Softiegefahr: Weich wie ein Daddybär

Laut Studie wollen Frauen nicht auf Machos verzichten
Bleiben Sie ruhig ein wenig Macho

Wenn Männer bei all der Aufmerksamkeit für die Partnerin und vor lauter Liebe zu den Kindern sich selbst vergessen, werden sie langweilig und unattraktiv

Es gibt eine neue Spezies Mann. Man kann ihn daran erkennen, dass er am Wochenende eine Tasche mit Buddelzeug und zwei bis drei Kinder bei sich hat. Denn er ist Vater. Nicht so einer wie sein Alter, der nie Zeit hatte, ungeduldig war und gebrüllt hat. Nein, er ist als Vater ganz genau so, wie seine Mutter sich ihn immer gewünscht hat. Er kümmert sich. Wenn er mit seinen Kindern spricht, wird seine Stimme leise und sehr sanft. Kaum zu glauben, dass derselbe Mann Stunden vorher noch eine Konferenz geleitet hat. Denn er ist kein Softie, kein Weichei – er ist ein Erfolgmensch.

Er ist stets gut gelaunt, gerät nie aus der Fassung. Streichelt den Kindern zärtlich über den Kopf, wenn sie sich an der Supermarktkasse vor Wut zu Boden werfen. Lässt beim Fußballgucken die zweite Halbzeit sausen, weil die Kinder mit ihm spielen wollen, während seine Frau Prosecco schlürft und mit Freundinnen kichert. Sie braucht auch mal Zeit für sich – neben Haushalt und Kindern. Er nicht – neben Job, Haushalt und Kindern. Er ist bedürfnislos. Und genau aus diesem Grund mögen die meis-ten Männer den neuen Typ nicht – er verdirbt die Preise.

Tja, und wir Frauen?
Wir finden ihn praktisch. Aber haben wir von dem geträumt? So ein Mann ist ein Partner, und welche Frauen träumen schon von Partnern? Frauen träumen von Männern. Nur: Wann ist ein Mann ein Mann? Ein guter Mann, ein attraktiver Mann, ein männlicher Mann? Ganz sicher nicht nur, wenn er seinen väterlichen Pflichten perfekt nachkommt und die Frau in ihrer Rolle als Mutter und Hausfrau ernst nimmt. Sondern wenn er auch mal der wilde Kerl ist, der seine Kinder wegorganisiert, um sonntags vormittags ausschlafen zu können. Der Ruhe braucht und das auch sagt. Der egoistisch sein kann und will. Der eine eigene Persönlichkeit ist – trotz Vaterschaft. Ich gehe noch weiter: Der neue Mann ist gar nicht so edel, wie es scheint. Weil er nicht ehrlich ist. Denn manchmal hat er die Nase voll davon nur zu funktionieren.

Selbstverständlich träumt auch er von alten männlichen Privilegien, möchte wieder Patriarch sein, mit der Faust auf den Tisch hauen, sich die Pantoffeln bringen lassen. Und manchmal hat er einfach keinen Bock ins Büro zu gehen, beneidet er seine Frau um ihre Tagesfreizeit. Wenn Sie auch einer von den neuen Männern sind und sich von mir angegriffen fühlen sollten: Sie sind ja nicht schlecht. Ich will auch nicht den Neandertaler in Ihnen mobilisieren. Aber den gesunden Selbsterhaltungstrieb. Ihre Liebe zum eigenen Ich und das Bewusstsein, was Sie als Mann, Familienvater und Ernährer so alles auf die Reihe kriegen. Es ist so oft die Rede davon, was Frauen leisten – aber Sie sind auch mal dran. Sonst geht der Schuss nämlich eines Tages nach hinten los, und Ihre Frau ist mit irgendeinem Obermacho über alle Berge, obwohl Sie doch immer der beste Vater unter allen Männern waren. Aber auch der langweiligste Mann unter allen Vätern. Und der ist eben nicht wirklich männlich, nicht wirklich sexy.

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