Filmtipp "Die Vermessung der Welt": Von Wissenschaftlern und Witzfiguren

In "Die Vermessung der Welt" stolpern die Forscher Gauß und Humboldt durch die Weltgeschichte und Regisseur Detlev Buck über die Vorlage. Warum die Bestseller-Verfilmung trotzdem sehr unterhaltsam ist

„Wurst! Der Diener soll Wurst kaufen.“ Das ist alles, was dem großen Philosophen Immanuel Kant einfällt, als der Mathematiker Carl Friedrich Gauß ihm sein wegweisendes Werk präsentiert. Behauptet zumindest Daniel Kehlmann in seinem Weltbestseller Die Vermessung der Welt. Dass sich über skurrile Begebenheiten aus dem Leben der Wissenschaftsgenies Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt nicht nur in Romanform schmunzeln lässt, beweist jetzt Regisseur Detlev Buck. Dieser hat sich Kehlmanns Mischung aus Geschichtssatire und teils fiktiver Forscher-Doppelbiographie angenommen und diese in seiner gewohnt zotigen Weise auf die Leinwand gebracht. Das Ergebnis ist im Vergleich zum Buch leider nicht wegweisend. Buck verzettelt sich zu sehr in den Verschrobenheiten seiner Charaktere, die teilweise wie Witzfiguren durch die Weltgeschichte stapfen. Macht aber nichts. Denn Bucks Kuriositäten-Kabinett ist meist sehr amüsant und unterhaltsam. Plus: Die Vermessung der Welt überzeugt mit beindruckenden Bildern, insbesondere Naturaufnahmen, in der neusten 3D-Technik. 

Die Forscher Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) und Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) in Detlev Bucks "Die Vermessung der Welt"
Die Forscher Gauß (Florian David Fitz, links) und Humboldt (Albrecht Abraham Schuch) treffen sich erstmals seit ihrer Kindheit bei einem Kongress in Berlin

Darum geht’s: Episodisch und im Eiltempo geht’s durch die Lebensgeschichten von Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) und Naturwissenschaftswunderkind Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch). Während Gauß in Deutschland wegweisende mathematische Abhandlungen verfasst, reist Humboldt um die Welt, um diese zu vermessen und die Natur zu erforschen. Zusammen mit dem Franzosen Aimé Bonpland (Jérémy Kapone) geht’s zunächst quer durch Südamerika. Gauß verfasst derweil sein Lebenswerk und gründet eine Familie. Nur mit Widerwillen folgt er 1828 einer Einladung Humboldts zu einem Kongress nach Berlin, wo sich die Forscher erstmals seit ihrer Kindheit begegnen.

So wie Kehlmanns Buch ist auch Bucks Film ein ironischer, witziger und unterhaltsamer Blick auf Forschung zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Bucks Filmversion von "Die Vermessung der Welt" übertreibt hier und da mit herben Späßen

Forschung  trifft Comedy
So wie Kehlmanns Buch ist auch Bucks Film ein ironischer, witziger und unterhaltsamer Blick auf Forschung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Obwohl Buck es hier und da übertreibt mit Parodie und herben Späßen. Beispiel: Der Herzog von Braunschweig und ein Militäroffizier wirken derart  überzogen und albern, als kämen sie direkt aus einer Comedy-Show. Hinzu kommt, dass Schuch die Marotten Humboldts sehr aufgesetzt spielt, so dass der Naturforscher als gefühlskalter Spinner rüberkommt. Fitz spielt Gauß wesentlich sympathischer, lässt ihn allerdings gegen Ende auch zur albernen Witzfigur verkommen.

Fazit: Erzählerisch ist Die Vermessung der Welt eher uninteressant. Richtig eintauchen in das Leben der beiden Wissenschafts-Stars können Sie nicht, weil jeder Satz, jede Szene ins Lächerliche gezogen wird. Vieles wirkt schlichtweg unglaubwürdig. Witzig und unterhaltsam ist Bucks bildgewaltige Wissenschaftssatire allemal. Allerdings geht’s einem nach dem Kino wie Kant. Statt das Werk zu würdigen, ertappt man sich dabei, schon mal die Einkaufsliste für den nächsten Tag zu planen: Nicht vergessen, Wurst kaufen!

Die Vermessung der Welt (Deutschland 2012)
Regie: Detlev Buck
Buch: Daniel Kehlmann, Detlev Buck,  Daniel Nocke
Darsteller: Florian David Fitz, Albrecht Abraham Schuch, Jérémy Kapone, Vicky Krieps
Länge: 124 Minuten
Start: 25. Oktober 2012

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