BSE-Risiko für Bodybuilder – Tiermehl im Kraftfutter

Viele Muskelpillen und Kraft-Pulver werden aus Schlachtabfällen hergestellt. Eine davon ausgehende BSE-Gefahr ist derzeit nicht auszuschließen.

Über 160 Millionen Mark geben Hobbyathleten, Bodybuilder und Profisportler in Deutschland jährlich für Muskelaufbaupäparate aus. Der Kraftdrink nach einem anstrengenden Muskel- oder Ausdauertraining ist für viele Bodybuilder und Modellathlethen längst Gewohnheit. Muskelkuren mit Protein- oder Aminosäurepräparaten gehören in der Szene zum guten Ton. Meist wird von den Herstellern "reines, hochwertiges Eiweiß aus Molke, Ei oder pflanzlichen Quellen " angepriesen, doch oft weiß niemand genau, was in den bunten Dosen mit Fantasienamen wie "Aminostrong", "Amino Mass" oder "Profi Protein" wirklich steckt.

Bereits im vergangenen Jahr berichtete die Bild am Sonntag über "Schlachtabfälle in Sportlernahrung". Auf Knorpel und Innereien stieß damals Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker vom Europäischen Institut für Lebensmittel in Hochheim, bei Untersuchungen im Auftrag der Zeitung. "Die wenigsten wissen, was sie schlucken", sagte Pollmer.

"Bei Präparaten zum Muskelaufbau kann man nur zur Vorsicht raten", warnt jetzt der Sportarzt Professor Hans Holdhaus. "BSE-Gefahr ist hier keineswegs auszuschließen". Es sei möglich, dass auch Rinderhirn für die Herstelllung der Eiweißprodukte verarbeitet worden sei, so Holdhaus, Direktor des Instituts für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung in Niederösterreich.

Der Wiener Muskelpillenhersteller Wolfgang Peer sagt, der "Kraftstoff" werde in der Branche von manchen Firmen so billig wie möglich hergestellt. "Da kommt etwas vom Kopf hinein und die Knochen, die Sehnen, das Blut und was weiß ich noch alles", so Peer. Er selbst verwende dagegen ausschließlich Molkeeiweiß.

Aktuell wird das Thema durch eine Nachricht aus Bayern: Die dort an BSE erkrankten Kühe, die niemals mit Tiermehl gefüttert wurden, könnten sich den Erreger durch Milchersatzpulver geholt haben, das ihnen als Kraftfutter verabreicht worden war. Denn auch diese Kraftnahrung wurde aus Schlachtabfällen gewonnen.

Sicherheitshalber sollte man daher nur Eiweiß- bzw. Protein-Präparate zu sich nehmen, deren Herkunft eindeutig geklärt ist, und die garantiert nur pflanzliches Eiweiß, z.B. Soja, oder Molke enthalten.

Oder man verzichtet ganz auf den ohnehin zweifelhaften Effekt der Muskel-Mittel und setzt auf natürliche Quellen: Die "Wirkung von einer Tagesration Aminosäuren steckt auch in einem Teller Bohnensuppe und ist in jedem Fall billiger", rät Lebensmittelchemiker Pollmer.

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