Hygiene-Tücke: Versteckte Keime

Bakterien sind auf den ersten Blick nicht sichtbar
Krankheitserreger – mit bloßem Auge meist nicht zu erkennen

Was auf den ersten Blick sauber aussieht, muss nicht hygienisch sein. Vorsicht vor diesen 9 Keim-Fallen

Ein Mikroskop im Handy, das wär’s! Hätte jeder von uns immer eins dabei, wüsste man ganz genau, wo sich die meist winzig kleinen Bakterien, Viren und Pilze verstecken, die es auf unsere Gesundheit abgesehen haben.

Solange es diese Erfindung aber noch nicht gibt, können Sie weiterhin nur vermuten, wo sich die Krankheitserreger tummeln – und liegen damit häufig falsch. Denn oft finden sich Keime an Stellen, die einem im ersten Moment völlig unverdächtig erscheinen. Schon sind Sie wieder in eine Hygienefalle getappt!

Unser Experte

Dr. Klaus-Dieter Zastrow ist der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker und Direktor des Hygiene-Instituts an den Vivantes-Kliniken Berlin, einem Zusammenschluss von 9 Krankenhäusern in der Hauptstadt.
„Meist geht’s trotzdem glimpflich aus, denn der Mensch verträgt einiges“, sagt Experte Zastrow zu Hygiene-Tücken. Aber eben nicht immer. Mit diesen Tipps schnappt die Falle gar nicht erst zu.

Hygiene-Falle Kantinen-Essen
Verunreinigungen im Essen können auch von Gewürzen und Kräutern kommen

Falle 1: Kantinenessen

Auch, wenn sie lecker aussehen – in Kantinen-Gerichten können Bakterien hausen

„Wenn Essen stundenlang warm gehalten oder sogar am folgenden Tag wieder aufgewärmt wird, können Töpfe zu Brutkästen für Viren und Bakterien werden“, sagt der Experte.

Die Ursache für die Verunreinigung muss noch nicht mal eine dreckige Küche oder ein Schmutzfink-Koch sein – es kann auch an Gewürzen und an Kräutern liegen. Sie werden oft nicht mitgekocht, sondern erst zum Schluss dazugegeben, um den Geschmack zu erhalten. Zastrow: „Als Hygieniker kann ich davon nur abraten, denn an Gewürzen ist so ziemlich alles dran, was eine Lebensmittelvergiftung verursachen kann. Darum arbeitet die Großindustrie vielfach gar nicht mit echten Gewürzen, sondern nimmt künstliche Aromastoffe.“

So schnappt die Falle nicht zu:
Lauwarm servierte Speisen sollten Sie besser gar nicht essen. Versuchen Sie zu beobachten, wie oft frische Behälter aus der Kantinenküche zur Essensausgabe nachgeliefert werden. Im Zweifel essen Sie woanders – da, wo Sie der Chef sind (in der eigenen Küche) haben Sie weniger zu fürchten.

„Selbst wenn an den Gewürzen Keime haften, sind die Mengen bei einem sofort verzehrten Essen fast nie groß genug, um ernsthaften Schaden anzurichten“, erklärt Zastrow. Auf langes Warmhalten sollten Sie aber verzichten und lieber einzelne Portionen erst dann aufwärmen, wenn sie tatsächlich verzehrt werden sollen.

Vorsicht vor öffentlichen Toiletten – Keime lauern überall
37 Prozent der Männer waschen sich nach dem Toiletten-Gang nicht die Hände – und gefährden damit ihre Gesundheit

Falle 2: Autobahntoilette

Öffentliche Toiletten setzen künftig auf Sensoren-Knöpfe – doch auch am Türknauf befinden sich Krankheitserreger

Immer mehr Raststätten haben Toiletten, wo Spülknöpfe, Wasserhähne und Handtuchspender durch Sensoren funktionieren, die man nicht anfassen muss. Wunderbar – aber den Türknopf muss man immer noch wie eh und je per Handgriff betätigen. Dabei können Sie sich dann Hepatitis-A-Viren, Salmonellen oder andere Durchfall-Erreger eines Vorgängers auf die Hände schmieren.

