Ölringen-Turnier: Wer unterliegt, lernt dazu

Türkisches Ölringen
Ölringen-Turnier: Es ist für jeden Sportler schon eine sehr große Ehre, hier überhaupt dabei zu sein

Beim Kirkpinar-Turnier in der Türkei wird entschieden, wer der weltbeste Ölringer ist. Die Unterlegenen hegen aber keinen Groll: Es ist für jeden Sportler schon eine sehr große Ehre, hier überhaupt dabei zu sein

Viele Männer stehen sich auf dem Rasen gegenüber, beugen sich nach vorn, sind bereit zu kämpfen. Es ist Finaltag der 652- Ausgabe des Kirkpinar-Turniers. Die Ränge sind voll besetzt, und über der Arena liegt ein Geruchsmix aus Zuckerwatte und gegrilltem Fleisch, vor allem aber aus Olivenöl und Männerschweiß. 

Auf dem Weg zum Stadion wurde Kampfsport-Coach Steve Maxwell ein ums andere Mal mit anerkennendem Kopfnicken bedacht, was wohl auch an seinen dicken Blumenkohlohren liegt - Spuren seiner vielen Kämpfe. "Durch die Ringerohren werde ich immer sehr schnell zu einem Teil der weltweiten Fighter-Familie", erzählt er. Neben ihm auf den abgenutzten Holzbänken im Stadion sitzt Profi Evren Oz, der am zweiten Tag des Turniers nach einem packenden Kamps gegen einen 41-jährigen Ölring-Routinier aus dem Turnier ausgeschieden ist. Von Groll ist bei ihm keine Spur: "Mein Gegner war besser, er hat verdient gewonnen. Es ist für jeden Sportler schon eine sehr große Ehre, hier überhaupt dabei zu sein."

Das gilt auch für die beiden Kerle, die sich unten im Finale gegenüberstehen. Beiden ist anzumerken, dass ihnen schon knapp 3 Tage Wettkampf in den Knochen stecken. Ihre Blicke sind leer, die Bewegungen behäbig, die meisten Aktionen langsam und bedächtig. Beide Sportler scheinen stets ein paar Bewegungen vorauszudenken, in der Hoffnung, so die Oberhand zu erlangen. Dann kommen plötzlich die Angriffe, überraschend und extrem schnell.

"Diese Ölringer besitzen funktionale Kraft in Perfektion - die optimale Mischung aus Kraft, Mobilität und Ausdauer", sagt Maxwell. Nach dem Finale verlassen Steve Maxwell und Evren Oz gemeinsam das Stadion. Es scheint so, als hätte sich Maxwell den Respekt des Ölringers erarbeitet. "Das ist der größte Erfolg meiner Arbeit als Fitness-Hunter", sagt Maxwell und umarmt seinen vermeintlichen Gegner zum Abschied. Dies ist das einzige Mal überhaupt, dass er ihn so richtig zu packen bekommt.

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