Survival-Guide Wohnen: Die perfekte WG

Müll ist erst dann Müll, wenn er sich nicht mehr bewegt
Standard in Wohngemeinschaften

Trautes Heim, Glück allein – das gilt nicht für Wohngemeinschaften. Hier gibt's andere Regeln des Glücks

Wohnst du noch oder klebst du schon? Etwa an versifftem Geschirr in der Spüle oder Zahnpasta-Resten im Waschbecken? Mit uns kriegen Sie alle Probleme in den Griff, die auftauchen, wenn mehr als zwei sich eine Wohnung teilen. So wird auch Ihre WG zum Wohnparadies.

 

Endlich mal Zeit für mich
Allein ist es doch am Schönsten

Nie mehr allein: Keine Privatsphäre in der WG

Für manche noch so nette Mitbewohner ist privater Raum ein unbekannter Begriff

Privatsphäre scheint ein Fremdwort zu sein Kerzenschein, im Hintergrund säuselt Al Bano seiner Romina „Ti amo“ ins Ohr. Sie beugen sich zu Ihrer Liebsten, ein Kuss als Beginn einer heißen Nacht. Plötzlich: Tür auf, Licht an, der Mitbewohner steht im Zimmer. In WGs sind solche Szenen an der Tagesordnung.

Andreas (27), Student aus Bochum, kann ein Lied davon singen: „Ich habe meinen Mitbewohner im Wohnzimmer mit seiner Freundin überrascht. Sie kniete vor ihm. Als sie mich sah, bat sie mich mit vollem Mund, ich solle kurz warten. Danach wäre ich dran.“ Okay, es hätte schlimmer kommen können, trotzdem sollten Sie sich Ihre ganz persönliche Ruheoase einrichten.

Lösung: Schaffen Sie sich Ihr eigenes Fort Knox, schließen » Sie Ihre Zimmertür ab. Klingt vielleicht simpel, ist aber wichtig, um beim Date ungestört zu sein.
Doch bereits ein Klopfen genügt oft als Romantikkiller. Hier hilft ein „Bitte nicht stören!“-Schild an der Tür. Um nicht selbst zum Störfaktor zu werden, sind Abmachungen Pflicht. Erklären Sie das Wohnzimmer zur sexfreien Zone. Ebenso Küche und Bad.

Verreisen Sie, kündigen Sie es an. Auch Sie wollen wissen, wann Sie allein zu Hause sind. Markieren Sie deutlich Ihr eigenes Reich. Kein Problem, wenn sich jemand in Ihrer Abwesenheit eine CD leiht. Aber legen Sie ein klares Veto ein, wenn es um persönliche Wertgegenstände wie MP3-Player geht. Das gilt übrigens auch für Ihr Bett: Wer will schon einen Fremden darin finden, wenn er aus dem Kurzurlaub kommt?

Hygiene-Problem: Das WG-Badezimmer ist immer dreckig

Ihre Zahnbürste riecht morgens nach Knoblauch – SIE haben aber am Abend vorher gar kein Knoblauch gegessen

In der 5er-Männer-WG von Karsten (28), Journalist aus Bremen, ist das Ekel-Badezimmer Alltag. „Besonders lecker war, als ich nach einer Party kleine Stückchen Erbrochenes in meiner Zahnbürste entdeckte.“ Weitere Schreckensszenarien: Die Dusche läuft über, weil das Sieb mit Haaren aller Körperregionen verstopft ist. Oder Sie sitzen gemütlich auf dem Thron, greifen nach dem Umtopfen aber ins Leere, weil wieder niemand Nachschub besorgt hat. Ärgerlich auch, wenn jemand ständig Bremsspuren hinterlässt, Berge von Dreckwäsche oder voll gestopfte Mülleimer. Worst case: Immer, wenn man selbst rein will, ist das Badezimmer für eine Ewigkeit besetzt.

Knoblauch in der Zahnbürste?
Problemzone Badezimmer

Lösung: Die Vereinbarung
„Jeder macht sein Zeug selbst schnell weg“ hört sich gut an, ist aber kaum durchführbar. Ein Putzplan muss regeln, wer wann was sauber macht, Toilettenpapier besorgt, den Müll leert. Alternativ: Legen Sie einen Tag in der Woche fest, an dem alle gemeinsam anpacken. Besser zwei! Wecken Sie den Sportler im Manne. Den, der sich mit anderen messen will. Den, der Anerkennung für seine Mühen ernten möchte.