„Das wäre trotzdem kein Problem, wenn die Menschen nicht ständig ihre Finger im Mund hätten“, sagt Zastrow. „Laut einer Studie ist das 60- bis 70-mal am Tag der Fall.“

So schnappt die Falle nicht zu:
Auch wenn eine Toilette noch so sauber wirkt: Waschen Sie sich anschließend immer die Hände. Eine Selbstverständlichkeit, denken Sie? Denkste! Eine Untersuchung am New Yorker Flughafen hat gezeigt, dass 37 Prozent der Männer Waschbecken links liegen lassen. Wo es nicht möglich ist, sich die Hände zu waschen, kann ein Fläschchen mit einem Des­infektionsmittel zum Einsatz kommen.

Hygiene-Falle Bierflasche
Achtung Bakterien an der Bierflasche

Hygiene-Falle: Bakterien an der Bierflasche

In einer versifften Kneipe aus Hygiene-Gründen das Bier aus der Flasche trinken? – Auch da befinden sich Bakterien

Wenn in der Kneipe die Gläser schlecht gespült sind, ist es nicht unbedingt schlauer, sein Bier aus der Flasche zu trinken. Die Chance, dass diese in einem versifften Keller gelagert wurde, ist in einem solchen Laden nicht gerade gering.

Wenn Sie ganz großes Pech haben, geht es Ihnen wie dem irischen Rugby-Star Colm Flynn: Der starb 2000 durch die Weil-Krankheit, eine bakterielle Infektion, die unter anderem zu Nierenversagen führen kann. Ursache: eine mit Rattenurin verunreinigte Bierflasche.

So schnappt die Falle nicht zu:
„Unter dem Kronkorken ist es meist steril – wenn man
also die Flasche nicht zu weit in den Mund steckt, passiert normalerweise nichts“, sagt der Hygieniker. „Wer aber ganz sicher gehen will, sollte die Flasche oder Dose mit Wasser abspülen, bevor er daran herumnuckelt.“

Hygiene-Falle Putzlappen
Bakterienreicher als eine Klobrille: Putzschwämme und -lappen

Falle 4: Putzlappen

Bakterien lieben es feucht und warm – deswegen sind Putzlappen paradiesisch für solche Mikroorganismen

Nicht um alles in der Welt würden Sie für Ihren Esstisch einen Wischlappen benutzen, mit dem Sie vorher die Klobrille gereinigt haben, oder? Dabei haben Untersuchungen ganz klar gezeigt: Wenn es irgendetwas im Haushalt gibt, das stark verkeimt ist, dann sind das Küchenlappen und Spülbürsten.

Toilettenbrillen sind im Vergleich dazu fast schon steril. Grund: „Die meisten Keime, mit denen wir es im Alltag zu tun haben, sind Feuchtkeime“, so Hygieniker Zastrow. „Eine Toilettenbrille jedoch ist normalerweise trocken, aus diesem Grund können Erreger sich dort nicht gut vermehren.“ Ein feuchtwarmer Lappen in der Spüle bietet dagegen ideale Vermehrungsbedingungen.

So schnappt die Falle nicht zu:
Deponieren Sie Lappen, Schwämme und Bürsten stets so, dass sie gut trocknen können. „Also auf keinen Fall hausfraulich-ordentlich gefaltet, sondern ausgebreitet über einer Leine oder auf der Heizung“, rät Experte Zastrow.

Den Lappen sollten Sie mindestens einmal pro Woche austauschen, spätestens aber dann, wenn er zu müffeln beginnt. Oder Sie geben ihn in die Waschmaschine, am besten bei 60 Grad. Und Bürsten kommen bei jedem Einsatz der Spülmaschine ins Besteckfach.

Hygiene-Falle Geldschein
An Risse und Falten von Geldscheinen lagern sich oft Krankheitserreger ein

Falle 6: Geldscheine

Durch welche Hände ist Ihr Fünfziger bereits gewandert? Regelmäßiges Händewaschen schützt vor Krankheitskeimen

Geld stinkt nicht, meinen Sie? Mag sein, aber dreckig ist es schon. Vor allem Scheine bekommen mit der Zeit Risse und Falten, wo sich Keime einnisten.

So schnappt die Falle nicht zu:
Zahlen Sie so oft wie möglich mit Plastikgeld, da waren zumindest nicht ganz so viele Pfoten dran wie an älteren Geldscheinen.

