 40 Stunden im Büro sitzt, hat nur noch wenig Luft nach oben für Überstunden. Teilzeitkräfte hingegen können eher einspringen, wenn ein Großauftrag erledigt werden muss und der Chef mehr Kapazitäten braucht. Auch die Möglichkeit, dass Sie gelegentlich Ihre Stundenzahl erhöhen, um einen Kollegen im Urlaub zu vertreten, ist für Firmen interessant. Aber passen Sie auf, dass Sie sich nicht zu viel zumuten.
  • Sie sind preiswerter: Wer weniger arbeitet, kostet den Arbeitgeber auch weniger Lohn und Sozialabgaben. Wenn Ihre Firma ohnehin Sparmaßnahmen plant, rennen Sie also mit Ihrem Teilzeitwunsch offene Türen ein. Andererseits: Das Argument des Chefs, dass er für Ihren Ausfall (teuren) Ersatz engagieren muss, ist nicht von der Hand zu weisen. Der Punkt geht dann an ihn.
  • Sie sind zu zweit: Jobsharing ist eine Sonderform der Teilzeit: Zwei Kollegen teilen sich einen Arbeitsplatz, können sich bei Krankheit oder Urlaub gegenseitig vertreten und in Spitzenzeiten auch mal parallel arbeiten. Ein Traum für die meisten Firmen. Wenn Sie Ihrem Chef dieses Modell anbieten können, schlägt er sicher ein.
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Sven Seipold

Sven Seipold (46) aus Wustermark, Mitarbeiterbei der Berliner Stadtreinigung, Vater von 3 Kindern (5, 2 und 2)

Sein Teilzeitmodell: 20-Stunden-Woche

"Kein Geld der Welt kann die gemeinsame Zeit mit der Familie ersetzen. Teilzeit ist aber kein Urlaubsticket, Kinder und Familie können auch harte Arbeit sein, natürlich mit unbezahl­barem Spaßfaktor.“ Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Heiko Engelmann

Heiko Engelmann (40) aus Stuttgart, Personalentwickler bei Daimler, Vater von Zwillingen (7)

Sein Teilzeitmodell: 30 Stunden, verteilt auf 5 Tage, 2-mal nur halbtags

"Für meine Söhne ist es spannend, abwechselnd mit Papa und Mama zu spielen, denn jeder macht das anders. Meine Frau bastelt zum Beispiel eher mit den Kindern, ich gehe viel mit ihnen an die frische Luft. Ich denke, dass ich ein besonders enges Verhältnis zu meinen Jungs habe, viele andere Väter haben ja nicht die Möglichkeit, so viel Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen. Meine Kids nehmen mich ebenso wie meine Frau als Bezugsperson wahr, sie lassen sich von uns beiden gleichermaßen trösten, ins Bett bringen oder vorlesen. Davon profitieren die Kinder – und ich auch. Man lernt mit Kindern, sich noch besser zu priorisieren und organisieren. Das wird vom Unternehmen anerkannt.“ Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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Thomas Stucki

Thomas Stucki (45) aus Luzern (Schweiz), PR-Referent bei ALS Schweiz, Vater von 3 Kindern (7, 8 und 25)

Sein Teilzeitmodell: 3 Tage wöchentlich, 25,5 Stunden

"Ich bin ein alter Hase, was die Teilzeitarbeit betrifft. Meine beiden jüngsten Söhne leben seit ihrer Geburt damit, dass es für sie feste Papi- und Mami-Tage gibt. Sie erleben mich als Vater, der kocht, putzt, mit ihnen zum Arzt geht, sie zum Schwimmen begleitet, einkauft und für sie da ist, wenn sie von der Schule kommen. Und zugleich als einen Vater, der arbeiten geht.“ Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Sonderfall: Teilzeit in Elternzeit

Wer bereits während der Elternzeit wieder stundenweise in den Job zurückkehren will, sollte das rechtzeitig ansagen – oder besser noch über das neue Elterngeld Plus nachdenken.

Raus aus dem Job, rein in den Job Auch während der Elternzeit können Väter in Teilzeit arbeiten. Gründe gibt es viele: im Job den Anschluss nicht verlieren, mehr Geld in der Haushaltskasse... Bis zu 30 Stunden wöchentlich erlaubt der Gesetzgeber, kürzt aber anteilig das Elterngeld. Für die Ansprüche an den Arbeitgeber gelten dieselben Fristen und Voraussetzungen (6 Monate Betriebszugehörigkeit, mindestens 15 Beschäftigte) wie bei allen Arbeitnehmern. Sie sollten Ihren Teilzeitwunsch aber bereits mit dem Antrag auf ­Elternzeit einreichen, sonst kann sich Ihr Chef leicht auf „dringende betriebliche Gründe“ berufen, etwa wenn er bereits einen Ersatz für Ihre Elternzeit engagiert hat.

Übrigens: Beim neuen Elterngeld Plus erhalten Sie trotz Zusatzeinkommen die volle staatliche Förderung.

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Bernhard Schneck

Bernhard Schneck (54) aus Kirchheim, Geschäftsführer beim IT-Unternehmen Genua, 1 Tochter (4).

Sein Teilzeitmodell: 32-Stunden-Woche

"Als Firmengründer und Chef finde ich es wichtig, Beruf und Privatleben vereinbaren zu können. Und auch ich möchte natürlich mein Kind aufwachsen sehen.“ Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Working Dads
Kenneth Steffen 

Kenneth Steffen (35) aus Hamburg, Diplom-Volkswirtbei Xing, 2 Kinder (4 und 1)

Teilzeitmodell: 32-Stunden-Woche

"Teilzeit ist weniger Ponyhof, als sich das so mancher vorstellt. Es ist nicht so, dass man auf der Couch sitzt und sich des Lebens freut. Man holt die Kinder aus der Kita ab, hetzt zum Einkaufen, macht das Essen und kämpft abends die Kinder ins Bett. Ich genieße das, aber manchmal ist der Alltag sogar stressiger, als im Büro zu sitzen.“ Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

Björn Krause (38) aus Hamburg, Textchef beim Magazin „Barbara“, Vater einer Tochter (1)

Teilzeitmodell: 30 Stunden, 2 Tage nur vormittags

"Im Leben meiner Tochter möchte ich so präsent wie möglich sein und sie nicht nur am Wochenende sehen. Ich denke, dass für Kinder beide Elternteile gleich wichtig sind." Das ungekürzte Interview können Sie hier lesen.

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