Mobiltelefone: Wie stark strahlt Ihr Handy?

Wie gefährlich sind Handystrahlen?
Bei Handy-Gesprächen werden elektromagnetische Wellen gesendet und empfangen

Wie ungesund Mobilfunk-Strahlen wirklich sind? Unsere Telefonauskunft klärt die wichtigsten Fragen

1. Was strahlt an Handys überhaupt?
Gespräche, SMS und andere Handy-Daten werden zwischen Mobiltelefon und der nächsten Basisstation, oft ein Mobilfunkmast, hin und her gesendet. Korrekter Ausdruck für die Strahlen: elektromagnetische Wellen. Je kürzer einzelne Wellenberge aufeinander folgen, desto höher die Frequenz der Strahlung und damit auch ihre Energie.

2. Welche Frequenzen nutzen Handys?
Derzeit gibt es drei Netze. Das D-Netz arbeitet mit Frequenzen um 900 Megahertz (kurz: MHz, Millionen Wellen pro Sekunde), das E-Netz mit 1800 MHz und das UMTS-Netz mit 2000. D- und E-Netz nutzen das GSM (Global System for Mobile Communications), das Gesprächsdaten in Paketen sendet. Der Wechsel von Senden zu Nichtsenden geht unmerklich schnell, 217-mal in der Sekunde. Durch diese Pausen kann eine Frequenz gleichzeitig für bis zu acht Gespräche genutzt werden. Im UMTS-Netz (Universal Mobile Communications System) wird dagegen kontinuierlich gesendet.

3. Ist eines der Mobilfunknetze in Sachen Strahlung empfehlenswert?
Darauf gibt es bislang keinerlei Hinweise. Die Sendeleistung der Handys, die in Watt gemessen wird, muss immer so ausgelegt sein, dass die auf den Kopf des Nutzers einwirkende Energie einen Grenzwert nicht überschreitet. Aus eben diesem Grund haben die auf geringerer Frequenz sendenden D-Handys bis zu zwei Watt Leistung, während E- und UMTS-Handys nur ein Watt haben dürfen.

Unsichtbar und überall: elektromagnetische Strahlung
Je kürzer die Wellenlänge, desto energiereicher die Strahlung

Gesetzliche Vorgaben: Was für Grenzwerte gibt es?

Auch für Handystrahlung gibt es Grenzwerte. Aber werden die auch eingehalten?

4. Welchen Grenzwert muss ein Handy einhalten?
Ist der Körper elektromagnetischen Wellen ausgesetzt, erwärmt er sich. Wie viel der Strahlungsenergie dabei vom Körper aufgenommen wird, beschreibt die spezifische Absorptionsrate (SAR), gemessen in Watt pro Kilo. Ein Handy darf SAR 2,0 nicht überschreiten. „Unterhalb dieses Wertes geht von den Geräten kein Risiko aus, das derzeit belegbar wäre“, sagt Expertin Ziegelberger.

5. Wie begründet sich der Grenzwert?
Zu Schäden kann es kommen, wenn sich das Gewebe um mehr als ein Grad erwärmt. Das kann durch eine Belastung mit einer Energiemenge von SAR 4,0 über 30 Minuten der Fall sein. Die Grenzwerte von SAR 2,0 (bei Einwirkung auf den Kopf) und SAR 0,08 (auf den ganzen Körper, gilt etwa für Basisstationen) sind so gewählt, dass die Temperatur-Erhöhung deutlich unter 1 Grad bleibt. Sie wurden von der Weltgesundheitsorganisation und Strahlen-Experten erarbeitet.

6. Wie werden SAR-Werte gemessen?
Mobiltelefone werden nach DIN-Vorschrift in zwei Positionen an den Kopf eines Dummys gelegt, der SAR-Wert wird bei der stärksten Sendeleistung gemessen. Der höchste Wert der Messreihen ist der offizielle SAR-Wert des Handys. Die strahlungsärmsten Modelle, die derzeit im Handel erhältlich sind, liegen unter SAR 0,3 (siehe Kasten, nächste Seite).

