Finanzplanung nach Maß: Welcher Geldtyp sind Sie?

Welcher Geldtyp sind Sie?
Souverän und bescheiden

Wissen Sie, welche Geldanlage die richtige ist? Finden Sie zuerst heraus, welches Verhältnis sie zum schnöden Mammon haben

Geschmäcker sind verschieden. Wie ist denn Ihre Einstellung zum Geld? Fordern Finanzthemen Sie heraus, oder ist Geld für Sie ideologisch etwas schmutziges, ein unvermeidliches Übel? Zusammen mit der Hamburger Vermögensberaterin Bettina Sweering haben wir für Sie sieben "Geldtypen" entwickelt, die Ihnen helfen sollen, die richtigen finanziellen Maßnahmen zu ergreifen. Beachten Sie: Es gibt nicht den richtigen Geldtyp, jeder hat seine Schwachstellen.

1. Der Souveräne
Typische Einstellungen: Ich schätze einen hohen Lebensstandard. Ich lege Wert auf finanzielle Unabhängigkeit. Ich bin bereit, bei der Geldanlage kalkulierbare Risiken einzugehen. Meine Bekannten fragen mich in Vermögensangelegenheiten oft um Rat.

Verbreitung: 11 Prozent. Überrepräsentiert: Männer zwischen Ende 30 und Anfang 60, höchstes Bildungsniveau, Freiberufler, leitende Angestellte und Beamte.

Berater-Tipp: Souveräne machen im Prinzip schon alles richtig. Ihr Portfolio ist meistens breit aufgestellt, es enthält Aktien, Investmentfonds, sowie Immobilien. Zur Optimierung empfiehlt Beraterin Bettina Sweering, die zeitliche Entsprechung von Zukunftswünschen und Geldanlagen zu prüfen: Wann stehen größere Ausgaben an? Mit welchem Alter ist der Ausstieg aus dem Erwerbsleben geplant? Passt dazu die Laufzeit der gewählten Anlagen?

2. Der Ambitionierte
Typische Einstellungen: Ich interessiere mich sehr für Geldangelegenheiten und rede auch gern darüber. Ich informiere mich regelmäßig über Börsenkurse. Egal wie es konjunkturell weitergeht, ich werde zu den Profiteuren gehören. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Verbreitung: 7 Prozent – der seltenste Typus. Überrepräsentiert: Männer unter 30.

Berater-Tipp: „Ein gefährlicher Fall von Selbstüberschätzung“, meint Bettina Sweering zu diesem Typ, in dessen Portfolio meist riskante Anlageformen übergewichtet sind. Hier paare sich zu viel Vertrauen in die eigene Kompetenz mit dem trügerischen Gefühl, „mir wird schon nichts passieren“. Oft fehle eine – generell dringend empfehlenswerte – Versicherung gegen Berufsunfähigkeit und ein solider Sparvertrag (zum Beispiel Fonds) als Portfolio-Basis, der durch Zinseszinseffekte auch eine ordentliche Rendite bringen kann.

3. Der Vorsichtige
Typische Einstellungen: Mit dem Thema Geld muss man sich nun mal beschäftigen. Wichtiger als die Rendite ist mir die Sicherheit einer Anlage. Ich lege jeden Monat eine feste Summe zurück. Nur wer selber vorsorgt, wird es im Alter gut haben.

Verbreitung: 11 Prozent. Überrepräsentiert: Unter-40- und Über-70-Jährige, Frauen.

Berater-Tipp: Ein ausgeglichenes Portfolio ist pyramidenförmig aufgebaut: Die meisten Mittel sollten bei dieser Grundhaltung in das Fundament der risikoarmen Bankprodukte wie Sparkonten und Bundesschatzbriefe fließen, darüber schichten sich die weiteren Risikokategorien, die mit zunehmend spekulativem Charakter weniger bedient werden sollten. Sweering: „Der allzu Vorsichtige neigt dazu, nur das Fundament zu gießen. Mit ihm erarbeite ich die nächste Risikoebene.“ Das gelinge am besten mit recht sicheren Produkten wie Genussschein- und Unternehmensanleihen-Fonds.