Führen Sie ein Punktesystem ein: Toilette säubern gibt zehn Zähler (einfach Gebissreiniger-Tabletten in die Keramik werfen). Boden wischen sieben Punkte, defekte Glühlampe wechseln drei. Wer zuerst die 100 voll macht, der bekommt eine Kiste Bier.Und auch beim Besetzungsproblem sollten Sie kreativer werden: Zur Not kann man sich über dem Spülbecken in der Küche die Kauleiste schrubben. Föhnfrisur und Nassrasur lassen sich vorm Spiegel im eigenen Zimmer erledigen.

Praktisch: Legen Sie sich außerhalb des Bads ein Notfallpaket mit Zahnbürste und Deo an. Muss es schnell gehen, haben Sie die wichtigsten Sachen zur Hand. Eins dürfen Sie allerdings nicht falsch verstehen. Für die Notdurft lässt sich nie Ersatz in anderen Räumen der WG finden.

Lachen macht Lust auf mehr
Zack, da war's geschehen

Mit Ihr oder mit Dir?: Die Freundin Ihres Mitbewohners

Sie stehen auf die Freundin Ihres Mitbewohners? Ab einer WG-Größe von drei Personen gehen ständig neue Liebschaften ein und aus

Sie stehen auf die Freundin Ihres Mitbewohners Ab einer WG-Größe von drei Personen gehen ständig neue Liebschaften ein und aus. Da kommt plötzlich Steffi, vor zwei Wochen noch mit Mitbewohner Markus liiert, morgens aus dem Zimmer von Ralf. Im Schlepptau hat sie Bea, gestern Abend noch lautstark nachtaktiv mit Tim. Bei Patrick (26), Student aus Münster, lief es ganz ähnlich.

„Ein paar Tage nach unserer Trennung klingelte meine Ex. Als sie meinen Mitbewohner mit einem innigen Kuss begrüßte, dachte ich, ich spinne, und bin sofort ausgezogen.“ Solche Schätzchen-wechsel-dich-Spiele sind das Ende jeder WG.

Lösung: Frauen sind heilig. Zumindest die des Mitbewohners. Abgesehen von moralischen Einwänden geht es schlicht um das Dach über Ihrem Kopf. Jeder geifernde Blick, den Sie der Holden Ihres Wohnkumpanen zuwerfen, kommt dem Entfernen eines Dachziegels gleich. Egal wie nett, betörend oder aufreizend Partnerinnen der WG-Mitglieder erscheinen: Sie sind tabu. Schreiben Sie groß „Nein!“ über Ihr Bett. Geraten Sie in Versuchung, heißt es: durchpusten, hinlegen (allein!) und sich die Buchstaben mental einbläuen. Auch wenn es schwer fällt, Ihre vier Wände werden es Ihnen danken.

Anderer Fall: Ihr Mitbewohner nimmt mit der Neuen in bester Turteltäubchen Manier die ganze Bude in Beschlag. Ewige Badewannen Sessions, Kuschelabende im Wohnzimmer. Keiner nimmt Rücksicht auf Sie. Lassen Sie sich das nicht gefallen. Sie wohnen in der WG, die Dame ist nur Gast.

Das Lieblingssofa ist eine Sache der Macht
Es kann nur ein Lieblingssofa geben

Problem 4: Der WG-Struppi

Hund und Katze sind sehr beliebt in Wohngemeinschaften. Aber sie können auch Ärger machen

Der WG-Struppi kann Sie nicht ausstehen. Sehr beliebt in Wohngemeinschaften: Haustiere. Gerade die kleinen, vielbeinigen schwarzen: Schaben und Konsorten. Doch auch Hund und Katze können zum Ärgernis werden. Björn (27), Koch aus Düsseldorf: „Die Katze meiner Mitbewohnerin hatte keinen Bock auf ihr Katzenklo. Daher hat sie ihre Haufen immer in den Zimmern verteilt.“

Lösung: In WGs klappt das Zusammenleben von Mensch und Tier nur, wenn alle Bewohner damit einverstanden sind. Ist nur einer dabei, der nicht mit Tieren kann, ist Zoff programmiert. Haben Sie Probleme mit Tieren, ziehen Sie am besten erst gar nicht in eine WG mit Haustieren ein. Sie lieben aber Ihr Zuhause? Dann besprühen Sie Ihr Hab und Gut mit Teebaumöl – dieser Duft schreckt die meisten Vierbeiner ab.