7. Halten die Hersteller den Grenzwert denn auch wirklich ein?
„Die SAR-Werte werden vom Bundesamt für Strahlenschutz nicht systematisch geprüft“, sagt Ziegelberger. „Bei Stichproben hat noch nie ein Gerät den Grenzwert überschritten.“

8. Warum sollte man überhaupt darauf achten, wenn die Handys doch die Grenzwerte einhalten?
„Da die Zahl von Strahlenquellen steigt und Langzeitfolgen nicht auszuschließen sind, sollte man das Minimum-Prinzip verfolgen: Je weniger man abbekommt, desto besser“, so Ziegelberger, „erst recht, wenn es technisch und durch simple Verhaltensänderungen leicht möglich ist.“

Örtliche Belastung: Wo ist die Strahlung am größten

Die Verteilung der Strahlung ist bei Handys und Basisstationen nicht gleichmäßig

9. Wann strahlt ein Mobiltelefon am stärksten?
Beim Ein- und Ausschalten, beim Aufbau der Verbindung, bei schlechtem Empfang. Weitere Strahlungsspitzen entstehen, wenn man sich während eines Gesprächs von einer Zelle – also dem Empfangsbereich einer Basisstation – in die nächste bewegt und beim Location-Update. Das ist eine „Hier bin ich“-Meldung, die ein eingeschaltetes Handy regelmäßig an die Basisstation sendet.

10. Wie ist die Strahlung von Basisstationen zu bewerten?
Die Ausbreitung von Mobilfunksignalen einer Basisstation wird vor ihrer Inbetriebnahme am Computer errechnet. Weil die Strahlen aber an Wänden, Autos, Bäumen reflektiert oder geschluckt werden können, sind die Berechnungen nur Näherungen. „In diversen Untersuchungen wurde gemessen, wie hoch die Exposition für die Bevölkerung wirklich ist“, sagt die Expertin. „Abgesehen von Plätzen direkt um die Station, die nicht zugänglich sind, erreichte sie nirgends auch nur ein Zehntel des Grenzwertes von SAR 0,08. Meist war’s sogar nur ein Hundertstel.“

11. Wo ist die Strahlung von Basisstationen am größten?
Normalerweise gilt: Je weiter weg von der Quelle, desto geringer die Strahlung. Bei den heute üblichen Sendern ist das im Umkreis von 200 Metern jedoch anders, weil sich die Strahlen nicht ringförmig ausbreiten, sondern keulenförmig, vor allem in eine Richtung. Messungen haben ergeben, dass man am Fuß eines Mobilfunkmastes in der Regel nur geringer Strahlung ausgesetzt ist. Bewegt man sich in Senderichtung vom Mast weg, durchschreitet man nacheinander mehrere Bereiche mit höherer und sehr geringer Strahlung. „Aber nirgendwo jenseits des Sicherheitsbereichs ist die von Basisstationen ausgehende Strahlung auch nur annähernd so hoch wie die des Handys während eines Gesprächs“, so Ziegelberger.

Sendemast
Wird dort benötigt, wo telefoniert wird

Basisstationen: Warum Sender in Wohngebieten stehen

Sender sind in bewohnten Gebieten, weil dort diejengen wohnen, die mit den Handys telefonieren

12. Warum werden die Sender immer mitten in bewohnte Gebiete gesetzt?
Je näher die Basisstation, desto besser ist der Empfang. Die Handy-Nutzer profitieren davon, denn das Gerät muss dann weniger Leistung bringen, um die Verbindung zu halten. Die Strahlung direkt am Kopf wird also reduziert. Standorte aller Mobilfunkanlagen unter http://emf.bundesnetzagentur.de.

13. Wie kann man sich vor zu viel Strahlung schützen?
Kabel- statt Funkverbindungen; Handys mit niedrigem SAR-Wert kaufen; Headsets, Freisprecheinrichtungen nutzen; Handy mit der Vorderseite zum Körper tragen; Verbindungsaufbau abwarten, Handy erst ans Ohr legen, wenn es beim Gesprächspartner klingelt; nicht so lange, nicht bei schlechtem Empfang oder im Auto ohne Außenantenne telefonieren, denn Metall lässt die Strahlen nicht so gut passieren.

Bekommt man vom Handy Krebs?

Risikoanalyse: Wie gefährlich sind die Strahlen

Alle reden drüber, eine Studie jagt die andere; aber wie gefährlich ist Handystrahlung denn nun?

