Fördern – nicht fordern: Welche Frühförderung sinnvoll ist

Frühförderung: Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Kind
Frühförderung: Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Kind

Nach dem Pisa-Disaster ist das Thema Frühförderung in aller Munde. Wie viel und welche Förderung ist sinnvoll?

Erziehungsexperte Gerhard Friedrich sagt uns, was und wie viel Förderung richtig ist.

Warum Frühförderung?
In den Jahren bis etwa zum Ende der Grundschulzeit werden im menschlichen Gehirn wesentliche Weichen gestellt. Auf den Grundlagen, die in diesem Zeitfenster gelegt werden, baut alles auf, was später gelernt wird. Im Gegensatz zu einem Computer, bei dem eine leere Festplatte der optimale Zustand ist, um viele neue Inhalte zu speichern, werden in neuronalen Strukturen des Gehirns neue Informationen dort abgelegt, wo schon dazu Passendes vorhanden ist. Ob eine Schulkarriere positiv verläuft, hängt in großem Maße von den Sprach- und Rechenfähigkeiten aus dem frühkindlichen Erfahrungsschatz ab.

Vergessen Sie dabei nicht die angeborene Intelligenz?
Gute Anlagen und fördernde Umweltfaktoren stehen nicht additiv nebeneinander. Auch angeborene Intelligenz muss gefördert werden, um sich entwickeln zu können. Wichtiger als die Intelligenz sind die Fähigkeiten und das Wissen, das ein Kind bereits in die Grundschule mitbringt.

Welche Fähigkeiten sind das?
Wichtig ist die Beherrschung der Sprache und die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf die phonologische Struktur lenken zu können. Kinder lernen dies etwa ganz einfach über Reime. In der Mathematik sollte ein Kind bei der Einschulung wissen, dass Zahlen geordnet sind und man zwei Zahlen zu einer dritten summieren kann – wobei das Ergebnis durchaus noch falsch sein darf. Es sollte Zahlen von eins bis zehn lesen und etwa fünf gleichartige Dinge simultan erfassen können.

Wie können Eltern fördern?
Indem sie zum Beispiel ihren Kindern vorlesen, mit ihnen singen und Gedichte lernen, damit sie ein gutes Sprachgefühl entwickeln. Wer mit seinem Vorschulkind "Mensch ärgere dich nicht" oder "Die Zahlenzwerge" spielt, tut bereits viel für seine mathematischen Grundkenntnisse. Auch Aspekte des "Zahlenland"-Projekts lassen sich einfach in den Alltag integrieren. So können sich Eltern gemeinsam mit ihrem Kind zum Beispiel jede Woche eine Zahl vornehmen und in dieser Zeit auf alles achten, was zum Beispiel mit der Zahl Zwei zu tun hat. Das Kind könnte Bilder malen, in denen alles zweimal vorkommt. Oder im Alltag nach Dingen suchen, die mit der Zahl Zwei zu tun haben, zum Beispiel das Fahrrad, das im Gegensatz zum Auto zwei Räder hat. Auf diese Weise werden Zahlen nicht abstrakt, sondern eben ganz konkret innerhalb der Lebenswelt der Kinder betrachtet.

Woran erkennt man, dass ein Kind überfordert ist?
Kleinkinder haben einen nahezu unstillbaren Bildungshunger, der adäquat gestillt werden muss. Man kann Vorschulkinder gar nicht überfordern. Aber Fördern darf nicht mit Pauken oder Drill verwechselt werden. Kinder werden oft unterfordert, etwa indem sie zu oft vor Fernseher oder PC sitzen. Wichtig ist, Spielen und Lernen nicht zu trennen und auf die Vorlieben des Kindes einzugehen. Es kommt nicht so sehr darauf an, welche Spiele und Bücher wir Kindern anbieten, sondern dass wir uns überhaupt mit ihnen beschäftigen.

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