Dreckloch WG-Küche
Problem: Zu Stein gewordene kulinarische Träume

Problem 5: Dreckloch WG-Küche

Das größte Problem in einer WG ist die Küche. Wie Sie das Problem aus den Weg schaffen können erfahren sie im nächsten Artikel

In Ihrer Küche vergeht Ihnen der Appetit Steinhart getrocknete Reste auf Geschirrbergen, zehn halbherzig zugeknotete Müllsäcke unter dem Küchentisch. Viele WG-Mitglieder ernähren sich nach kurzer Zeit nur noch von Fastfood. Kein Wunder: Entweder sind die Lebensmittel im völlig überfüllten Kühlschrank vergammelt oder sie wurden von den anderen weggefuttert.

Der Notfallplan mit den Tiefkühlpizzen klappt auch nicht immer, wie Tom (28), Referendar aus Köln, weiß: „Mein Mitbewohner hat oft Bierpullen zum schnellen Kühlen ins Gefrierfach getan und drin vergessen. Sie sind geplatzt. Alles war versaut.“ Wer sich in solchen Fällen keine Putzhilfe leisten kann, muss die Sache selbst in die Hand nehmen.

Lösung: Legen Sie den Freitag als Reste-Kochtag fest. Da wird alles, was sich kurz vor der Verwandlung in eine Schimmellandschaft befindet, in einen großen Topf gehauen. Teilen Sie im Kühlschrank jedem Bewohner ein Fach zu. Dann gilt: Finger weg von den anderen Fächern oder sofort das Geklaute nachkaufen! Wenn es gar nicht anders geht, hilft ein Trick à la Columbo: dünn Mehl auf Ihre Lebensmittel streuen, später Fingerabdrücke vergleichen.

In Sachen Müllberge kommt wieder der Sich-messen-Aspekt zum Tragen. Statt drei große Säcke voll zu stopfen, teilen Sie den Müll in kleine Beutel aus reißfestem Material. Dann zwei kleine Tonnen draußen mit zirka zehn Metern Abstand als Körbe hinstellen, schon kann das Street-Müllball-Match beginnen. Die Verlierer säubern die Küche, die Sieger zeigen Größe und befreien die Schränke von nicht mehr Brauchbarem. In schwer zu erreichenden Ecken und bei hartnäckigem Schmutz hilft intensives Putzen mit Zahnpasta auf Ohrstäbchen.

Interessant und gefährlich: WG-Bombe Charakter-Mix

Der Mix verschiedener Charaktere macht häufig den Reiz einer WG aus. Aber seien Sie vorsichtig

Sie leben in einer Klischee-WG Die WG-Mama hat immer ein offenes Ohr. Der Korinthenkacker zählt alle Rechnungen genau durch, dem Anarcho ist alles egal. Gerade dieser Mix verschiedener Charaktere macht häufig den Reiz einer WG aus.

Der Schuss kann aber auch nach hinten losgehen. Wie bei Steffen (27), Student aus Münster: „In unserer 5er-WG gab es nur noch Stress, weil jeder seine Rolle ausgereizt hat.“ Folge: Die WG löste sich auf, und Freundschaften zerbrachen. Deshalb ist Vorsicht geboten, was das Einnehmen bestimmter Positionen angeht.

Interessante Mischung
Der Mix der Persönlichkeiten macht WGs erst interessant

Lösung: Verdeutlichen Sie den Mitbewohnern, warum Sie eben diese Rolle in der WG einnehmen. Ziehen Sie nicht nur Ihr Ding durch. Einzelgänger haben in einer WG selten eine Chance, es sei denn, es ist nur eine Zweckgemeinschaft. Tauschen Sie für ein paar Stunden die Rollen. So sehen Sie, wie Ihr Verhalten auf die anderen wirkt, und merken vielleicht, dass Sie sich selbst nach kurzer Zeit nerven würden.

Hierfür brauchen Sie aber eine gute Vertrauensbasis. Nehmen Sie Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen, lassen Sie sich aber nicht unterdrücken. Für jede WG gilt: Ohne Kommunikation geht nichts. Werden Probleme totgeschwiegen, dann knallt es irgendwann. Deshalb rechtzeitig Bescheid geben, wenn Ihnen nicht nur der Müll, sondern das Verhalten Ihrer Mitbewohner stinkt.

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