14. Macht mobiles Telefonieren krank?
"Nach bisherigen Erkenntnissen ist es nicht gefährlich, aber bei einer so jungen Technologie sind Langzeitfolgen eventuell noch gar nicht absehbar und prinzipiell nicht auszuschließen", sagt Ziegelberger. "Allerdings ist es auch nicht so, als hätte die Erforschung hochfrequenter Strahlung erst mit dem Aufkommen der Handys begonnen – Radar, Radio und Fernsehen gibt es ja schon viele Jahrzehnte." Bei möglichen Gesundheitsfolgen muss man zwischen zwei Wirkmechanismen unterscheiden. Die thermische (also durch Wärme hervorgerufene) Wirkung der Strahlen kann Schäden verursachen, wenn sie ein gewisses Maß überschreitet. Das verhindert allerdings die Einhaltung der Grenzwerte. Viele sorgen sich wegen möglicher athermischer Wirkungen, die nicht durch Wärme hervorgerufen werden. In den Körperzellen werden so viele Abläufe elektrochemisch gesteuert, dass Störungen durch elektromagnetische Strahlen möglich scheinen.

15. Und wie gefährlich sind derartige Störungen der Zellchemie?
"Denkbar sind eine ganze Reihe von Folgen, die auch erforscht wurden, soweit das mit wissenschaftlichen Mitteln möglich ist", so Ziegelberger. Es wurden etwa Einflüsse auf den Schlaf erforscht, die Hirnaktivität oder die Blut-Hirn-Schranke, eine Barriere zwischen Blut und Gehirnflüssigkeit aus speziellen Zellen. Die Expertin: "Mitunter gab’s einzelne Effekte, die in neuen Studien bisher allerdings nicht zu wiederholen waren." Schwierig zu klären ist die Frage, ob Mobilfunkstrahlen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder ähnliche Beschwerden auslösen können. Bislang ist es nicht gelungen, Menschen zu finden, deren Gefühl für elektromagnetische Wellen sich im Labor belegen ließ. "Dennoch sind längst nicht alle Fragen geklärt", sagt Biologin Ziegelberger. "Und deshalb wird weitergeforscht." Unklar sei zum Beispiel, ob Kinder gegenüber elektromagnetischen Strahlen empfindlicher reagieren als Erwachsene. Diskutiert wird auch, ob es so genannte Fensterwirkungen gibt – dass also nur einzelne Frequenzen im Körper bisher unerkannte Wirkungen auslösen.

16. Was ist eigentlich mit Krebs?
Ziegelberger: "Nach allem, was wir bisher wissen, verursacht Mobilfunkstrahlung keinen Krebs. Einige richtungsweisende Studien zu Langzeitwirkungen laufen aber noch.“ So soll beispielsweise die länderübergreifende Interphone-Studie klären, ob langjährige Handy-Nutzung das Risiko erhöht, an einem Hirntumor zu erkranken. Auch die Resultate für das Uvealkarzinom, einer Krebsform am Auge, stehen noch aus. "Gegenüber der Strahlung, die vom Handy ausgeht, ist der Einfluss der Basisstationen so gering, dass davon keine Erhöhung der Krebsrate zu erwarten ist", sagt die Expertin und fügt hinzu: „Die jüngste Auswertung des bayerischen Krebsregisters bestätigt, dass in der Umgebung von Basisstationen die Krebsrate nicht höher ist als anderswo."

17. Kann die Masse verschiedener Funkstrahlen zum Problem werden?
Neben Mobilfunk sowie Fernsehen und Radio gibt es auch noch schnurlose Telefone, Babyfone, drahtlose Internet-Verbindungen (WLAN-Router), Fernbedienungen, Bluetooth-Geräte und mehr. Sie alle sind unproblematisch, da sie im Gegensatz zu Mobil- und Rundfunk nur geringe Entfernungen überbrücken müssen und deshalb geringe Sendeleistungen genügen. Wie groß aber die Summe all dieser Strahlenbelastungen tatsächlich ist, lässt sich kaum sagen. "Erst seit kurzer Zeit gibt’s Messgeräte, die individuelle Strahlenbelastungen über längere Zeit messen können und bei denen man verschiedene Quellen getrennt auswerten kann", sagt Expertin Ziegelberger. "Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Studien, in denen Probanden ihre Strahlenbelastung im Alltag messen. Mit gesundheitsschädlichen Werten rechne ich dabei aber nicht."

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