4. Der Pragmatiker
Typische Einstellungen: Um meine Finanzen kümmere ich mich selbst. Ich kenne genügend Quellen, aus denen ich mich neutral informieren kann. Ich finde, Geld spielt in unserer Gesellschaft eine zu wichtige Rolle. Ich sehe mit Optimismus in die Zukunft.

Verbreitung: 16 Prozent. Überrepräsentiert: 20- bis 39-Jährige, höheres Bildungsniveau.

Berater-Tipp: „Dieser Typ ist für mich eine echte Herausforderung“, sagt Sweering, „weil er sich sicher ist, allein immer alles richtig zu machen.“ Er konzentriere sich zunächst auf konservative Anlageformen, hat alle wichtigen Versicherungen abgeschlossen und zeigt mit wachsendem Vermögen Interesse an spekulativeren Produkten. „Um ihn als Kunden zu gewinnen, versuche ich ihm zu erklären, dass ab einem bestimmten Niveau die Informationsflut für ein gutes Portfoliomanagement nebenbei nicht mehr zu bewältigen ist.“

5. Der Delegierer
Typische Einstellungen: Warum soll ich mich um meine Finanzen kümmern? Dafür gibt es ausgebildete Fachleute. Die Informationsvielfalt auf diesem Gebiet kann man als Einzelner gar nicht verarbeiten. Trotzdem muss man vernünftig vorsorgen.

Verbreitung: 10 Prozent. Überrepräsentiert: Frauen, mittlere Altersgruppen.

Berater-Tipp: Für einen Vermögensberater sind die Delegierer ein Glücksfall – „aber wir haben hier auch eine besondere Verantwortung“. Wie bei jenem Selbständigen, „der einen sechsstelligen Euro-Betrag auf dem Girokonto hatte und keine Zeit, sich darum zu kümmern“, erinnert sich Sweering an einen Kunden. Vor allem müsse dieser Geldtyp lernen, dass das Formulieren von Zielen und ihren Zeithorizonten nicht an Experten delegiert werden kann. Außerdem sei der Delegierer-Typ anfällig für die jeweiligen Modetrends, die mediokre Berater gerade propagieren.

6. Der Bescheidene
Typische Einstellungen: Ich befürchte, meinen Lebensstandard in Zukunft nicht mehr halten zu können. Über Geld spricht man nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob man den Banken vertrauen kann. Ich bin empört über den schleichenden Abbau des Sozialstaates.

Verbreitung: 29 Prozent. Überrepräsentiert: Rentner, Arbeitslose, Frauen, geringes persönliches Einkommen.

Berater-Tipp: Zu diesem Typ zählen auch Kunden mit stattlichen Beträgen auf den Konten. Sie verschenken bares Geld, weil sie häufig nur auf Sparbücher und Bausparverträge setzen. Außerdem verpassen Vertreter dieses Typs Chancen, „weil sie sich im Beratungsgespräch nicht öffnen“, meint Bettina Sweering. Dadurch finde man keine persönliche Ebene und rede möglicherweise über die falschen Produkte. „In dieser Kategorie findet man oft Frauen, die immer noch auf ihren Ritter mit dem Schimmel warten.“

7. Der Leichtfertige
Typische Einstellungen: Ich lebe im Hier und Jetzt – let the devil take tomorrow. Ob ich etwas kaufe, hängt mehr davon ab, wie es mir gefällt, und nicht davon, wie viel Geld ich auf dem Konto habe. Finanzangelegenheiten finde ich langweilig. Wenn mir jemand etwas von Vorsorge erzählt, bekomme ich schlechte Laune.

Verbreitung: 16 Prozent. Überrepräsentiert: Über-50-Jährige, Facharbeiter, Arbeiter, Rentner, einfaches Bildungsniveau.

Berater-Tipp: Bei diesem Typ sieht Beraterin Sweering ihre Hauptaufgabe darin, „die emotionale Abneigung von Zukunftsthemen rational zu brechen“. Wenn ein erfolgreicher Selbständiger mit diesem Einstellungsprofil zu ihr komme, frage sie: „Sie sind im Job doch rational – wieso nicht auch mit Ihrem Geld?“ Wenn dieser Zugang nicht funktioniert, wird sie eine Stufe deutlicher: „Sie verschenken von allen möglichen Geldtypen am meisten.“

Seite 2 von 7

Sponsored SectionAnzeige