Filmtipp "Argo": Wie Hollywood Geiseln befreite

Ein CIA-Mann holt 6 Amerikaner aus dem Iran – mit einer der unglaublichsten Aktionen der Geheimdienstgeschichte. Warum Ben Afflecks Politthriller "Argo" der spannendste Film des Jahres ist

Es klingt wie aus einem schlechten Hollywoodthriller: Um 6 US-Bürger aus dem von Revolution und Umsturz geprägten Iran zu befreien, erfindet die CIA eine kanadische Filmfirma für den trashigen Science-Fiction-Film Argo – inklusive Produktionsbüro, Drehbuch, Filmplakat und Castings. Bei einer angeblichen Drehortbesichtigung in Teheran soll der angebliche Produzent die untergetauchten Amerikaner als falsches Filmteam aus dem Land schaffen. Absurd, aber im Jahr 1980 genauso passiert. Ben Affleck hat aus dem Stoff jetzt einen unfassbar spannenden Kinofilm gemacht, der Sie von der ersten bis zur letzten Minute fesseln wird. Und das selbst wenn Sie wissen, wie die Aktion damals ausgegangen ist.  

In "Argo" will Tony Mendez (Ben Affleck, rechts) 6 Amerikaner mit Hilfe einer gefälschten Filmproduktion aus dem Iran befreien
Tony Mendez (Ben Affleck), Make-up-Star John Chambers (John Goodman) und Trash-Film-Produzent Lester Siegel (Alan Arkin) wollen 6 Amerikaner aus dem Iran befreien

Darum geht’s: 1979 stürmen Anhänger des iranischen Revolutionsführers Ajatollah Khomeini die US-Botschaft in Teheran. 52 US-Bürger werden dort anschließend insgesamt 444 Tage lang gefangen gehalten. Vorher können 6 Amerikaner durch einen Hinterausgang entkommen und sich in der kanadischen Botschaft verstecken. Die CIA will die Flüchtlinge aus Angst um deren Ermordung aus dem Land schmuggeln. Experte Tony Mendez (Ben Affleck) schlägt vor, den Dreh eines Science-fiction-Films namens Argo vorzugeben, eine Art Star Wars an exotischen Schauplätzen im Iran. Mit im Boot: Hollywoods Make-up-Star John Chambers (John Goodman) und Trash-Film-Produzent Lester Siegel (Alan Arkin). Zusammen täuschen Sie Castings vor, geben Interviews, lassen Plakate entwerfen. Bei einer Drehort-Besichtigung in Teheran sollen die 6 US-Bürger als vermeintliches Filmteam aus dem Land geschafft werden. Auch weil es keine Alternativen gibt, stimmen CIA und US-Regierung dem verrückten Plan zu.

Argo: 6 Amerikaner sind in die kanadische Botschaft in Teheran geflohen
Geiseldrama 1980 im Iran: 6 Amerikaner sind in die kanadische Botschaft in Teheran geflohen

Nervenkitzel mit Riesenschnäuzer
Das Beste: Regisseur und Hauptdarsteller Affleck kommt ohne die klassischen Agentenklischees aus. Weder spektakuläre Verfolgungsjagden noch wilde Schießereien gibt’s in Argo. Dafür wirken Kamera, Drehorte und Optik so authentisch, dass man keine Sekunde an der Echtheit des Geschehens zweifelt. Selbst die Schauspieler (außer Affleck) gleichen den original Beteiligten, von der Pilzfrisur bis zum Riesenschnäuzer. Argo sieht streckenweise wie ein Dokumentarfilm aus, auch weil er clever echte Nachrichtenaufnahmen mit neu gedrehtem Material verknüpft. Geschickt springt die Handlung zwischen den Flüchtlingen, der Revolution in Teheran, Hollywood und den Bürokraten in Washington hin und her. Das Ergebnis ist schlichtweg meisterhaft – trotz oder gerade wegen der absurden Agentengeschichte, die dahinter steckt.

Fazit: Zwei packende Geschichtsstunden mit purem Nervenkitzel. Argo ist der spannendste Film des Jahres.

Argo (USA 2012)
Regie: Ben Affleck
Buch: Chris Terrio, Joshuah Bearman (Vorlage)
Darsteller: Ben Affleck, John Goodman, Alan Arkin
Länge: 120 Minuten
Start: 8. November 2012

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