Nahrungsergänzung: Vitaminpillen verführen zu ungesundem Verhalten

Vitaminpillen verleiten zu unegsundem Lebensstil
"Licensing Effect": Vitaminpräparate erwecken den Eindruck man habe was Gutes für seinen Körper getan und verleiten deshalb öfter zu kleinen Sünden

Lizenz zum Sündigen: Vitaminpräparate machen Appetit auf Fast Food und verleiten zu Faulheit

Wer seine Gesundheit mit Vitaminpillen aufputscht, neigt offenbar öfter zu ungesunden Verhaltensweisen, so eine Studie aus Taiwan. Der Glaube daran, seinem Körper durch Nahrungsergänzungsmittel etwas Gutes getan zu haben, rechtfertige ungesunde Ernährung oder Bequemlichkeit, so die Studienverfasser der National Sun Yat-Sen University in Kaohsiung.

Als Grund nennen die Wissenschaftler den "Licensing Effect": Immer wenn man seinem Körper oder seinen Mitmenschen etwas Gutes getan hat, entstehe das Empfinden, ein Guthaben angespart zu haben. Man habe nun die Lizenz zu sündigen. So belohnen sich beispielsweise viele Freizeitsportler nach einem ausgiebigen Workout mit einer reichhaltigen Mahlzeit, schreiben die Wissenschaftler in der Online-Vorabveröffentlichung des Fachmagazins "Psychological Science".

Für ihre Studie führten die taiwanesischen Forscher zwei Tests durch. 82 Freiwillige wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Alle Studienteilnehmer bekamen eine Placebo-Vitamintablette, allerdings erfuhr nur eine Gruppe, dass die Tablette keinerlei Wirkstoffe enthält. Anschließend durften sich die Probanden am Büffet bedienen. 71 Prozent der Vitamingruppe griff dabei zu ungesundem Essen, von der eingeweihten Gruppe lediglich 44 Prozent.

Für den zweiten Test waren die Testpersonen mit einem Schrittzähler ausgestattet, den sie nach einer Stunde an zwei verschiedenen Stationen auf dem Unicampus wieder angeben sollten. Einer davon war 600 Meter entfernt, der andere 1200 Meter. 68 Prozent der Vitamin-Gruppe liefen zum näheren Abgabepunkt. Von der Placebo-Gruppe wählten nur 41 Prozent den kürzeren Weg.

Durch den "Licensing Effect" erkläre sich zumindest ein Teil, warum in den vergangenen Jahren Nahrungsergänzungsmittel zwar immer beliebter wurden, sich aber der allgemeine Gesundheitsstatus nicht verbessert habe, schreiben die Studienverfasser.

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