Gesundheits-Check: Wie gefährlich ist Fußball?

Rote Karte für die Gesundheit?

Sie sind während der EM enormen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt. Glauben Sie nicht? Wir wissen es besser

Fußball kann tödlich sein, insbesondere für leidenschaftliche Zuschauer. Laut einer niederländischen Studie der Uniklinik Utrecht stieg die Herzinfarktrate am Tag der EM-Partie Holland gegen Frankreich um 50 Prozent. Folgt auf jeden "Attacke"-Ruf der Fans eine Serie von Herzattacken in den Fernsehsesseln der Republik? Kann auch unsereiner den plötzlichen Herztod erleiden?

Für den Fan, der sein Team aktiv unterstützt, sind die 90 Minuten eine extrem belastende Situation. Vor allem Spiele, bei denen es um Meisterschaft, Klassenerhalt oder eben den EM-Cup geht, treiben den Organismus zu einem Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck. Sogar die Atemfrequenz erhöht sich in dieser außergewöhnlich stressigen Situation um bis zu 15 Züge in der Minute. Darüber hinaus schüttet der Körper verstärkt die Hormone Cortisol und Adrenalin aus, um für eine befürchtete Anstrengung Energiereserven bereitzustellen.

Verkabelter Fan
In Kooperation mit dem Zentrum für Sporttherapie und Rehabilitation des SV Werder Bremen (www.sporthep.de) hat Men's Health vor dem Bundesligaspiel Bremen gegen Stuttgart den Vollblut-Fan Daniel Koch verkabelt, um per Langzeit-EKG und Blutdruckmessgerät seine Stresswerte während der gesamten Partie zu messen. Der 24-Jährige ist Werder-Anhänger, seit er das Wort Ball buchstabieren kann.

Pulskurve erinnert an Bergetappe
Nach der Analyse der Messwerte sind selbst die Experten baff. "Dass der Organismus mit Pulsspitzen von 120 sowie einem konstant hohen Blutdruck von bis zu 180 reagiert, war absolut überraschend", sagt Dr. Manju Guha, Kardiologin am Bremer Zentrum. Schließlich hat der Proband nicht mitgekickt, sondern nur auf der Tribüne gesessen. Die Pulskurve erinnert ein wenig an das Streckenprofil einer Bergetappe bei der Tour de France: Auf steile Anstiege folgen tiefe Pulstäler. "Diese Kurve gibt fast exakt den Spielverlauf wieder, weil der Körper unter dem Einfluss eines hohen Adrenalinspiegels auf Schrecksekunden, etwa ein Gegentor, direkt reagiert", sagt Guha. "Für Herz-Kreislauf-Kranke, insbesondere ältere Menschen, bilden Belastungen dieses Ausmaßes ein Risiko. Sie können Rhythmusstörungen hervorrufen, die dann im Extremfall zum plötzlichen Herztod führen", warnt Professor Wilfried Kindermann, Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin der Uni Saarbrücken und ehemaliger Internist der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Gefährliche Exzesse zur WM
Spaß auch ohne Alkohol

Sicherheitshinweis?
Muss die UEFA angesichts dieser Ergebnisse den Hinweis: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" auf die Eintrittskarten drucken lassen? "Nein, ein junger, gesunder Mann ist durch die Spannung nicht gefährdet. Bei Herzkranken kann die Einnahme von Betablockern das Risiko verringern, da Herzfrequenz und Blutdruck weniger stark ansteigen", erklärt Kindermann. Fans, die nicht durch einen Herzanfall von der Welt gehen wollen, sollten auf Zigaretten und exzessiven Alkoholkonsum am besten ganz verzichten. Dann bleibt Fußball weiterhin die schönste Nebensache der Welt.

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