Aber auch das bewahrt Sie nicht davor, Ihre Kreditkarte von einer Kassiererin zurückzunehmen, die sich nach dem Niesen nicht die Hände gewaschen hat. Deshalb sollten Sie selbst das öfter tun, denn es mindert das Risiko, von Ihren Händen Keime in den Mund zu übertragen. Schon 5 Waschungen mehr pro Tag reichen, um die Häufigkeit von Erkältungen deutlich zu verringern, wie eine Studie mit amerikanischen Soldaten ergeben hat.

Hygiene-Falle Fitness-Studio
Sport hält gesund. Aber: In Fitness-Centern ist die Gefahr groß, sich mit Viren anzustecken, die durch Schweiß übertragen werden

Falle 7: Sportstudio

Sport und Schweiß – und alle machen's an denselben Geräten. Im Fitness-Studio lauern ungeahnte Keimquellen

Natürlich legen Sie stets ein Handtuch unter, wenn Sie im Fitness-Studio an den Geräten schwitzen. Doch erstens ist auch das schnell feucht und zweitens ist es nicht leicht, konsequent immer nur mit einer Seite des Handtuchs Kontakt zu haben. Die größte Gefahr ist dabei die Ansteckung mit Viren, die Warzen verursachen.

So schnappt die Falle nicht zu:
In einem guten Studio stehen überall Sprühflaschen mit Desinfektionsmittel herum. Benutzen Sie es! Und vergewissern Sie sich, dass es sich dabei um ein Mittel auf Alkoholbasis handelt. Zastrow: „Alkohol killt sämtliche Erreger innerhalb von 30 Sekunden. Bei
allen anderen Desinfektionsmitteln ist die Einwirkungszeit zu lang.“ Im Zweifelsfall nehmen Sie lieber eine eigene Flasche mit.

Salmonellengefahr auch bei Eiern aus Freilandhaltung
Rohe Eier in Mayonnaise oder Kuchenteig können zu üblem Durchfall führen

Falle 8: Eier aus Freilandhaltung

Hühner legen im Grünen nicht unbedingt gesündere Eier. Die Salmonellengefahr ist meist größer als in Käfighaltungen

Die Mütter Ihrer Frühstückseier sollen glücklich sein und nach Herzenslust im Freien herumlaufen dürfen. Also kommen bei Ihnen nur Eier aus Freilandhaltung in den Karton. „Gerade die können aber oft viel höher mit Salmonellen belastet sein als Eier aus einer Legebatterie“, erklärt Zastrow.

„Käfighühner kommen so gut wie nie mit Kot in Kontakt, während das Freiland-Federvieh auch da herum-pickt, wo vielleicht gerade Krähen auf dem Rückflug von der Müllkippe was fallen gelassen haben.“ Zum Problem wird das allerdings nur dann, wenn die Eier roh gegessen werden, beispielsweise in selbstgemachter Mayonnaise oder im Kuchenteig, den Sie so gerne aus der Rührschüssel schlecken. Übler Durchfall kann die Folge sein.

So schnappt die Falle nicht zu:
Achten Sie beim Einkaufen auf das Legedatum: Eier, die roh gegessen werden sollen, dürfen im Höchstfall 7 Tage alt sein. „Ein frisch gelegtes Ei enthält ein Enzym, das die Vermehrung von Salmonellen hemmt“, erklärt Hygiene-Experte Zastrow. „Erst nach einer Woche lässt die Wirkung allmählich nach.“

Auch Bio-Obst beherbergt Keime
Obwohl an Bio-Produkten wenig Pestizid-Rückstände zu finden sind, müssen sie dennoch gründlich gesäubert werden

Falle 9: Bio-Obst

Obst müssen Sie abwaschen. – Das gilt auch für Früchte mit dem Bio-Siegel

Sie kaufen Obst und Gemüse nur in Bio-Qualität, weil da weniger Pestizidrückstände dran sind? Da liegen Sie richtig, wie Studien belegen.

Das bedeutet aber nicht, dass Sie die Früchte nicht abwaschen müssten. „Auch an Bio-Obst haftet nach dem Transport Staub und anderer Schmutz“, sagt Zastrow. „Und außerdem weiß man ja nie genau, was die Menschen alles an den Fingern hatten, die Obst und Gemüse gepflückt, verpackt oder bei einem Händler dekorativ arrangiert haben.“

So schnappt die Falle nicht zu:
Obst und Gemüse immer abwaschen und dann mit einem Tuch abreiben – genauso, wie die Mama es Ihnen gezeigt hat. „Mehr ist in unseren Breiten nicht erforderlich“, sagt Experte Zastrow.

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